Die Digitalisierung in Verwaltungen beschleunigen, dazu Homeoffice für Verwaltungsmitarbeitende ebenso wie für die Kolleginnen und Kollegen der IT. Wie das gehen kann und warum er sich dafür stark macht, schlüsselt IT-Digitalisierungsexperte Thomas Wenderoth auf.

Beim Thema Digitalisierung stellt sich für die öffentliche Verwaltung zuerst die Frage der Finanzierung. Die fehlende Planbarkeit der Investitionsmittel ist ein ungelöstes Problem. Auch daran, dass es nicht ausreichend Personal für die Umsetzung digitaler Modernisierungsprozesse gibt und Mitarbeiter nicht über die erforderlichen Kompetenzen verfügen, wird sich nichts ändern. Zu allem Überfluss wurde im Dezember 2024 die Möglichkeit eines Einstellungsstopps und sogar Stellenabbaus im öffentlichen Dienst erörtert. Dabei ist der Personalmangel ohnehin schon problematisch genug. Die Digitalisierung muss folglich mit den bestehenden Ressourcen gestemmt werden.
Digitalisierung in Verwaltungen
Die Aussicht, dass digitale Prozesse den Verwaltungsalltag effizienter machen, Prozesse verschlanken und automatisieren, ist in dieser Gemengelage die gute Nachricht. Die Mitarbeitenden werden entlastet, und Personalmangel kann kompensiert werden. Auch flexible Arbeitsmodelle aus wechselnder Büro- und Homeofficepräsenz können die Produktivität fördern.
Hybrides Arbeiten kann ein Anreiz sein, um offene Stellen schneller zu besetzen und sich als Arbeitgeber attraktiv und wettbewerbsfähig aufzustellen, für Verwaltungspersonal genauso wie für IT-Fachkräfte. Laut der Unternehmensberatung McKinsey fehlen im öffentlichen Dienst bis 2030 rund 140.000 IT-Fachkräfte.
Flexibles, sicheres Arbeiten
Dank Remote Access ist es heute bedenkenlos möglich, zwischen Büropräsenz und Homeoffice zu wechseln. Zero-Trust-Modelle machen das Homeoffice ohne Einschränkung zu einem sicheren Arbeitsplatz. Innovative Zero-Trust-Lösungen ersetzen den klassischen Netzwerkvollzugriff via VPN (Virtual Private Network).
Verwaltungsmitarbeitende erhalten nur noch Zugriff auf Anwendungen und Dokumente, die sie für ihre Arbeit benötigen, aber keinen Vollzugriff. Angriffsmöglichkeiten im Netzwerk sind so minimiert. Dank Zero Trust wird ein ortsunabhängiger und geräteübergreifender Arbeitsalltag Realität – ohne Kompromisse bei der Sicherheit.
Verwaltung via Cloud
Die Verwaltung der Nutzer und Geräte im Netzwerk erfolgt über cloudbasiertes Netzwerkmanagement. Es ist heute eine etablierte Methode, um Aktualisierungen oder Erweiterungen im Netzwerk zentral über eine Cloudplattform zu erledigen – während bei der klassischen Verwaltung die Komponenten noch einzeln und manuell konfiguriert werden müssen.
Automatisierte, cloudbasierte Prozesse entlasten das IT-Personal bei der Einrichtung, Konfiguration und Betreuung des Netzwerks spürbar. Insgesamt kann eine automatisierte Netzwerkverwaltung eine Zeitersparnis von bis zu 75 Prozent bringen. Der Administrator muss dabei nicht im Büro sein, er kann die IT-Infrastruktur genauso gut aus dem Homeoffice oder über mobile Endgeräte verwalten. Sollte kein eigenes IT-Personal vorhanden sein, lässt sich die Aufgabe an einen externen IT-Dienstleister auslagern.
Digitalisierung in Verwaltungen: Daten sollten in Europa bleiben
Jeder Digitalisierung geht eine sorgfältige Planung voraus – das gilt auch für die Auswahl von Netzwerkkomponenten, Zero-Trust- und Cloudmanagementlösung. In einer vernetzten Welt sind folgende Fragen essenziell: Ist der Anbieter vertrauenswürdig? Sind unsere Daten ausreichend geschützt?
Für kommunale Einrichtungen, die jederzeit die Kontrolle und Hoheit über ihre Daten behalten wollen, wird „Engineered in EU“ zu einer Notwendigkeit. Eine Abhängigkeit von Anbietern außerhalb der Europäischen Union kann Risiken bergen. Digitale Souveränität ist nur mit EU-Anbietern möglich. Sie unterliegen den rechtlichen Rahmenbedingungen und Datenschutzvorgaben der EU.
Vielen kommunalen Entscheidungsträgern ist nicht bewusst, dass bei der Netzwerkverwaltung via Cloud mitunter personenbezogene Daten das lokale Netz verlassen und in den USA oder Asien ausgewertet werden könnten. Cloudlösungen von Anbietern aus der EU bieten dagegen uneingeschränkte Sicherheit durch den Verzicht auf versteckte Backdoors und durch DSGVO-Konformität.
Der Autor
Thomas Wenderoth ist Vice President Business & Market Development bei Lancom Systems.
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Thomas Wenderoth



