Wesentlich für die Klimaanpassung des urbanen Raums ist das Konzept der wasserbewussten Stadtentwicklung: eine besonders komplexe und anspruchsvolle Herausforderung, betont Stefan Bröker für die DWA. Er ordnet ein, woran es noch allzu oft hakt – und was hilft, auf einen guten Wasserweg zu gelangen.

Die Folgen des Klimawandels sind vielfältig: Starkregenereignisse überlasten die Kanalisation, führen zu Überflutungen und gefährden Infrastruktur und Menschenleben. Ein Ausbau der Kanalisation zur sicheren Ableitung von Starkregenereignissen ist aber technisch kaum möglich und wirtschaftlich nicht leistbar. Wasser muss zwischengespeichert oder versickert werden, um Überflutungen zu vermeiden. Gleichzeitig nehmen Trockenperioden zu – das erschwert die Versorgung des Stadtgrüns und mindert die Lebensqualität in urbanen Räumen. Zwischengespeichertes Wasser kann hier genutzt werden, versickertes Wasser reichert das Grundwasser an und ist während Trockenperioden verfügbar.
Folge des Klimawandels ist zudem eine Zunahme von Hitzetagen mit tropischen Nächten. In Deutschland wurden in diesem Jahr bereits Anfang Juli relativ flächendeckend fast 40 Grad gemessen. Diese Temperaturen bedeuten Hitzestress, der gerade vulnerable Gruppen wie Kinder oder ältere Menschen besonders trifft. Wasser kann über Verdunstungskühlung Abhilfe schaffen. Nicht ohne Grund zieht es Menschen an heißen Tagen in Parks, Grünanlagen oder schattige Biergärten.
Wesentlich für die Stadtentwicklung
Die Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA) tritt für eine konsequente Umsetzung wasserbewusster Stadtentwicklung ein. Sie fordert eine integrale Planung von Beginn an – mit Regenwassermanagement, Entsiegelung, Dach- und Fassadenbegrünung, offenen Gewässern und multifunktionalen Freiräumen als zentralen Bausteinen. Besonders wichtig: Es reicht nicht aus, Neubauviertel wasserbewusst zu gestalten – wir müssen auch in den Bestand, nur dann kann die Klimaanpassung im urbanen Raum gelingen.
Wie die Umsetzung gelingen kann
Funktionsfähigkeit und Wirtschaftlichkeit hat die wasserbewusste Stadtentwicklung in vielen Projekten bewiesen. Es mangelt trotz vieler Vorteile und der zunehmenden Notwendigkeit aber weiter an der Umsetzung in der Fläche. Um sie zu forcieren, hat die DWA gemeinsam mit Partnern aus Wissenschaft, Planung, Umwelt- und Bauwesen die Allianz „Gemeinsam für eine wasserbewusste Stadtentwicklung“ ins Leben gerufen. Diese interdisziplinäre Initiative setzt sich für eine rasche und flächendeckende Umsetzung des Schwammstadt-Prinzips ein.
Ziel ist es, naturnahe Wasserkreisläufe wiederherzustellen, blau-grüne Infrastrukturen zu fördern und Stadtentwicklung, Klimaanpassung und Lebensqualität zusammenzudenken. Die Allianz betont: „Wasserbewusste Stadtentwicklung gelingt nur durch die Zusammenarbeit verschiedener Akteurinnen und Akteure und dem gemeinsamen Engagement von Bund, Ländern und Kommunen.“
Die wesentlichen Hemmnisse für eine flächenhafte Umsetzung sind bekannt. In der Kommunalverwaltung fehlt es am notwendigen Wissen um die wasserbewusste Stadtentwicklung, die Rechtssituation ist unklar, es mangelt an politischem Willen, an interdisziplinärer Zusammenarbeit und an praktikablen Finanzierungsansätzen. Genau hier setzt ein von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) finanziertes Projekt der DWA an, das im Mai 2025 mit einer Laufzeit von zwei Jahren gestartet worden ist.
Kommunikation ist bei der wasserbewussten Stadtentwicklung wesentlich
Kernelemente sind die Entwicklung eines Kommunikationskonzeptes zur wasserbewussten Stadtentwicklung für Kommunen. Zudem sollen Planer und weitere Stakeholder für das Konzept der wasserbewussten Stadtentwicklung in der Öffentlichkeit werben und zielgruppenspezifische Fachinformationen für Politik und Entscheidungsträger erarbeiten.
Die wasserbewusste Stadt steht auch beim DWA-Klimapreis im Fokus, der für innovative Projekte zur Klimaanpassung und zum Klimaschutz dieses Jahr zum zweiten Mal ausgeschrieben worden ist. Das Spektrum der eingereichten Projekte reicht vom gezielten Umbau von Innenstadtbereichen über die Starkregenvorhersage mittels Nutzung von Mobilfunkdaten bis zur Nutzung der Abwasserwärme, um Gebäude mit Wärme zu versorgen und fossile Energien einzusparen.
Appell an die Kommunalpolitik
Kommunen können den Wandel aktiv gestalten. Die Vorteile wasserbewusster Stadtentwicklung sind vielfältig:
- Kosteneinsparungen durch geringere Schäden bei Extremwetter,
- sichere Versorgung des Stadtgrüns in Trockenphasen,
- erhöhte Lebensqualität durch grüne, kühle und resiliente Stadträume,
- Stärkung der Biodiversität und des lokalen Mikroklimas,
- positive Öffentlichkeitswirkung durch sichtbare Nachhaltigkeit.
Wasser wertschätzen
Wasserbewusste Stadtentwicklung ist kein Luxus, sondern eine strategische Notwendigkeit. Dies gilt für die Natur und für den Menschen, aber auch für Industrie und Gewerbe. Wasser ist ein Wirtschaftsfaktor.
Die wasserbewusste Stadtentwicklung erfordert eine enge Zusammenarbeit zwischen Stadtplanung, Wasserwirtschaft, Grünflächenämtern und der Politik. Jetzt ist die Zeit, wasserbewusste Stadtentwicklung zur kommunalen Pflichtaufgabe zu machen – nicht nur als Reaktion auf den Klimawandel, sondern als Chance für lebenswerte Städte von morgen.
Stefan Bröker
Der Autor
Stefan Bröker ist Pressesprecher der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e.V. (DWA).



