Wie kann, wie soll es weitergehen mit der Energiewende? Ein zentrales Element können Speicher sein – welche Bedeutung sie für Kommunen haben sollten und warum ihr Einsatz sich lohnt, schlüsselt Beatrice Schulz für den Bundesverband Energiespeicher Systeme auf.

Wer Speicher denkt, denkt Zukunft vor Ort. Energiespeichersysteme sind das Bindeglied zwischen Erzeugung und Verbrauch – und zentraler Bestandteil in einem modernen Energiesystem. Von Großbatteriespeichern bis hin zu Pufferspeichern in der Warmwasserbereitung sind die Lösungen vielfältig. Der Ansatz ist nicht neu. Vom Kornspeicher über Gas- und Öltanks und auch bei den Wärmespeichern ist der dezentrale Ansatz der Speicherung und Lagerhaltung ein etabliertes Konzept.
Relativ neu ist das Konzept hingegen im Stromsektor, obwohl es auch hier naheliegend ist. So kann lokale Erzeugung möglichst lokal genutzt werden, und geringe Transportwege bedeuten in der Regel auch geringere Kosten.
Vorteil der Selbstbestimmung
Durch den Einsatz von Speichern können Kommunen, Betriebe sowie Bürgerinnen und Bürger ihr Schicksal stärker in die eigene Hand nehmen und die lokale Energiewende aktiv selbst gestalten. In einigen Fällen sogar, ohne auf den häufig langwierigen Netzausbau warten zu müssen.
Die Einsatzmöglichkeiten reichen von der Versorgung kommunaler Gebäude mit vor Ort erzeugter erneuerbarer Energie über Quartiers- und Gewerbespeicher bis hin zum Einsatz für die Netzstabilisierung der kommunalen Netzbetreiber. Sie leisten in diesen Anwendungen einen Beitrag zur Integration erneuerbarer Energien, Stabilität und ermöglichen zugleich die kostenoptimierte Energiebeschaffung insbesondere für Industrie und Gewerbe.
Anwendungsszenarien im Detail stellt der gemeinsame Leitfaden „Stromspeicher in Industrie und Gewerbe“ der Deutschen Industrie- und Handelskammer und des Bundesverbands Energiespeicher Systeme dar. Er gibt Einblick in viele auch für kommunale Unternehmen spannende Praxisbeispiele. Zugleich legt der Leitfaden den Blick auf die rechtlichen Grundlagen, die es bei Errichtung und Inbetriebnahme von Batteriespeichern zu beachten gilt.
Beispiele aus der Praxis
Eines der Beispiele ist der Einsatz eines Batteriespeichers bei einem Stadtwerk an einer Kläranlage. Eine große Photovoltaikanlage mit einem leistungsstarken Speicher optimiert in diesem Fall die Energieversorgung der Kläranlage. Überschüssiger Solarstrom wird gespeichert und gezielt genutzt, um Kosten zu senken und Netzgebühren zu reduzieren. Das Ziel ist es, langfristig stabile Gebühren für die Verbraucher zu gewährleisten.
Einsatz in hochsensiblen Bereichen
Die anstehende Reform der Netzentgeltstruktur wird hier absehbar gerade für industrielle Anwendungen weitere Flexibilisierungsanreize liefern. Auch in der kritischen Infrastruktur zur Notstromversorgung und zur unterbrechungsfreien Stromversorgung von Liegenschaften wie Feuerwehren, Krankenhäusern, Trinkwasserpumpen, Verwaltungsgebäuden und Einrichtungen für den Katastrophenschutz ermöglichen Energiespeicher den Aufbau resilienter Systeme. Zudem bringen batteriegepufferte Ladesäulen das Schnellladen sogar an Orte, an denen das Netz die entsprechende Ladeleistung nicht liefern kann.
Elemente auch der Wärmeplanung?
Im Rahmen der kommunalen Wärmeplanung sind zudem die Wärmespeicher nicht zu vergessen – so kann erneuerbarer Strom in Form von Wärme genutzt und Abwärme effizient integriert werden. Klar ist aber auch: Derartige Investitionen sind nur möglich, wenn bestehende Strukturen hinterfragt werden. Das ist eine Gemeinsamkeit der bisherigen Vorreiter im kommunalen Umfeld. Um Klarheit zu schaffen, sollte man sich vorab einen Überblick der lokalen Einsatzmöglichkeiten verschaffen. Dann lässt sich mit rationalem Blick eine informierte Entscheidung treffen.
Insgesamt gilt es, gerade die kleineren Projekte nicht zu vergessen. Auch hier besteht viel Potenzial. Unterstützungsmöglichkeiten für die Planung und Umsetzung gibt es je nach Anwendung zudem zusätzlich durch Förderprogramme. Auch Kooperationen mit der Privatwirtschaft sowie die Beteiligung weiterer Akteure zum Beispiel in Form von Bürgerenergiegesellschaften stärken die Umsetzbarkeit größerer Projekte und sorgen zugleich für mehr Akzeptanz. Neue Konzepte wie Energy Sharing werden hier künftig weitere Möglichkeiten bieten.
Und nicht zuletzt: Die in der nächsten Zeit privatwirtschaftlich umgesetzten Energiespeicherprojekte vor Ort werden neue Gewerbesteuereinnahmen in die Kassen bringen. Zugleich sind diese Projekte ein weiterer Grundpfeiler auf dem Weg zur Klimaneutralität.
Eine Unterstützung dieser Vorhaben von der Genehmigung bis hin zum Betrieb ist somit auch eine Unterstützung weiterer Wertschöpfung vor Ort.
Beatrice Schulz
Die Autorin
Beatrice Schulz ist Geschäftsleitung Technologien/Märkte beim Bundesverband Energiespeicher Systeme e.V.



