Mit günstigem Wohnraum geht es allzu oft nicht voran – es geht aber auch anders: Ein Neubauprojekt in Berlin-Lichtenberg zeigt, wie die enge Kooperation zwischen Projektentwickler, Bezirk und öffentlicher Wohnungsbaugesellschaft selbst unter schwierigen Bedingungen zum Erfolg führen kann.

Berlin steckt tief in einem wohnungspolitischen Dilemma: Steigende Einwohnerzahlen treffen auf sinkende Genehmigungszahlen und explodierende Baukosten. Während im Jahr 2014 noch knapp 14.500 Wohnungen genehmigt wurden, waren es 2024 nur noch rund 9800 – ein Rückgang von über 30 Prozent. Gleichzeitig wuchs die Stadtbevölkerung um rund zwölf Prozent: 400.000 Menschen kamen dazu.
Für Politik, Verwaltung und Wohnungswirtschaft ergibt sich daraus eine drängende Aufgabe: Wie kann heute bezahlbarer, nachhaltiger Wohnraum geschaffen werden – schnell, effizient und verlässlich?
Ein Beispiel für ein gelungenes Zusammenspiel zwischen privaten und öffentlichen Akteuren steht im Osten Berlins, im Stadtteil Karlshorst im Bezirk Lichtenberg: Das Neubauprojekt in der Walkürenstraße 17 bis 22 umfasst 234 geförderte Mietwohnungen und soll bis 2028 fertiggestellt werden. Entwickelt von der Inter Stadt AG, verkauft an die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Stadt und Land, eingebettet in einen kontinuierlichen Abstimmungsprozess mit dem Bezirk.
Gemeinsam für mehr Wohnraum
Das Besondere dieses Projekts sind nicht nur Bauweise und Zielgruppe, sondern insbesondere auch der politische und administrative Schulterschluss, der es ermöglichte. Der Bezirk Lichtenberg gilt – zumindest im Fall Walkürenstraße – als Beispiel für eine konstruktive, lösungsorientierte Verwaltungskultur.
Bereits in einer frühen Planungsphase wurde eine Baugenehmigung erteilt. Ein seltener Vorgang in einem Bundesland, in dem Genehmigungsstaus oft über Jahre hinweg Projekte ausbremsen. Dabei wurde auf Konfrontation verzichtet. Stattdessen fand ein intensiver Dialog statt – zwischen Bezirk, Wohnungsbaugesellschaft und Projektentwickler. Ziel war es, ein Konzept zu entwickeln, das soziale Durchmischung, ökologische Nachhaltigkeit und wirtschaftliche Machbarkeit vereint.
Verwaltung als Möglichmacher
So gelang die Umnutzung eines Areals mit bislang ungenutztem Potenzial vor allem, weil der Bezirk nicht auf standardisierten Verfahrensabläufen beharrte, sondern flexibel auf neue Realitäten reagierte – etwa in Bezug auf Wohnbedarfe und Infrastrukturanschluss. Die Genehmigungsbehörde erwies sich damit als Ermöglicher.
Neben dem Bezirk war die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft ein zentraler Akteur im Gelingen des Projekts. Sie trat nicht nur als Käufer auf, sondern übernahm wie der Entwickler von Anfang an Verantwortung für die soziale Ausrichtung des Projekts.
Der schlüsselfertige Ankauf reduziert Planungsrisiken, verkürzt Umsetzungsfristen und schafft für den Bauherrn eine klare Perspektive. Gleichzeitig kann die Kommune auf diesem Weg gezielt Einfluss auf die soziale Struktur des entstehenden Quartiers nehmen.
Für den Käufer ist das Projekt ein Glücksgriff: Die 234 Wohnungen richten sich an Haushalte mit Wohnberechtigungsschein (WBS 220) – unter anderem Pflegekräfte, Rentner, Alleinerziehende. Wohnraum in attraktiver Citylage ist diesen Einkommensgruppen nur selten möglich. Mit dem Erwerb des Projekts stärkt die Stadt ihre Rolle als aktive Wohnraumanbieterin – nicht irgendwo am Stadtrand, sondern in urbaner, gut angebundener Lage.
Beispielhafte Stadtentwicklung
Das Projekt dient als Beispiel für eine neue Qualität der Zusammenarbeit in der Stadtentwicklung. Es zeigt, dass eine konsequente Einbindung öffentlicher Unternehmen und frühzeitige Gespräche mit Bezirken nicht nur Bürokratie abbauen, sondern Planungssicherheit schaffen können.
Kommunale Entscheiderinnen und Entscheider können aus diesem Projekt mehrere Lehren ziehen:
- Bezirksverwaltungen sollten bei vielversprechenden Projekten frühzeitig in die lösungsorientierte Abstimmung gehen – und dabei flexibel auf neue Herausforderungen reagieren.
- Landeseigene Unternehmen können als strategische Ankaufspartner zentrale Rollen übernehmen – vorausgesetzt, sie sind nicht nur Käufer, sondern konzeptionell eingebunden.
- Private Entwickler sind bereit, soziale Verantwortung zu übernehmen – wenn ihnen Planungssicherheit, Finanzierungsperspektiven und faire Genehmigungsprozesse geboten werden.
Für eine neue kommunale Praxis
Das Beispiel in Lichtenberg zeigt, dass grünes Bauen auch unter widrigen Bedingungen realisierbar ist. Es ist ein Modell, das über Berlin hinaus zum Vorbild taugt: für Stadtverwaltungen, Wohnungsbaugesellschaften und private Projektentwickler, die den Schulterschluss suchen.
Sascha Klupp



