Die Kupfer-Glasfaser-Migration steht an – aber noch ist nur knapp ein Viertel der Haushalte tatsächlich mit Glasfaser versorgt. Wie ist der aktuelle Stand bei den digitalen Infrastrukturen? Was steht an? VATM-Geschäftsführer Frederic Ufer ordnet ein.

Wenn es um digitale Infrastruktur geht, ist die öffentliche Debatte oft wenig optimistisch. Dabei
lohnt sich ein genauerer Blick auf die Zahlen: Deutschland ist in vielen Bereichen deutlich weiter, als das gängige Bild vermuten lässt. Ein besonders beeindruckendes Beispiel liefert der 5G-Mobilfunkausbau. Mit einer Flächenabdeckung von rund 95 Prozent zählt Deutschland heute zu den Spitzenreitern in Europa. Das zeigt, was möglich ist, wenn politischer Wille und funktionierender Wettbewerb Hand in Hand gehen.
Beim Glasfaserausbau sieht die Ausgangslage anders aus. Deutschland ist spät gestartet – und hat dennoch in den vergangenen Jahren beeindruckend aufgeholt. Den entscheidenden Schub gaben vor allem die Wettbewerber, die massiv investiert und den Markt in Bewegung gebracht haben. Der entstandene Druck hat schließlich auch die Telekom zu einem stärkeren Glasfaserengagement bewogen.
Wichtige Weichenstellungen für die Kupfer-Glas-Migration
Das Jahr 2026 markiert dabei einen politischen und regulatorischen Wendepunkt. Bundesregierung, Bundesnetzagentur und EU-Kommission haben wichtige Initiativen auf den Weg gebracht, um den Umstieg auf Glasfaser zu gestalten und die alten Kupfernetze schrittweise abzuschalten. Dies sind endlich sehr konkrete, längst überfällige Weichenstellungen.
Die Bundesnetzagentur hat mit ihrem Anfang des Jahres vorgestellten Regulierungskonzept für die Kupfer-Glas-Migration das Signal klar auf Abschaltung gestellt. Doch die Migration vom alten Kupferdraht auf das glasfaserbasierte Hochleistungsnetz ist mehr als ein bloßes Upgrade oder ein Technikwechsel – sie ist eine Umgestaltung eines gesamten Marktes. Der Abschied von DSL gelingt am besten, wenn sich Verbraucherinnen und Verbraucher gut informiert fühlen und freiwillig dafür entscheiden. Attraktive Produkte, faire Preise, verlässliche Prozesse und echte Wahlfreiheit sind Voraussetzung für den Wechsel.
Kommunen als wichtige Multiplikatoren
Kommunen sind dabei wichtige Multiplikatoren für Aufklärung und Akzeptanz. Denn der Umstieg auf Glasfaser ist nicht nur ein Technikthema – er ist vor allem auch ein Kommunikationsthema. Dafür brauchen die Städte und Gemeinden einen transparenten Zeitplan mit verbindlichen Fristen und klaren Zuständigkeiten – für die Menschen vor Ort und ganz besonders auch für die lokale Wirtschaft und den Handel, für die ein starkes digitales Netz mehr Standortfaktor denn je ist.
Wo nachzubessern ist
Die Bundesregierung hat in den letzten Wochen mit dem Referentenentwurf zur TKG-Novelle einen weiteren Baustein für den Infrastrukturausbau in Deutschland vorgestellt. Darin enthalten sind viele Stellschrauben für mehr Tempo beim Glasfaserausbau, die auch den Kommunen und konkret deren Bauverwaltungen einiges abverlangen.
Aus Perspektive des Wettbewerbs kritisch: Das Gesetz überlässt dem marktbeherrschenden Ex-Monopolisten weiterhin die Entscheidung darüber, wann und wo abgeschaltet wird. Das ist ein Konstruktionsfehler. Wer die Abschaltung steuert, beeinflusst Investitionen, Kundenzugänge und die gesamte Wettbewerbsdynamik im Glasfasermarkt. Seit Jahren ist zu beobachten, dass die Telekom kein originäres Interesse daran hat, ihr Kupfernetz zügig vom Markt zu nehmen. Umso wichtiger wäre ein Prozess, der sich nicht an den Interessen eines einzelnen Unternehmens orientiert, sondern am Ziel eines funktionierenden Wettbewerbs auf neuer Infrastruktur.
Richtig ist: Die Zielgerade ist noch nicht erreicht. Nur 22 Prozent der Haushalte in Deutschland sind bislang tatsächlich mit Glasfaser versorgt. Besonders die Nachverdichtung ist eine Herausforderung – also der Anschluss von Häusern, an denen das Glasfaserkabel zwar vorbeiführt, aber bisher nicht ins Gebäude geht. Schwierig gestaltet sich zudem die Versorgung in Mehrfamilienhäusern, wo Eigentümerfragen und WEG-Strukturen den Ausbau häufig bremsen. Auch hier braucht es praktikable Regeln und mehr Tempo.
Mehr Dynamik durch die TKG-Novelle
Für Kommunen ist die TKG-Novelle gerade auch deshalb von Relevanz, weil sie die Verfahren für Glasfaser- und Mobilfunkausbau deutlich beschleunigen und vereinheitlichen soll. Insbesondere die geplanten Anpassungen bei den Wegerechten zielen auf schnellere, einheitlichere und weniger bürokratische Verfahren. Ausbauvorhaben müssten danach zügig, rechtssicher und vollzugstauglich bearbeitet werden. Zugleich eröffnet die Novelle die Chance, Planungs- und Verfahrenssicherheit für alle Beteiligten zu verbessern.
Entscheidend wird jedoch sein, dass Beschleunigung nicht zu neuen Unklarheiten, zusätzlichen Nachweispflichten oder einem Flickenteppich unterschiedlicher Verwaltungspraxen führt. Für Kommunen kommt es daher darauf an, dass der gesetzliche Rahmen praxistauglich ausgestaltet ist und Anreize bietet, den Ausbau gemeinsam mit den Unternehmen bestmöglich zu stemmen.
Ein weiteres wichtiges Element dafür, dass die weitestgehend flächendeckende Versorgung mit Glasfaser gelingt, ist eine gezielte staatliche Unterstützung gerade dort, wo Häuser oder Straßenzüge wirtschaftlich nur schwer zu erschließen sind. Denn gerade dieser letzte, teuerste Abschnitt des Ausbaus wird nicht überall allein vom Markt gelöst werden können.
Worauf es ankommen wird
Die Bilanz 2026 ist besser als ihr Ruf. Aber der schwierigste Teil beginnt jetzt erst: Der Abschied vom Kupfer, die Erschließung von Mehrfamilienhäusern und der Anschluss bis in die Wohnung. Genau dort entscheidet sich, ob aus Ausbauzahlen echte digitale Teilhabe wird.
Frederic Ufer
Der Autor
Dr. Frederic Ufer ist Geschäftsführer des VATM (Verband der Anbieter im Digital- und Telekommunikationsmarkt).




