Die Stadtwerke Norderstedt nutzen ihr Rechenzentrum als Wärmequelle – und treiben so die Energiewende voran. Über 10 Millionen Kilowattstunden Serverwärme konnten bereits ins Fernwärmenetz eingespeist werden.

Die Stadtwerke Norderstedt zeigen, wie die Informations- und Kommunikationstechnologie innovativ mit der Wärmeversorgung verknüpft werden kann. Bereits seit April 2024 nutzen sie die Abwärme ihres eigenen Rechenzentrums zur Einspeisung in das kommunale Fernwärmenetz.
Wie der BDEW Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V. in einer Mitteilung berichtet, sparen sie dank dieser intelligenten Sektorenkopplung jedes Jahr bis zu 3800 Tonnen CO2 ein.
Rechenzentrum wird zur Wärmequelle
Bei der Etablierung des Systems bestand die größte technische Herausforderung darin, die Temperaturdifferenz zwischen der Serverkühlung und den Anforderungen des Fernwärmenetzes zu überbrücken. Die Server geben Abwärme mit etwa 28 Grad Lufttemperatur ab, während das Temperaturniveau im Wasserkreislauf der Wärmepumpen bei rund 19 Grad liegt.
Für die Einspeisung in das Fernwärmenetz ist diese Temperatur jedoch nicht ausreichend. Deshalb wird die Wärme mittels zweier leistungsstarker Wärmepumpen auf 81 Grad angehoben. Bei voller Auslastung der Server erreichen die Anlagen so eine Heizleistung von bis zu 1.800 Kilowatt.
Große Mengen CO₂ eingespart
Seitdem die Wärmepumpen in Betrieb genommen wurden, konnten schon rund 10 Millionen Kilowattstunden Wärme in das Fernwärmenetz eingespeist werden – ausreichend, um etwa 1000 Zwei-Personen-Haushalte das ganze Jahr über zu versorgen. Die jährliche CO₂-Einsparung beläuft sich dabei auf mehrere tausend Tonnen.
Aber auch aus betriebswirtschaftlicher Sicht erweist sich das Projekt als lohnend. Die Stadtwerke gehen von einer zügigen Amortisation aus, was insbesondere auf den niedrigeren Erdgasverbrauch und die reduzierten Betriebskosten zurückzuführen ist.
Vorteile des Systems
Das System zeichnet sich durch seine besondere Effizienz aus, da die Wärmepumpen eine Doppelfunktion übernehmen: Sie erzeugen Wärme und kühlen gleichzeitig die Serverräume. Ein zusätzlicher Umluftkühler sorgt für eine konstante Raumtemperatur, sodass noch mehr Abwärme genutzt werden kann.
Vorteilhaft ist zudem, dass die benötigte Infrastruktur bereits vorhanden war – das Rechenzentrum liegt direkt über dem Fernwärmenetz, sodass nur minimale bauliche Maßnahmen erforderlich waren. Darüber hinaus führt die Abschaltung herkömmlicher Kühlaggregate zu einem geringeren Stromverbrauch, und auch die Lärmbelastung am Betriebsgebäude konnte durch den Einsatz der neuen Technik verringert werden.
Für die Stadtwerke Norderstedt ist dieses Projekt ein wesentlicher Bestandteil der Strategie, die Wärmeversorgung bis spätestens 2040 komplett klimaneutral zu gestalten. Weitere Wärmepumpenprojekte an bestehenden BHKW-Standorten sowie die Einbindung zusätzlicher Wärmequellen wie Außenluft, Abgase und andere industrieller Abwärmequellen befinden sich bereits in der Planung.
Red.



