Der Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz versorgt auch kleinere Kommunen ohne eigene Stadtwerke mit klimafreundlicher Wärme. Eine entscheidende Rolle spielen dabei innovative Wärmenetze. Diese reduzieren den Ausstoß von Treibhausgasen deutlich und schaffen neue Perspektiven für die regionale Energieversorgung.

Um den Wohn- und Gewerbegebiete kleinerer Kommunen Zugang zu klimafreundlicher Wärme zu verschaffen, setzt der Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz ein breit angelegtes Projekt zur Initiierung und Planung von Wärmenetzen um.
Im Mittelpunkt stehen Gemeinden ohne eigene Stadtwerke, wobei die Planungen zunächst unabhängig von der kommunalen Wärmeplanung erfolgen. Gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern sowie potenziellen Betreibern werden Gebiete identifiziert, in denen nachhaltige Wärmenetze wirtschaftlich realisierbar sind.
Mit den ersten beiden geplanten Netzen können künftig über 650 Tonnen Treibhausgase pro Jahr vermieden werden, so das Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit in einer Mitteilung.
Klimafreundliche Wärmeversorgung im Landkreis Neumarkt
Der Startschuss für ein neues Wärmenetz fällt stets mit der Kontaktaufnahme zu den Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern vor Ort. Im Anschluss werden die Gemeindegremien informiert und eine Befragung der Bürgerinnen und Bürger durchgeführt.
Auf Grundlage der Rückmeldungen werden im nächsten Schritt Fokusgebiete festgelegt. Nach weiteren Abfragen beginnt die Suche nach einem Betreiber. Ein externes Unternehmen führt zudem eine erste Wirtschaftlichkeitsprüfung durch.
In einer zweiten Informationsrunde erhalten Interessenten konkrete Preisangaben. Darauf folgen das Einholen verbindlicher Anschlusszusagen, eine weitere Wirtschaftlichkeitsberechnung und die Festlegung des endgültigen Netzgebietes.
Gleichzeitig werden Energieberater und Heizungsfirmen einbezogen, Hausbegehungen durchgeführt, GPS-Vermessungen veranlasst und Angebote für technische Leistungen eingeholt. Nach Abschluss dieser Vorbereitungen wird der Antrag auf Bundesförderung für effiziente Wärmenetze (BEW) gestellt.
Die Projektkoordination übernimmt das Klimaschutzmanagement des Landkreises, das bei der „Regionalen Innovationsagentur Landkreis Neumarkt i.d.OPf.“ (REGINA) ansässig ist. Gesellschafter sind die Bürgermeister der 19 Kommunen und der Landrat.
Tragfähige Strukturen für die Energieversorgung kleiner Kommunen
Derzeit bringen sich fünf Kommunen mit insgesamt acht Projekten aktiv in den Prozess ein. In zwei Gemeinden wurden bereits technische Vorarbeiten wie GPS-Vermessungen und KfW-Antragstellungen umgesetzt, sodass die Realisierung der ersten Wärmenetze in greifbare Nähe rückt.
Je nach Bedarf kommen unterschiedliche Betreibermodelle zum Einsatz, von privaten Unternehmen bis hin zu Genossenschaften. Das Vorgehen verdeutlicht, dass auch kleinere Kommunen im ländlichen Raum tragfähige Strukturen für die Energieversorgung aufbauen können. Die enge Kooperation von Landkreis, Kommunen, Energieberaterinnen und Energieberatern, Heizungsbetrieben sowie engagierten Bürgerinnen und Bürgern schafft ein gemeinschaftliches Modell für eine klimafreundliche und zukunftssichere Wärmeversorgung.
Das Projekt wird im Rahmen des Regionalmanagements Bayern mit 60 Prozent gefördert, läuft seit Mai 2023 und ist bis April 2026 angesetzt. Die jährlichen Gesamtkosten belaufen sich auf rund 48.000 Euro, wovon der Landkreis derzeit etwa 19.000 Euro selbst trägt. Ab Mai 2026 übernimmt der Landkreis die Finanzierung komplett und führt das langfristig angelegte Projekt weiter.
Red.



