2021 wurde der Digitalrat in Augsburg eingerichtet: der erste Digitalisierungsbeirat auf kommunaler Ebene in Deutschland. Inzwischen ist er in die zweite Amtszeit gestartet. Was leistet er – und was können sich andere Städte von ihm abschauen? Eine Zwischenbilanz der beiden Vorsitzenden.

Warum hat Augsburg einen Digitalrat ins Leben gerufen?
Claudia Reuter: Unsere Welt wird schneller, digitaler und komplexer. Damit wächst der Druck auf Politik und Verwaltung, Antworten zu finden, die nicht von gestern sind. Der Digitalrat Augsburg wurde genau dafür geschaffen: als modernes Beratungsgremium, das digitale Kompetenz, gesellschaftliche Perspektiven und politische Verantwortung zusammenführt.
Was soll er leisten?
Reuter: Der Digitalrat zeigt auf, wie künstliche Intelligenz, Plattformen und neue Technologien die Stadt prägen – und wie sie so eingesetzt werden können, dass Augsburg zukunftsfähig bleibt. Der Digitalrat ist damit kein Nice-to-have, sondern ein zentraler Baustein moderner Kommunalpolitik und zugleich ein bundesweiter Vorreiter auf kommunaler Ebene.
Der Augsburger Digitalrat begleitet die digitale Transformation
Vielerorts geht es noch darum, auf den technischen Ebenen weiterzukommen. Auf welchen Ebenen ist dagegen der Augsburger Digitalrat aktiv?
Fabian Ziegler: Die digitale Transformation von Stadtverwaltungen ist eine anspruchsvolle und langfristige Aufgabe – der Digitalrat wurde gegründet, um diesen Prozess strategisch zu begleiten, Akteure aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Verwaltung zu vernetzen und konkrete Empfehlungen für die digitale Zukunft der Stadt zu erarbeiten. Digitalisierung ist dabei kein Selbstzweck. Sie ist notwendig, um die Leistungsfähigkeit der Verwaltung auch in Zeiten des Fachkräftemangels zu sichern und gleichzeitig die Lebensqualität der Bürgerinnen und Bürger zu verbessern – etwa durch einfachere Verwaltungsprozesse oder neue Möglichkeiten der politischen Beteiligung.
Worauf haben Sie bei der Entwicklung des Digitalrats besonders Wert gelegt?
Ziegler: Von Beginn an war uns wichtig, dass der Digitalrat nicht belehrend oder bevormundend auftritt. Er versteht sich vielmehr als Bindeglied und Brückenbauer zwischen unterschiedlichen Perspektiven. Die Mitglieder benennen offen bestehende Defizite, liefern zugleich aber praxisnahe Lösungsansätze und unterstützen deren Umsetzung.
Welche Herausforderungen haben zu Modifikationen geführt?
Reuter: Zu Beginn war der Arbeitsmodus eher reaktiv: Der Stadtrat brachte einzelne Fragestellungen an den Digitalrat heran, um dessen Einschätzung einzuholen. Das erwies sich als zu passiv und wenig wirksam. Mit der digitalen Agenda hat der Digitalrat diesen Ansatz weiterentwickelt. Heute setzt er selbst Schwerpunkte, formuliert konkrete Forderungen gegenüber dem Stadtrat und adressiert zentrale Themen wie die Ende-zu-Ende-Digitalisierung von Verwaltungsprozessen oder den systematischen Aufbau digitaler Kompetenzen bei den Mitarbeitern.
Den Nutzen der Digitalisierung sichtbar machen
Wie kommt die Arbeit des Augsburger Digitalrats an?
Reuter: Die Rückmeldungen aus Stadtrat und Stadtverwaltung zur Arbeit des Digitalrats sind sehr positiv. Er wird wie gewünscht als Impulsgeber und Antreiber wahrgenommen. Die Mitglieder des Stadtrats setzen sich intensiv mit den Empfehlungen der digitalen Agenda auseinander, die Dienststellen überprüfen ihren digitalen Reifegrad und definieren konkrete Verbesserungsmaßnahmen. Diese digitale Grundreife ist eine zentrale Voraussetzung, um künftig auch von innovativen Lösungen – etwa im Bereich der künstlichen Intelligenz – profitieren zu können.
Wie sieht es bei den Bürgerinnen und Bürgern aus?
Ziegler: Ein zentrales Anliegen des Digitalrats ist es, den Nutzen der Digitalisierung für die Bürgerinnen und Bürger sichtbar zu machen. Zwar sind bereits rund 80 Prozent der Verwaltungsleistungen digital verfügbar, vielen Augsburgerinnen und Augsburgern ist das jedoch kaum bekannt. Hier besteht noch Kommunikationsbedarf. Zudem werden digitale Lösungen bislang häufig ohne aktive Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger entwickelt. Auch das möchte der Digitalrat künftig stärker verändern und Beteiligung gezielt fördern.
Politische Rückendeckung als Erfolgsfaktor
Wie fällt die aktuelle Zwischenbilanz für den Digitalrat aus?
Ziegler: Die Stadt Augsburg ist stolz darauf, als erste Kommune einen Digitalrat ins Leben gerufen zu haben. Der Start in die zweite Amtszeit ist ein klarer Beleg für den Erfolg und die Nachhaltigkeit dieses Gremiums. Auf dieser Grundlage wird die Arbeit an der digitalen Agenda konsequent fortgesetzt – mit dem Ziel, Augsburg durch Digitalisierung noch lebenswerter zu machen und den Standort langfristig zu stärken.
Was empfehlen Sie anderen Kommunen, die Ähnliches planen – was können sie vom Digitalrat Augsburg lernen?
Reuter: Ein entscheidender Erfolgsfaktor für einen Digitalrat ist die klare politische Rückendeckung. Die Unterstützung durch den Stadtrat und die enge Zusammenarbeit mit der Verwaltung sind unverzichtbar. Nur wenn die Kommune hinter dem Digitalrat steht, seine Empfehlungen ernsthaft prüft und aufgreift, entfaltet das ehrenamtliche Engagement der Mitglieder seine volle Wirkung – und Digitalisierung wird vom Konzept zur gelebten Praxis.
Interview von Sabine Schmidt

Zu den Personen
Prof. Dr. Claudia Reuter und Fabian Ziegler sind Vorsitzende des Digitalrats der Stadt Augsburg.



