In Treptow-Köpenick gibt es gute Erfahrungen mit Künstlicher Intelligenz: über die Kampagne „Ein Bett ins Grüne“. Diese Aktion verhilft zu mehr Bäumen – und gleichzeitig dazu, Tourismusgäste besser kennenzulernen, ihnen Angebote passgenau zu übermitteln und sie zum Wiederkommen anzuregen.

In Deutschland gibt es über 700 Tourismusorganisationen mit tollen Angeboten vom Schwarzwald über Berlin bis hoch zur Küste. Mit viel Engagement wurden in den letzten Jahren Datenbanken oder sogenannte Datenhubs als Insellösungen einzelner Regionen entwickelt. Somit wissen wir beispielsweise in Berlin, wann der Dom geöffnet ist und was der Eintritt kostet.
Doch alle Tourismusorganisationen haben ein gemeinsames Problem: Ihre Gäste bleiben ihnen weiterhin unbekannt. Wer reist, hinterlässt zwar immer auch Spuren – jedoch keine Informationen oder Daten für die Tourismusorganisationen. Somit wissen touristische Anbieter wenig bis nichts über die Gäste, die bei ihnen übernachten oder Angebote nutzen. Ihre Interessen, Vorlieben oder Beweggründe, bleiben im Dunkeln.
Das wollte der Tourismusverein Treptow-Köpenick ändern und hat gemeinsam mit einem Entwicklerteam der Universität Jena sowie einem Köpenicker Start-up die Perspektive gewechselt und mit Hilfe einer neu entwickelten KI-Lösung die tatsächlichen, persönlichen Interessen der Gäste kennengelernt. Das Ziel war von Anfang an, bespielsweise ein Museum in Köpenick genau mit den Menschen zusammenzubringen, die sich tatsächlich dafür interessieren. Oder ein veganes Restaurant mit veganen Foodies zu verbinden.
Die Besucher kennenlernen
Die Ausgangsfrage war: Wie lernt man die Gäste kennen? Die Antwort liegt in einem Baum. Er ist nicht nur das Symbol für den größten und grünsten Bezirk Berlins, sondern auch eine neue Verbindung zwischen Nachhaltigkeit und digitaler Zukunft.
Damit war die Idee für die Kampagne „Ein Bett ins Grüne“ geboren. Wer jetzt in den Partnerhotels des Tourismusvereins Treptow-Köpenick übernachtet, bekommt auf dem Kopfkissen nicht ein Stück Schokolade, sondern einen Baum durch einen QR-Code geschenkt. Denn dort, wo unsere Gäste zur Ruhe kommen, haben sie die nötige Zeit, damit wir uns besser kennenlernen können.
Das geht in drei einfachen Schritten: Zuerst muss der QR-Code gescannt werden, damit man dem Baum einen persönlichen Namen geben kann. Danach kann der Gast den Ort wählen, an dem der Baum gepflanzt werden soll. Zuletzt legt der Besucher oder die Besucherin einen Account an, um über den Baum informiert zu bleiben. In den letzten drei Jahren konnten gemeinsam mit 38 Partnerhotels über 21.000 Bäume gepflanzt werden.
Die Künstliche Intelligenz selektiert die Angebote
Wie aber lernt man auf diesem Weg seine Gäste kennen? Indem man ihnen, während sie dem Tourismusverein ihre Zeit schenken, mithilfe der KI individuelle und persönliche Fragen stellt. Beispielsweise zu den Themen Mobilität, Kulinarik, Kultur oder Events. So wurden über eine Million individueller Daten von Besuchern erhoben. Und das freiwillig.
Was heißt das für die Gäste? Wenn der Tourismusverein heute ein Mailing oder einen Newsletter mit einer Vielzahl von Angeboten versendet, selektiert die Künstliche Intelligenz individuell, welche davon den persönlichen Interessen der jeweiligen Adressaten entsprechen. So kann es sein, dass ein Gast sieben Angebote erhält und ein anderer nur ein Angebot. Sie entsprechen allerdings genau den tatsächlichen Interessen der Besucherinnen und Besucher.
Treptow-Köpenick konnte die Newsletter-Öffnungsraten von 18 auf aktuell 87 Prozent steigern. Die tatsächliche Klickrate wurde zudem von fünf auf 56 Prozent erhöht. Die Zahlen sprechen also für sich. Außerdem wurde klar, dass die Region völlig neu wahrgenommen wird, wenn Inhalte wirklich interessieren.
Mit dieser Lösung werden die wunderbaren Angebote der Region mit den tatsächlichen Interessen der Gäste zusammengebracht – und die Umsätze deutlich gesteigert. Ermöglicht wurde das durch Fördermittel aus dem Berliner Senatshaushalt der CityTax.
Die KI-Lösung ist offen auch für andere Regionen
Die digitale KI-Lösung ist von Anfang an als eine sogenannte White Label-Lösung entwickelt worden, damit sie auch für andere Bezirke oder Regionen adaptiert werden kann. Somit können von den wachsenden Daten alle gemeinsam profitieren.
Mathis Richter



