Sicher versorgt: Warum Kraft-Wärme-Kopplung bei Strom und Wärme Sinn macht

Erneuerbare Energien stellen zunehmend die Grundlast – aber ihre Versorgungslücke oder Residuallast muss gedeckt werden. Deshalb ist Kraft-Wärme-Kopplung wichtig für die Sicherheit in Strom- und Wärmeversorgung, betont der B.KWK. Eine Einordnung aus Verbandssicht von Barbara Minderjahn.

Kraft-Wärme-Kopplung
„Blockheizkraftwerk des Jahres“ – die Auszeichnung ging 2025 in die Gemeinde Quierschied (Saarland). Für die Energie-erzeugung werden Grubengas sowie Grubenwasser einer stillgelegten Zeche genutzt. Foto: STEAG GmbH

Die Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) ist nicht nur das effizienteste Prinzip zur energetischen Nutzung von Brennstoffen. Durch ihren flexiblen und dezentralen Einsatz ist sie auch schon jetzt und erst recht in der Zukunft eine tragende Säule unseres Energiesystems. Die Vielfalt der möglichen Brennstoffe geht weit über den Betrieb mit Erdgas hinaus. Die Bandbreite reicht von Bio-, Holz-, Klär-, Deponie- oder Grubengas bis zu Biomethan und Wasserstoff. Diese Variabilität verringert Abhängigkeiten und trägt zur Versorgungssicherheit bei.

Das Prinzip der KWK ist einfach: Die Abwärme, die bei der Stromerzeugung anfällt, wird genutzt, um Wärme für Heizzwecke oder Prozesswärme zu erzeugen. Die Größenordnung der KWK-Anlagen reicht hierbei von kleineren Anlagen in der Wärmeversorgung von Gebäuden und Quartierlösungen über unterschiedlich große Anlagen für Gewerbe und Industrie bis hin zur Versorgung der Nah- und Fernwärmenetze ganzer Stadtteile mit großen Heizkraftwerken.

Kombination aus Wärmepumpe und KWK-Anlage

KWK-Anlagen sind dabei, anders als oft fälschlicherweise angenommen, keine „Dauerläufer“. Vielmehr ergänzen sie die volatilen erneuerbaren Energien im Erzeugungsprofil ideal. Das zeigt die Kurzanalyse „Kraft-Wärme-Kopplung – Garant für die Stabilität des Energiesystems der Zukunft“: Für sie hat der B.KWK repräsentative Messdaten des Einsatzes von KWK-Anlagen in 2025 auswerten lassen.

Insbesondere in den letzten Jahren hat es hier enorme Fortschritte an innovativen Lösungen gegeben. Die Kombination aus Wärmepumpe und KWK-Anlage gilt in der Objekt- und Quartiersversorgung mittlerweile nicht nur als Standard, sondern zeigt, wie gut sich KWK und regenerative Techniken ergänzen.

Passgenaue Stromproduktion

KWK-Anlagen können überwiegend den Strom passgenau dann erzeugen, wenn zum Beispiel bei Dunkelflauten nicht genügend erneuerbare Energien zur Deckung der Restlast zur Verfügung stehen. Sie orientieren sich flexibel am Strommarkt und werden nahezu ausschließlich in den Stunden positiver Preise eingesetzt – also systemdienlich betrieben.

KWK wird ein wichtiger Baustein zukünftiger Energiesysteme bleiben, weil sie im Großen wie im Kleinen Versorgungssicherheit schafft. KWK-Anlagen können überall eingesetzt werden und sind innerhalb kürzester Zeit errichtet.

Durch diese Flexibilität, Dezentralität und Hocheffizienz ist die KWK wirtschaftlich, nachhaltig und sicher. Die deutsche KWK-Branche kann jährlich eine Kapazität von mindestens sechs Gigawatt an gesicherter Leistung zubauen.

Um diese Leistung verlässlich zu liefern, braucht es aber auch die entsprechenden regulatorischen Rahmenbedingungen und Förderbedingungen für mehr Planungssicherheit. So ist es für die Branche ein besonderes Anliegen, dass die KWK in der künftigen Kraftwerksstrategie ein zentraler Bestandteil ist.

Appell an die Politik

Auch das auslaufende Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetz muss novelliert werden. Die sich ständig wiederholende Befristung hemmt die investitionswillige Branche und bremst so Innovationen für die Energiewende massiv aus. Deshalb brauchen wir hier dringend eine vollständige Entfristung oder mindestens eine Novelle, die bis zum Jahr 2038 für einen stabilen Planungshorizont sorgt.

Eine wichtige Rolle spielt auch das kommende Gebäudemodernisierungsgesetz. Die hier erste Öffnung muss sich nun auch in einem konkreten Gesetzesentwurf wiederfinden. KWK muss hierbei als gleichwertige Technologie benannt und festgeschrieben werden. Auf diese Weise kann ein zentraler Beitrag zum Ziel einer technologieoffenen Wärmewende geleistet werden. Entscheidend ist allen voran die effiziente Verzahnung der genannten Gesetzesvorhaben.

Wie vielseitig die technischen Lösungen bereits jetzt sind, zeigt der Bundesverband Kraft-Wärme-Kopplung jedes Jahr aufs Neue mit der Wahl des „Blockheizkraftwerk des Jahres“. Allein schon der Blick auf die letzten drei Jahre bildet die Bandbreite an möglichen Innovationen sehr gut ab.

Best-Practice-Beispiele zur Kraft-Wärme-Kopplung

Das KWK-Konzept für den Umbau eines Kraftwerksstandorts in Stralsund überzeugte 2023 die Jury. Es wurden unter anderem zwei Blockheizkraftwerke mit Wärmepumpen so innovativ miteinander kombiniert, dass nun deutlich mehr Abwärme für die Fernwärmeversorgung genutzt werden kann.

Als weiteres Beispiel für ein hocheffizientes Energiekonzept wurde 2024 ein Projekt in Hamburg ausgezeichnet. Dort wird ein Quartier nach dem Prinzip einer innovativen KWK-Anlage mit Sektorenkopplung zur Stromnutzung mit Energie versorgt. Durch die Bereitstellung von 64 elektrifizierten Stellplätzen wird gezeigt, dass die Energiewende ganzheitlich mit Blick auf die Elektromobilität betrachtet wird.

2025 wurde eine KWK-Anlage auf dem Gelände der ehemaligen Grube Camphausen im Saarland ausgezeichnet. Sie nutzt das anfallende Grubengas sowie die Abwärme des Grubenwassers für die Fernwärmeversorgung. Es ist sinnvoll, Grubengas als Brennstoff zu verfeuern, weil das die Klimawirkung massiv reduziert.

Diese Beispiele sind nur ein kleiner Auszug der zahlreichen technischen Möglichkeiten der KWK, die so immer wieder aufs Neue ihre Vorteile zunehmend auch im Einklang mit den erneuerbaren Energien ausspielen kann. Sie ist nicht nur ein zentraler Teil zur Sicherstellung der Versorgung, sondern gewinnt auch mit Blick auf die Resilienz des Energiesystems zunehmend an Bedeutung.

Barbara Minderjahn


Die Autorin

Barbara Minderjahn ist Hauptgeschäftsführerin beim Bundesverband Kraft-Wärme-Kopplung e.V. (B.KWK).


Ausgezeichnete Lösungen

Das „Blockheizkraftwerk des Jahres“ wird vom B.KWK ausgezeichnet – die Bandbreite der KWK-Lösungen sei so vielfältig, dass auf einen reichhaltigen Schatz aus Best-Practice-Beispielen zurückgeblickt werden kann.

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