Nach wie vor erhitzt Windenergie manche Gemüter, gerade die aktuellen Krisen und Kriege zeigen aber noch einmal mehr, wie sinnvoll sie ist: Das betont Verbandsexperte Nicolas Bilo. Er schlüsselt auf, wie Kommunen hier vorankommen können – und welche Wind-Erfolgsgeschichten sie bereits schreiben.

Ein schneller und konsequenter Ausbau erneuerbarer Energien ist der beste Weg zur Dekarbonisierung des europäischen Stromsystems. Zu diesem Ergebnis kommt unter anderem eine im Dezember 2025 von WindEurope veröffentlichte Studie.
Ein Energiesystem mit einem sehr hohen Anteil an Wind- und Solarenergie ist demnach günstiger als Szenarien mit einer langsameren Energiewende oder einem stärkeren Fokus auf Kernkraft, Wasserstoff oder CO2-Abscheidung (CCS) – und das selbst unter Berücksichtigung der notwendigen Investitionen in Netze, Speicher und Backup-Kapazitäten. Ein erneuerbares Energiesystem könnte in Europa bis zu 1,6 Billionen Euro einsparen.
Mit anderen Worten: Wenn wir jetzt nicht entschlossen in Erneuerbare investieren, werden wir das teuer bezahlen. Während in Deutschland weiterhin über den Ausbau von Gaskraftwerken oder eine Rückkehr zur Atomkraft diskutiert wird, zeigen diese Zahlen deutlich: Der schnellste Weg zur Klimaneutralität ist auch der ökonomisch klügste. Die jüngsten geopolitischen Krisen und Preisschocks haben zudem gezeigt, wie abhängig Europa weiterhin von fossilen Energieimporten ist.
Die Vorteile der Erneuerbaren
Die größte Energiesicherheit bieten heimische erneuerbare Energien. Wind- und Solarenergie bilden dabei das Rückgrat einer resilienten Energieversorgung. Gleichzeitig sichern wir damit langfristig stabile und bezahlbare Strompreise für Verbraucher und stärken die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Deutschland.
Für Kommunen bedeutet dies vor allem eines: Es lohnt sich, gerade jetzt in die Windenergie einzusteigen oder sie auszubauen. Gesetzlich festgeschriebene Beteiligungsmöglichkeiten stellen sicher, dass Kommunen finanziell von der Windenergie profitieren können. Diese Möglichkeiten sollten sie auch nutzen.
Laut § 6 EEG 2023 können Betreiber betroffene Kommunen mit bis zu 0,2 Cent pro erzeugter Kilowattstunde an den Erträgen beteiligen. Bei modernen Anlagen bedeutet das Einnahmen von 30.000 bis 40.000 Euro pro Jahr und Anlage. Zusätzlich können Kommunen bei Anlagen auf gemeindeeigenen Flächen von Pachteinnahmen sowie von der Gewerbesteuer profitieren. Auch Anwohner können beteiligt werden, etwa über Bürgerenergie-Modelle oder regionale Stromtarife. Das stärkt die Akzeptanz und hält Wertschöpfung vor Ort.
Worauf Kommunen achten sollten
Damit das gelingt, sind Transparenz und Kommunikation entscheidend. Die Menschen vor Ort sollten frühzeitig informiert, ihre Anliegen ernst genommen und ihnen konkrete Beteiligungsmöglichkeiten aufgezeigt werden.
Für Planung, Bau und Betrieb von Windenergieanlagen empfiehlt es sich, mit erfahrenen Projektierern zusammenzuarbeiten. Ebenso hilfreich ist der Austausch mit Kommunen, die bereits erfolgreich Windenergieprojekte umgesetzt haben.
Wie Coesfeld von Windenergie profitiert
Kommunen sollten frühzeitig geeignete Flächen für die Windenergie identifizieren und planerisch sichern. Die verbindliche Ausweisung von Windenergiegebieten erfolgt in der Regel auf Ebene der Länder und der Regionalplanung. Außerhalb dieser Gebiete wird die Genehmigung neuer Anlagen künftig schwieriger beziehungsweise hängt von der Zielerreichung in der Flächenplanung ab. Eine Übergangsregelung stellt die Gemeindeöffnungsklausel (§ 245e Abs. 5 BauGB) dar: Sie ermöglicht es Kommunen bis Ende 2027, unter bestimmten Voraussetzungen eigene Windenergiegebiete auszuweisen, auch wenn diese bestehenden Planungen widersprechen.
Ein starkes Beispiel für eine selbst gestaltete Energiewende ist die Stadt Coesfeld in Nordrhein-Westfalen. Der Impuls für die Windenergie kam aus der Bevölkerung. Heute drehen sich dort 13 Windräder, die jährlich sechsstellige Beträge in die Stadtkasse spülen. Zudem fließen jährlich 130.000 Euro in eine Bürgerstiftung, die gezielt Projekte vor Ort finanziert – von medizinischer Ausstattung für das Krankenhaus über Programme für Schulkinder bis hin zu neuen Naherholungsangeboten. Die Akzeptanzforschung zeigt, dass gerade solche Investitionen in die Infrastruktur das Vertrauen vor Ort festigen.
Rückenwind für die Energiewende
Kommunen sollten den Bau von Windenergieanlagen in ihrer Region nicht hinnehmen, sondern aktiv als Projekt für kommunale Infrastruktur begrüßen. Ein Windenergieprojekt bedeutet Abwägungen – etwa bei Flächennutzung, Natur- oder Immissionsschutz. Entscheidend ist, diese Fragen aktiv zu gestalten! Wichtig ist, sich über die konkreten Möglichkeiten zu informieren, wie die Kommune von Windenergie profitieren kann und welche Gestaltungsspielräume bestehen.
Nicht zuletzt gilt: Die Energiewende ist ein Gemeinschaftsprojekt. Um das Ausbauziel von 115 Gigawatt Windenergie an Land bis 2030 zu erreichen, fehlen Deutschland derzeit noch rund 50 Gigawatt. Es liegt in unserer gemeinsamen Verantwortung, dieses Potenzial zu heben. Vor Ort entscheidet sich, ob das gelingt.
Nicolas Bilo
Der Autor
Dr. Nicolas Bilo ist Abteilungsleiter Kommunikation und Länder beim Bundesverband WindEnergie (BWE).
Frischer Wind vor Ort
Erfolgsgeschichten sammelt der BWE auf der Kampagnenseite „Wind beflügelt“.




