Klimafreundlich, unabhängig, regional: Weshalb Holzenergie das Rückgrat der kommunalen Energiewende werden könnte

Manchmal wird der Wald vor lauter Bäumen nicht gesehen: Holzenergieanlagen kommt nicht die Bedeutung zu, die sie haben könnten, moniert Gerolf Bücheler, Geschäftsführer des Fachverbands Holzenergie. Sein Plädoyer aus Verbandssicht: Kommunen sollten sich für sie stark machen.

Holzenergie
Aus Verbandssicht muss beides sein: Holz, das im Wald verbleiben kann – und Holz, das genutzt wird. Foto: Adobe Stock/Pablo

Bioenergie – insbesondere Holzenergie – ist ein unverzichtbarer Bestandteil der Wärmewende. Holzenergie liefert inzwischen über 60 Prozent der erneuerbaren Wärme in Deutschland und ersetzt fossile Energieträger wie Öl und Gas. Sie trägt damit maßgeblich zum Klimaschutz, zur sicheren Wärmeversorgung und zur regionalen Wertschöpfung bei. Zudem erzeugt Holzenergie nicht nur Wärme, sondern auch Strom und Prozesswärme für Betriebe. Damit schafft sie in ländlichen Regionen Arbeitsplätze, stärkt lokale Wertschöpfungsketten und erhöht die Versorgungssicherheit in Zeiten globaler Krisen.

Die Bundesregierung hat sich im Koalitionsvertrag klar zur Bioenergie bekannt und sie als unverzichtbaren Bestandteil der erneuerbaren Energien und der Wärmewende verankert. Das ist sehr erfreulich nach Jahren der politischen Benachteiligung. Auch Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer erkennt die Rolle des Waldes als Rohstofflieferant wieder ausdrücklich an. Mit weiteren Aktionen wie dem Pakt Holzenergie Bayern, der inzwischen bundesweit Anklang findet, sind nun erste wichtige Weichen gestellt.

Bei der Holzenergie ist Aufholen angesagt

Um die ambitionierten Klimaziele zu erreichen, müssen Bund, Länder und Kommunen jedoch deutlich an Tempo gewinnen. Denn in zentralen Gesetzen und Förderprogrammen fehlt es weiterhin an Gleichbehandlung mit anderen erneuerbaren Energien – und an einer konsequenten Umsetzung des Koalitionsvertrags.

Besonders unverständlich ist die Deckelung von Biomasse im Wärmeplanungsgesetz und in der Wärmenetzförderung. Statt die Energiewende zu beschleunigen, werden so bestehende fossile Abhängigkeiten weiter verfestigt. Ebenfalls sendet die Streichung der Prozesswärmeförderung für große Anlagen das falsche Signal in der heutigen Zeit. Der Energiebedarf verschwindet nicht – doch ohne Förderung für nachhaltige Holzkessel greifen viele zwangsläufig wieder auf Gas zurück.

Appell an die Kommunen

Die Branchenumfrage des Fachverbands Holzenergie bestätigt den Rückgang der Investitionsbereitschaft in Holzenergieanlagen – das liegt zum größten Teil an der fehlenden Planungssicherheit. Überbordende Bürokratie und langwierige Genehmigungen verstärken diesen Trend zusätzlich. Zudem verlieren zahlreiche Biomasseanlagen in den kommenden Jahren ihre EEG-Vergütung, während neue Förder- und Ausschreibungsregeln häufig zu bürokratisch und unberechenbar gestaltet sind.

Hier sind die Kommunen gefragt, auf Landes- und Bundesebene ihre Stimme zu erheben. Wer sich aktiv in Gesetzgebungsprozesse einbringt, kann wesentlich dazu beitragen, dass Holzenergie fair und sachgerecht berücksichtigt wird.

Zahlreiche Kommunen können bereits erfolgreiche Nahwärmenetze mit Holzenergie vorweisen. Waldreiche Regionen sind Vorreiter in Sachen Holzenergie, beispielsweise in Bayern die Holz Energie Regio AG (HER AG) im Raum Schwaben und Altbayern. Sie ist ein Zusammenschluss von Forstbetriebsgemeinschaften, Waldbesitzervereinigungen, Forstdienstleistern und Wärmenetzbetreibern. Sie betreibt und plant aktuell Heizwerke und Nahwärmenetze in Horgau sowie Oberschönenfeld im Landkreis Augsburg sowie in Obergessertshausen im Landkreis Günzburg.

Von einer zentralen Hackschnitzel-Heizanlage wird circa 65 bis 80 Grad heißes Wasser in das Nahwärmenetz abgegeben und gelangt über speziell isolierte Erdleitungen in die Häuser. Dort angekommen, wird nur die Wärme über einen Plattenwärmetauscher in die bestehende Hausheizungsanlage übergeben. Die vorhandene Heizanlage muss in der Regel nur angeschlossen, aber nicht geändert werden. Die Verbraucher profitieren hier von Versorgungssicherheit, Preisstabilität und einer ökologischen CO2-neutralen Versorgung mit regionaler Wärme.

Pro und contra in Sachen Holznutzung

Holz ist ein nachwachsender Rohstoff, die energetische Nutzung ist damit grundsätzlich klimaneutral, da nur so viel CO2 wieder frei wird, wie während des Wachstums vorher aus der Luft aufgenommen wurde. Im Bereich Nachhaltigkeit braucht die Holzenergie jedoch mehr Sichtbarkeit und Transparenz, denn ihr Klimanutzen wird oft infrage gestellt. Leider wird Holzenergie teilweise sogar umweltschädlich genannt – was aber falsch ist. Die Technologie hat in den vergangenen Jahrzehnten enorme Fortschritte gemacht: Feinstaubemissionen sinken kontinuierlich, die Wirkungsgrade moderner Anlagen steigen stetig.

Auch die Sorge, es werde zu viel Holz aus den Wäldern entnommen, hat das Thünen-Institut mit der „Waldentwicklungs- und Holzaufkommensmodellierung (WEHAM)” widerlegt. Sie zeigt, dass durch die Anpassung der Wälder an den Klimawandel und den zunehmenden Anteil an Laubbäumen das Potenzial für Energieholz sogar wächst.

Eine aktive und nachhaltige Waldbewirtschaftung ist somit kein Widerspruch zum Klimaschutz – sie ist dessen Voraussetzung. Die romantisierte Vorstellung, alles Holz sollte besser ungenutzt im Wald verbleiben, erweist sich bei genauer Betrachtung als Mythos.

Potenziale für die kommunale Wärmeplanung

Die kommunale Wärmeplanung bietet eine enorme Chance. Städte und Gemeinden gestalten ihre Energiezukunft direkt über Bebauungspläne, Flächennutzungsvergaben und lokale Infrastruktur. Wenn sie Holzenergie in ihre Wärme- und Energiekonzepte integrieren, entstehen große Spielräume: für kosteneffiziente Wärmenetze, regionale Wertschöpfung und stabile Energiepreise.

Förderprogramme für Biomassekessel oder hybride Anlagen können den Umstieg zusätzlich beschleunigen. Wärmenetze sollten jetzt mit den wirtschaftlich verfügbaren erneuerbaren Energien geplant und gebaut werden. Sie können dann Stück für Stück um weitere erneuerbare Wärmeerzeuger ergänzt werden – somit ist die Holzenergie ein Türöffner für Wärmenetze. Kooperationen mit benachbarten Gemeinden, mit Land- und Forstwirtschaft, mit Energieversorgern und Handwerkern lohnen sich ebenfalls, wie das Beispiel HER AG zeigt. Solche Netzwerke erleichtern gemeinsame Lösungen wie überregionale Wärmenetze, geteilte Logistik oder gemeinschaftlich betriebene Anlagen.

Holzenergie ist kein Nischenthema, sondern das Rückgrat der erneuerbaren Wärmeversorgung in Deutschland. Wenn Kommunen jetzt die richtigen Weichen stellen, können sie ihre Energieversorgung unabhängiger, klimafreundlicher und regionaler gestalten – für eine nachhaltige, bezahlbare und sichere Wärmeversorgung.

Gerolf Bücheler


Der Autor

Gerolf Bücheler ist Geschäftsführer des Fachverbands Holzenergie (FVH) im Bundesverband Bioenergie (BBE).


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