„Geothermie als Maßnahme in der kommunalen Wärmeplanung“: Bundesweite Geothermie-Karte zeigt Potenziale

Auf dem Weg zu einer klimaneutralen Wärmeversorgung ist es ein Meilenstein: Eine deutschlandweit einheitliche Geothermie-Karte veranschaulicht erstmals, wo es möglich ist, oberflächennahe Erdwärme mithilfe von Erdwärmesonden zu nutzen – und wo nicht.

Bundesweite Geothermie-Karte
Die interaktive Geothermie-Karte kann auch für Kommunen von großem Nutzen sein. Foto: Andy Ilmberger

Geothermie, die natürliche Wärme aus dem Erdinnern, hat als klimaneutrale Energiequelle großes Potenzial. Obwohl sie das ganze Jahr über zuverlässig zur Verfügung steht, ist ihr Nutzungspotenzial jedoch nach wie vor unzureichend erschlossen.

Um eine zukunftssichere und effiziente Wärmeversorgung zu ermöglichen, beschlossen die Mitglieder des Forschungsprojekts WärmeGut, dies zu ändern. Das Forschungsteam analysierte aus allen sechzehn Bundesländern Daten zum geologischen Untergrund und bereitete diese interdisziplinär auf. Es entstand eine bundesweit einheitliche und einfach verständliche Geothermie-Karte, die über das Geothermische Informationssystem GeotIS jederzeit abrufbar ist. Dies berichtet das Institut für Angewandte Geophysik in einer Mitteilung.

Die Geothermie-Karte ist auch für Städte und Gemeinden wertvoll

„Uns ist es gemeinsam mit den Projektpartnern und den staatlichen geologischen Diensten gelungen, eine digitale Karte zu entwickeln, die sowohl den individuellen Anforderungen der jeweiligen Bundesländer als auch einer leicht verständlichen Vereinheitlichung der komplexen Datenlage gerecht wird“, erklärt Projektleiterin Prof. Dr. Inga Moeck, Leiterin der Forschungsabteilung Systemintegration am LIAG-Institut für Angewandte Geophysik und Professorin an der Georg-August-Universität Göttingen. „Das ist ein historischer Meilenstein für die Geothermie-Forschung.“

Von der interaktiven, auf einem Ampelsystem basierenden Karte versprechen die Forschenden sich einen regelrechten Geothermie-Booster. Gemeinden, Städte und Kommunen benötigen eine Wärmequelle, um ihre zukünftige Wärmeversorgung sicher und klimaneutral zu gewährleisten – ebenso wie Industrie, Gewerbe und letzten Endes auch alle Hausbesitzenden. Ihnen allen hilft die Geothermie-Karte, da sie einfach und in einheitlicher Form bundesweit für Klarheit sorgt.

Bundesweite Geothermie-Karte
Die erste bundesweit einheitliche Geothermie-Karte wurde im Forschungsprojekt WärmeGut erstellt. Quelle: GeotIS / LIAG-Institut für Angewandte Geophysik

„Ohne Geothermie kann die Wärmewende nicht gelingen“, so Moeck und verweist auf Studien aus dem LIAG und dem Fraunhofer IEG. Unter den erneuerbaren Energien werde die Geothermie der Professorin zufolge häufig vergessen, zumal die natürlich strömende Wärme in der Erde anders als Wind oder Sonne nicht gesehen oder gefühlt werden kann.

Weitere Karten sind in Planung

„Wir erwarten, dass diese Karte auf die Geothermie als Maßnahme in der kommunalen Wärmeplanung aufmerksam macht und sowohl der Energiewende als auch der wissenschaftlichen Geothermie-Forschung entscheidenden Schub verleiht“, erläutert Moeck weiter.

Aktuell arbeitet das Forschungsteam um Moeck noch an weiteren Karten für Technologien der oberflächlichen Geothermie, wie etwa Kollektoren- und Brunnensysteme. Die Ampelkarten dienen als Grundlage für interaktive Potenzialkarten. Mit ihrer Hilfe ist es möglich, die nutzbare Wärmeenergie für einen abgefragten Standort zu berechnen. Dies unterstütze die kommunale Wärmeplanung erheblich, was Deutschland der klimaneutralen Wärmeversorgung einen Schritt näher bringe.

Red.


Über die Geothermie-Karte

Die bundesweit einheitliche interaktive Geothermie-Karte ist Teil des Forschungsprojekts WärmeGut. Unter der Leitung des LIAG-Instituts für Angewandte Geophysik (LIAG) in Hannover wurde sie gemeinsam mit der Georg-August-Universität Göttingen (UGOE) und dem Unternehmen geoENERGIE Konzept GmbH aus Freiburg entwickelt. Auch die sechzehn geologischen Landesdienste beteiligten sich an der Entwicklung. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) fördert das Projekt. Über das Geothermische Informationssystem GeotIS steht die Geothermie-Karte frei zur Verfügung.


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