Der Wille ist da, und doch werden die guten Vorsätze oft in der Umsetzung ausgebremst – tatsächlich muss energieeffizientes Bauen aber nicht aufwendiger und teurer als konventionelles Bauen sein, betont Johannes Laible. Der BenG-Vorstand erläutert, wie es aus Verbandssicht funktionieren kann.

Wie steht es um Energieeffizienz und Klimagerechtigkeit bei kommunalen Gebäuden? Klar ist: Es gibt kaum eine Kommune, bei der das Thema nicht angekommen wäre. Auch – und vielleicht gerade – in vermeintlich rückständigen Kleinstädten und Dörfern gibt es hoch motivierte Verwaltungen und engagierte Gemeinderäte, die ihre Kitas, Schulen, Sporthallen und Verwaltungsgebäude ambitioniert bauen und sanieren möchten. So entstehen echte Vorzeigeprojekte – allzu häufig aber werden die hohen Ziele Opfer von Planungsfehlern und Kirchturmdenken.
Jeder Energieeffizienzexperte und Passivhausplaner kennt diese Beispiele: Die neue Kita soll als Passivhaus oder Effizienzhaus 40 Plus gebaut werden, der ausgelobte Wettbewerb soll aber zunächst einen überzeugenden Entwurf bringen. Wenn dann im zweiten Schritt höchste Energieeffizienz und nachwachsende Rohstoffe mit einbezogen werden, überschreiten die veranschlagten Kosten das Budget bei weitem. Also wird die Nachhaltigkeit auf das gesetzlich Notwendige beschränkt.
Dabei sind die vermeintlichen Mehrkosten für klimagerechtes Bauen vor allem der Planung geschuldet: Die Energieeffizienz der Architektur anzupassen, ist ungleich viel teurer, als von Beginn an eine hocheffiziente Architektur zu planen.
Nachhaltiges Bauen: Das Rad ist längst erfunden
Ein zweites Problem betrifft die Kommunalverwaltungen wie auch Stadt- und Gemeinderäte gleichermaßen, die von der individualistischen deutschen Baukultur geprägt sind: Jedes Gebäude soll ein Unikat sein! Es ist erstaunlich, wie wenig sich Gemeinden an den Erfolgsprojekten anderer Orte orientieren. Jede Schule wird geplant, als sei zuvor nirgends eine Schule entstanden.
Aber ist es wirklich ein Armutszeugnis, wenn die Sporthalle oder die Schulerweiterung dem Erfolgsmodell anderswo gleicht? Nein! Copy & Paste bei Kommunalbauten ist Ausdruck von dingend notwendigem Pragmatismus, Entbürokratisierung, Kostenbewusstsein und gelebtem Klimaschutz.
Kopieren ist unbedingt erwünscht
Es gibt sie, die guten Beispiele. Und zwar in großer Zahl. Allein im Bereich Passivhaus sind in den letzten Jahren zahlreiche öffentliche Bauten und Wohngebäude kommunaler Wohnbauträger entstanden. Um nur die Vorreiter zu nennen:
- Klinikum Frankfurt Höchst: Weltweit erstes Krankenhaus im Passivhausstandard mit 675 Betten.
- Bahnstadt Heidelberg: Europas größte Passivhaussiedlung mit 7000 Bewohnern und 6000 Arbeitsplätzen, klimaneutral durch Fernwärme.
- Walldorf – Neue Soziale Mitte: Passivhaus-Stadtteil mit Schule, Kita, Sporthalle und Mensa.
- Hallenbad Bambados Bamberg: Das erste Passivhaus-Hallenbad Europas spart 56 Prozent Wärme pro Quadratmeter Wasserfläche.
- Kunstmuseum Ravensburg: Erstes zertifiziertes Passivhaus-Museum mit recycelten Ziegeln und Geothermie.
- Gymnasium Buchloe: Passivhaus-zertifiziert mit Komfortlüftung für optimales Lernklima.
- Kita Völklingen: Erster Passivhaus-Kindergarten im Saarland in Holzbauweise.
Muss es aber immer das Passivhaus sein, das kommunaler Leuchtturm sein kann? Das Passivhaus macht tatsächlich immer Sinn und bedeutet auch für Kommunen mehr Unabhängigkeit von globalen Entwicklungen und steigenden Energiepreisen. Anpassungsmaßnahmen beim Energieverbrauch sind für viele Kommunen zwingend, steigende Investitionen in die Energieeffizienz bis hin zum Passivhausstandard unbedingt lohnend.
Aber was ist mit anderen Maßnahmen? Nachhaltigkeit drückt sich nicht allein durch Energieeffizienz und minimierten Wärmebedarf im Betrieb aus. Es geht auch um die Minimierung von CO2-Emissionen bereits bei der Errichtung von Gebäuden.
Sportlich in die Planungsaufgabe
Hier erregt jetzt en neues Tool die Aufmerksamkeit von Landkreisen und Kommunen: „LNB – Leitfaden Nachhaltig Bauen“. Was hierzulande im Landkreis Ravensburg und in Karlsruhe startete, begeistert immer mehr Städte und Gemeinden. LNB-Experten vermitteln auf seriöse, pragmatische und fast schon sportliche Art, wie in einem Bewertungsmodul möglichst viele Punkte erreicht werden können.
Dietmar Lenz hat als Geschäftsführer der Agentur für nachhaltiges Bauen GmbH das LNB mitentwickelt – er erläutert das Ziel des Leitfadens: „Die größte Herausforderung ist aktuell, Bauherrn davon zu überzeugen, dass nachhaltig zu bauen – zumindest über den Lebenszyklus betrachtet – nicht teurer sein muss als konventionell zu bauen. In der Entwurfsentscheidung liegt der größte Hebel, sich für ein nachhaltiges und wirtschaftliches Projekt zu entscheiden. Wichtig ist dabei, dass der Bauherr früh ein Nachhaltigkeitsziel definiert, zum Beispiel die Definition eines Punkteziels im LNB-Leitfaden.“
Damit ausgeschlossen ist auch die eingangs beklagte „Nachhaltigkeitskosmetik“ nach Abschluss der Entwurfsplanung – Schluss für Mehrkosten bei klimagerechten Kommunalbauten.
Johannes Laible
Der Autor
Johannes Laible ist Vorstand im Bundesverband effiziente nachhaltige Gebäude BenG (vormals Pro Passivhaus e.V.)



