Akzeptanz für Windenergie stärken: Wie kommunales Flächenpooling den Ausbau voranbringt

Der Anteil der Erneuerbaren soll weiter steigen – eine der Herausforderungen für Wind an Land ist dabei, Grundstücke und Akzeptanz für die Energieanlagen zu finden. Das Werkzeug „Flächenpool“ aber kann helfen: Was es Kommunen bringen kann, erläutert Frank Sondershaus für die Fachagentur Wind und Solar.

„Der Ausbau erneuerbarer Energien bietet große Chancen“ – zum Beispiel: Sie können mit dazu beitragen, kommunale Haushalte zu konsolidieren. Foto: Adobe Stock/engel.ac

Im Jahr 2024 stammte über ein Viertel des Stroms in Deutschland aus Windenergie an Land – rund 112 Milliarden Kilowattstunden. Ziel der Bundesregierung ist es, den Anteil erneuerbaren Stroms bis 2030 auf mindestens 80 Prozent zu erhöhen und dafür mindestens 115 Gigawatt Windenergie an Land zu installieren.

Der Ausbau erneuerbarer Energien bietet große Chancen – für eine CO2-neutrale und resiliente Energieversorgung ebenso wie für die regionale Wertschöpfung. Windenergienutzung kann helfen, kommunale Haushalte zu konsolidieren, Freibäder zu sanieren, Dorfplätze zu gestalten oder die Wärmeversorgung umzubauen.

Kommunen sollten die Initiative ergreifen

Wer den Wind erntet, entscheidet sich oft schon bei der Frage, wem der Grund gehört. Ziele und Entscheidungen von Flächeneigentümern sind maßgeblich für die spätere Projektentwicklung. Oft verhandeln interessierte Projektentwickler einzeln mit den Eigentümern. Diese wiederum können mit den Angeboten schnell überfordert sein, wenn sie zum Beispiel sozialen Druck verspüren oder verschiedene Angebote abwägen müssen.

Werden private Flächen allein nach höchsten Pachtgeboten vergeben, geraten kommunale Interessen schnell in den Hintergrund. Dem kann jedoch vorgebeugt werden, auch wenn die Kommune nicht selbst über geeignete Flächen verfügt.

Entscheidend ist, dass die Kommune so früh wie möglich die Initiative ergreift und aktiv wird. Eine Kommune, die abwartet, ob und welche Flächen von der Regionalplanung ausgewiesen werden, verliert schnell Einflussmöglichkeiten, und das mindert die Chancen für finanzielle Teilhabe an den Erlösen der Windenergie. Um dem entgegenzusteuern, gibt es jedoch einen wirkungsvollen und erprobten Weg: das kommunale Flächenpooling.

Rückenwind durch Kooperation

Bei einem kommunalen Flächenpooling tun sich Eigentümer geeigneter Flächen unter Regie der Kommune zusammen und schließen gemeinsam abgestimmte Pachtverträge mit einem Projektentwickler ab. Dies bringt für alle Seiten klare Vorteile: Es stärkt die Verhandlungsposition der Eigentümer, verhindert soziale Konflikte, sorgt für Fairness und eine effektive Nutzung der Windflächen. Am Ende profitieren nicht nur Kommune und Flächeneigentümer, sondern auch Bürgerinnen und Projektentwickler.

Ein von der Kommune initiiertes Flächenpooling ist allerdings nicht anspruchslos. Es erfordert frühzeitiges Engagement, kooperationsbereite Eigentümer, gute Kommunikation und rechtsichere Verträge. Gegenüber den oft unbekannten Projektentwicklern hat die Kommune bei „ihren“ Flächeneigentümern aber einen unschätzbaren Vorteil: Sie genießt Vertrauen.

Der erfolgreiche Start eines Flächenpoolings beginnt mit der Identifikation potenzieller Windflächen und deren Eigentümern. Dann organisiert die Gemeinde eine Eigentümerversammlung, informiert über das Vorhaben und die Rolle der Kommune, legt eine Poolingvereinbarung vor und klärt offene Fragen.

Nach Unterschrift eines Großteils der Eigentümer startet die Wahl des Projektentwicklers. In einem sogenannten Interessenbekundungsverfahren haben dann auch kommunale Interessen Gewicht, zum Beispiel durch vorab festgelegte Leitlinien. So wird nicht nur Wertschöpfung lokal gesichert, sondern auch Vertrauen in die Projektentwicklung aufgebaut.

Regionalplanung mit den Kommunen

Auch die Regionalplanung kann eine wichtige Rolle spielen – insbesondere dann, wenn Kommunen frühzeitig eingebunden werden. So können sie sich gezielt auf Potenzialflächen vorbereiten oder eigene Standorte für Windenergie vorschlagen.

Falls schon viele Flächen privat gesichert sind, bestehen dennoch Spielräume – beispielsweise durch eine rechtliche Prüfung der Vertragslage oder durch planungsrechtliche Einflussnahme über Bebauungspläne.

Kommunales Flächenpooling ist nicht nur bei neuen Projekten möglich, sondern auch dort, wo bereits Windenergieanlagen stehen. Denn viele dieser Anlagen erreichen nach rund 20 Jahren das Ende ihrer Lebensdauer und werden durch leistungsstärkere Modelle ersetzt. Darauf können sich Kommunen frühzeitig vorbereiten: Flächeneigentümer haben die Chance, Pachtverträge neu zu verhandeln, und Kommunen können vorausschauend Gespräche führen.

Steinfurt zeigt, wie es geht

Die Praxis zeigt: Hinter kommunalen „Good-Practice-Projekten“ steht meist entweder eine kommunale Fläche – oder ein gelungener Flächenpool. Und: Flächenpooling funktioniert!

Die Leitlinien für Bürgerenergie des Kreises Steinfurt sind bundesweit bekannt. Weniger bekannt ist: Entscheidend für eine erfolgreiche Umsetzung war die Flächenstrategie. Dabei hatte der Kreis zunächst eigenständig Potenzialflächen identifiziert. Im nächsten Schritt wurden Bürgermeisterinnen und Bürgermeister der jeweiligen Gemeinden kontaktiert und zu Gesprächen mit „ihren“ Grundeigentümern aufgerufen.

Im Ergebnis sind zahlreiche Bürgerwindparks entstanden, die nicht nur zur Umsetzung der ambitionierten Klimaschutzziele des Landkreises beitragen, sondern auch die Wertschöpfung vor Ort halten.

Frank Sondershaus


Der Autor

Frank Sondershaus ist Referent für Akzeptanz und Beteiligung bei der Fachagentur Wind und Solar.


Mehr zum Thema

Wasserstoff durch Windenergie

Wasserstoff durch Windenergie: Wie Kommunen vom grünen Kraftwerk Nordsee profitieren

Mehr Rückenwind für die Wasserstoffproduktion: So will es der Förderverein AquaVentus – geplant ist die Produktion von grünem Wasserstoff durch …
Windenergie

Windenergie im Aufwind: Rekordzahl genehmigter Onshore-Projekte

Bei der Stromerzeugung durch Windenergieanlagen ist bereits viel in Bewegung gekommen, und es tut sich weiterhin viel. Zum Beispiel bei …
Wie Windenergie die Wirtschaft stärkt

Wie Windenergie den Wirtschaftsstandort nach vorne bringt

Der Wind weht, die Anlagen liefern, mehr noch: Es sind gleich mehrere Rekorde zu verzeichnen, und auch die Aussichten sind …