Kommunale Wärmewende: Studie zeigt, wie Städte und Gemeinden ihre Wärmeversorgung neu ausrichten

Kommunen stehen vor der Aufgabe, ihre Wärmeversorgung neu auszurichten. Eine Studie des Öko-Instituts und Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme zeigt, dass Wärmepumpen und Wärmenetze an Bedeutung gewinnen. Um Kommunen in der Wärmewende zu unterstützen, legen die Studienautoren zudem eine Reihe von Empfehlungen für Städte und Gemeinden vor.

Kommunale Wärmewende
Wärmepumpen und Wärmenetze prägen die kommunale Wärmeplanung – doch bei Datengrundlagen und Annahmen zeigen sich laut Studie noch erhebliche Lücken. Foto: Adobe Stock/Pixel-Shot

Das Wärmeplanungsgesetz (WPG) verpflichtet rund 11.000 Kommunen, spätestens bis Ende Juni 2028 eine kommunale Wärmeplanung zu erstellen. Eine Studie des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE und des Öko-Instituts analysiert erstmals 113 kommunale Wärmepläne von insgesamt 223 Städten und Gemeinden in ganz Deutschland.

Die Auswertung zeigt, dass Wärmepumpen eine zentrale Rolle in der kommunalen Wärmewende einnehmen, während größere Kommunen zusätzlich verstärkt auf Wärmenetze setzen. Zugleich wird deutlich, dass viele Kommunen von rückläufigen Wärmebedarfen ausgehen, ohne dass die zugrunde liegenden Annahmen ausreichend nachvollziehbar sind.

Das Forschungsteam empfiehlt daher, einen einheitlichen Korridor für realistische Energieeinsparungen festzulegen. Darüber hinaus sprechen sich die Autoren dafür aus, das geplante Gebäudemodernisierungsgesetz der Bundesregierung eng mit dem Wärmeplanungsgesetz zu verzahnen. Dies berichten das Öko-Institut und das Fraunhofer ISE in einer Mitteilung.

Die Wärmepumpe als wichtige Technologie

Lokale Gegebenheiten, bestehende Infrastrukturen sowie die verfügbaren Potenziale unterschiedlicher Energieträger haben großen Einfluss auf die jeweiligen Transformationspfade. So greifen größere Städte deutlich häufiger auf Wärmenetze zurück. In Großstädten mit mehr als 100.000 Einwohnerinnen und Einwohnern liegen die für das Jahr 2045 vorgesehenen Anteile leitungsgebundener Wärmeversorgung zwischen 47 und 82 Prozent. Kleinere Kommunen im ländlichen Raum setzen dagegen häufig auf dezentrale Versorgungslösungen.

„Über alle Pläne und Kommunengrößen hinweg zeigt sich, dass die Wärmepumpe die wesentliche Technologie für jene Gebiete ist, die sich nicht für eine zentrale Wärmeversorgung über Wärmenetze eignen“, so Marc Stobbe, Wissenschaftlicher Mitarbeiter Energie & Klimaschutz am Öko-Instititut.

Kommunen setzen auf Wärmenetze

Den Planungen zufolge ist vorgesehen, Wärmenetze in Kommunen aller Größen auszubauen. Ihr Anteil soll insgesamt von aktuell durchschnittlich 16 Prozent auf 40 Prozent steigen. Auch innerhalb der Wärmenetze sollen Wärmepumpen eine maßgebliche Rolle für die Versorgung der Kommunen einnehmen.

Aus Sicht der Forschenden liegt ein wesentliches Defizit vieler Wärmeplanungen darin, dass der Bedarf an Raum- und Prozesswärme in den Sektoren Gewerbe und Industrie unberücksichtigt bleibt. „Hier ist Abhilfe dringend erforderlich, wenn die kommunale Wärmeplanung als Grundlage der Transformation für Netzbetreiber und Energieversorger dienen soll“, sagt Projektleiterin Dr. Jessica Thomsen vom Fraunhofer ISE. 

Herausforderungen bei der Nutzung von Biomasse

Die Auswertung zur Nutzung von Biomasse macht zwei zentrale Problempunkte deutlich. Zum einen legen Kommunen unterschiedliche Maßstäbe dafür an, was sie unter Biomasse verstehen. Beispielsweise bleibt offen, ob Abfälle in die Potenziale einbezogen werden, nach welchen Nachhaltigkeitskriterien Holz bewertet wird und in welcher Weise landwirtschaftliche Flächen sowie Abfälle berücksichtigt werden.

Zum anderen übersteigt in zahlreichen Wärmeplänen der Verbrauch biogener Energieträger das vor Ort verfügbare Potenzial. In der Gesamtschau der untersuchten Pläne wirft dies Fragen hinsichtlich der langfristigen Nachhaltigkeit und Umsetzbarkeit auf.

Konkrete Angaben zur Reduktion des Wärmebedarfs fehlen vielerorts

Zahlreiche Wärmepläne gehen von einer deutlichen Verringerung des Wärmebedarfs aus. Die Auswertung zeigt jedoch, dass oft unklar bleibt, ob Kommunen diese Einsparungen durch energetische Gebäudesanierungen oder durch andere Effizienzmaßnahmen erreichen wollen.

Das Forschungsteam von Fraunhofer ISE und Öko-Institut empfiehlt daher, die Sanierungsrate für die kommunale Wärmeplanung einheitlich festzulegen. Derzeit fehlen in vielen Plänen konkrete Angaben dazu, was unter einer Sanierung verstanden wird und welche energetischen Niveaus dabei zugrunde gelegt werden.

Empfehlungen für Kommunen

Um die notwendigen Entscheidungen und Investitionen zu ermöglichen, empfehlen die Studienautorinnen und -autoren, das geplante Gebäudemodernisierungsgesetz und das Wärmeplanungsgesetz aufeinander abzustimmen. Darüber hinaus sind aus ihrer Sicht langfristig verlässliche Fördermaßnahmen erforderlich, etwa die Bundesförderung für effiziente Wärmenetze (BEW) und die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG).

Ergänzend wird empfohlen, einen standardisierten Korridor für realistische Energieeinsparungen festzulegen. Kommunen könnten von diesen Vorgaben abweichen, müssten entsprechende Abweichungen jedoch ausdrücklich darlegen und begründen. Auf diese Weise würden zentrale Annahmen systematisch transparent gemacht und die Nachvollziehbarkeit der Ergebnisse gestärkt. Gleichzeitig verbessert sich die Planungsgrundlage für Netzbetreiber und Energieversorger.

Red.


Zur Studie

Die Studie „Kommunale Wärmeplanung in Deutschland. Auswertung abgeschlossener Wärmepläne im Projekt KOMpare“ von Öko-Institut und Fraunhofer ISE wurde zuletzt im März 2026 aktualisiert.


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