Windenergie an Land: Rekordzuwachs trifft auf zu langsamen Netzausbau

Rekordwerte beim Windenergieausbau an Land für das Jahr 2025 belegen: Die Windenergie an Land gewinnt weiter an Gewicht im deutschen Energiesystem. Branchenverbände sehen die Industrie in der Lage, zu liefern und Kosten zu senken – mahnen aber zugleich einen schnelleren Netzausbau, klare Investitionssignale und einen Sicherheitsrahmen an, der der wachsenden Bedeutung der Windenergie gerecht wird.

Windenergieausbau an Land
Neue Windenergieanlagen an Land: Während Genehmigungen und Zuschläge Rekordhöhen erreichen, bremsen Netzengpässe, Sicherheitsanforderungen und fehlende Planbarkeit den weiteren Ausbau. Foto: Adobe Stock/engeLac

Nach den Rekorden des Jahres 2024 schritt der Ausbau der Windenergie im Jahr 2025 weiter fort. Alles in allem wurden deutschlandweit 3310 Windenergieanlagen (WEA) an Land mit einer Leistung von 20.765 MW neu genehmigt. 2.348 WEA mit 14.449 MW wurden von der Bundesnetzagentur bezuschlagt.

Der Ausschreibungswettbewerb erweist sich als funktionsfähig und führte in den vergangenen Runden zu sinkenden mittleren Zuschlagswerten. Konsequenterweise hat die Bundesnetzagentur den Höchstwert für dieses Jahr leicht abgesenkt. Dies berichtet der Bundesverband Windenergie e.V. (BWE) in einer Mitteilung.

Neuer Rekord bei Windenergieausbau an Land trotz Risiken

„Windenergie gewinnt stetig weiter an Bedeutung im deutschen Energiesystem. Gleichzeitig nehmen die Sicherheitsbedrohungen, auch durch geopolitische Entwicklungen, deutlich zu“, betont Dr. Dennis Rendschmidt, Geschäftsführer von VDMA Power Systems.

„Der politische und regulative Rahmen muss die lückenlose Sicherheit und Resilienz aller am Stromnetz angeschlossenen Energieanlagen wirksam adressieren, um bestehende Risiken zu minimieren und die Versorgungs- und nationale Sicherheit zu gewährleisten. Dies betrifft sowohl die physische und die digitale Sicherheit der Anlagen als auch den Zugriff auf kritische Anlagen durch Hersteller. Ausdrücklich geht es hier um den Schutz nationaler Sicherheitsinteressen.“

Positive Zubaudynamik bei langsamem Netzausbau

Die Zubaudynamik sei positiv und müsse Rendschmidt zufolge „mit einem ambitionierten Kurs und dem richtigen politischen Rahmen fortgeschrieben und verstetigt werden“. Zudem sende sie beiden bedeutende Signale, dass die Windindustrie liefern und Kosten senken könne.

„Die Unternehmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette brauchen Planbarkeit und politische Verlässlichkeit, auch mit Blick auf Realisierungsrahmenbedingungen etwa bei weiter bestehenden Transporthürden“, so Rendschmidt. „Die bevorstehende EEG-Novelle muss Investitionen mit verbindlichen Ausbauzielen anreizen – nur so können Kosteneffizienz, Versorgungssicherheit, technologische Souveränität und industrielle Wertschöpfung langfristig gesichert werden.“

Auch BWE-Präsdentin Bärbel Heidebroek sieht Herausforderungen. „So erfreulich die Rekorde bei Neugenehmigungen und Zuschlägen auch sind, legen diese die Probleme eines zu langsamen Netzausbaus offen: Der Netzzugang für neue Projekte wird immer schwieriger. Wenn man von einer durchschnittlichen Umsetzungsdauer von fast zwei Jahren ausgeht, erwarten wir ab Ende 2026 einen Zubau-Boom der im Jahr 2024 bezuschlagten Projekte“, erklärt Heidebroek.

„Bis zu zehn Gigawatt sind unter den richtigen Rahmenbedingungen möglich. Lange Wartezeiten und die geringe Verfügbarkeit von Anschlüssen hemmen die Zubaudynamik erheblich. Das Netz muss endlich konsequent und mit hoher Dringlichkeit ausgebaut, modernisiert und digitalisiert werden. Einschränkungen beim Netzanschluss für Erneuerbare Energien sind der falsche Weg. Die Versäumnisse der vergangenen Jahre beim Netzausbau dürfen jetzt nicht dazu führen, dass die Windenergie ausgebremst wird.“

Eine Reform des Stromsystems ist erforderlich

Die zentrale Rolle der Windenergiebranche als Standortfaktor betont Dr. Dennis Rendschmidt: „Investitionen in Energieinfrastruktur setzen starke Wertschöpfungsimpulse. Sie schaffen Nachfrage nach Anlagen und Komponenten, sichern Beschäftigung und generieren Steueraufkommen. Damit leisten sie einen Beitrag zur langfristigen wirtschaftlichen Stabilität und industriellen Basis Deutschlands. Dies ist ein wichtiges Signal in der aktuellen konjunkturellen Situation. Darüber hinaus ist der Erhalt von technologischem Know-how in Deutschland und Europa ein zentraler Faktor für die Bedeutung eines resilienten Energiesystems, das weniger abhängig von außereuropäischen Energielieferanten ist.“

Damit dieser Standortfaktor abgesichert werden könne, sei die bereits seit Jahren angekündigte Reform des Stromsystems dringend notwendig. „Das deutsche Energiesystem bleibt noch immer in einer Logik weniger Großkraftwerke verhaftet. Die Realität ist aber längst eine andere: Erneuerbare Energien, allen voran Wind- und Solarenergie, sind das Rückgrat der deutschen Stromerzeugung“, betont Bärbel Heidebroek.

„An ihren Bedarfen muss das Energiesystem ausgerichtet werden. Das bedeutet vor allem eine deutliche Flexibilisierung auf Erzeugungs- und Verbraucherseite sowie in den Netzen, zum Beispiel durch Speicher, den Hochlauf der grünen Wasserstoffwirtschaft, konsequentes Cable Pooling und eine Stärkung der Direktbelieferung. Diese Flexibilisierung entlastet die Netze und schafft einen zeitlichen Puffer, bis der Netzausbau an Fahrt gewinnt. Die Windenergiebranche hat ihre Hausaufgaben gemacht. Jetzt sind die Netzverantwortlichen in der Bringschuld.“

Red.


Prognose für 2026

Bei unveränderter Realisierungsgeschwindigkeit wird für das Jahr 2026 ein zu erwartender Zubau der Windenergie an Land in Höhe von 8 bis 8,5 GW prognostiziert.


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