Rekommunalisierung als Zukunftsstrategie: Weshalb die Dessauer Stadtwerke sich beim ÖPNV neu aufgestellt haben

Die Anforderungen an den ÖPNV sind hoch und die Rahmenbedingungen oft schwierig, was aber heißt das für die Arbeit vor Ort? Zum Beispiel Dessau: Dort haben die Stadtwerke sich neu aufgestellt – der Fahrbetrieb läuft jetzt vollständig in Eigenregie, seit Februar ist die neue Strategie im Einsatz.

Dessauer Stadtwerke
Revidierte Strategie: Die Stadtwerke Dessau haben den Nahverkehr wieder vollständig übernommen. Ziele sind: „Höhere Standards, mehr Klimaschutz und ein wirtschaftlich tragfähiger ÖPNV, der sich an den Bedürfnissen der Stadt orientiert.“ Foto: Stadtwerke Dessau

Die Dessauer Verkehrs GmbH (DVG) hat seit Februar den Buslinienverkehr vollständig im Eigenbetrieb
organisiert und verzichtet auf Fremdvergaben. Damit richtet sich das kommunale Verkehrsunternehmen strategisch neu aus und will ein deutliches Signal für noch mehr Qualität, Verlässlichkeit und Kundennähe im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) setzen. Der Aufsichtsrat der Stadtwerke Dessau hat diesem Schritt einstimmig zugestimmt.

Engagement für nachhaltige Mobilität

„Mit dieser Entscheidung bekennen sich die Stadtwerke und der Aufsichtsrat klar zur Zukunft des Nahverkehrs in Dessau-Roßlau, betont Stadtwerke-Geschäftsführer Dino Höll. „Höhere Standards, mehr Klimaschutz und ein wirtschaftlich tragfähiger ÖPNV, der sich an den Bedürfnissen der Stadt orientiert: Damit unterstreichen wir unser Engagement für nachhaltige Mobilität, Daseinsvorsorge und kommunale Verantwortung“, so Höll weiter.

In den vergangenen Jahren zeigte sich ihm zufolge ein klarer Trend: Die Kosten für Fremdvergaben stiegen deutlich an. „Es ist nicht erkennbar, dass sich diese Entwicklung umkehrt. Damit wächst der wirtschaftliche Druck auf den Nahverkehr erheblich, während der Eigenbetrieb wirtschaftlich gleichwertig ist.“

Vor diesem Hintergrund hat die DVG den Buslinienverkehr vollständig in Eigenregie übernommen. Gleichzeitig bleiben die ergänzenden Fahrten durch Taxiunternehmen in Nebenverkehrszeiten und am Wochenende auch weiterhin ein fester Bestandteil des ÖPNV-Angebots.

Vorteile der Eigenleistung

„Sobald es für die Erbringung von Verkehrsleistungen durch Dritte keinen finanziellen Vorteil mehr gibt, liegt es in unserer Verantwortung als Teil der kommunalen Familie, den Fahrbetrieb wieder zu 100 Prozent selbst und damit auch tarifgebunden zu übernehmen“, erklärt DVG-Geschäftsführer Marco Franke.

„Die vollständige Eigenleistung verschafft uns nicht nur mehr Planungssicherheit und kürzere Entscheidungswege, sondern ermöglicht auch eine bessere Einbindung unserer Fahrerinnen und Fahrer in die Unternehmensprozesse.“ Das Ziel: „Wir möchten unseren Fahrgästen auch in Zukunft ein verlässliches Angebot mit höchstmöglicher Qualität bieten“, so Franke.

Perspektiven für Azubis

Mit Hilfe verschiedener Maßnahmen – von der Ausbildungsoffensive für Straßenbahnfahrerinnen und -fahrer bis hin zum Umbau eines Linienbusses zum Fahrschulbus – hat sich die DVG intensiv darauf vorbereitet, den Übergang so reibungslos wie möglich zu gestalten. Die Suche nach Fahrern und Fahrerinnen verlief laut Stadtwerke-Chef Höll erfreulich: Von 40 offenen Stellen konnte bis zum Start ein Großteil besetzt werden.

Erneuerung der Busflotte

Ein sichtbares Signal für den Neustart ist die Modernisierung der Fahrzeugflotte: In den Jahren 2026 und 2027 beschafft die DVG insgesamt 14 neue Busse, die mit klimafreundlichem Bio-Erdgas betrieben werden. Damit ersetzt das Unternehmen ältere Diesel-Fahrzeuge. Die neuen Busse sind komfortabler für die Fahrgäste, bieten moderne Ausstattung und tragen zugleich zur Erreichung der Klimaziele der Stadt bei – durch erheblich geringere Emissionen im Vergleich zu konventionellen Diesel-Fahrzeugen.

Mit der Rekommunalisierung stärkt die Dessauer Verkehrs GmbH nicht nur ihre eigene Handlungsfähigkeit, sondern auch die Rolle als verlässlicher Partner der Stadt. An erster Stelle steht das Ziel, ein zuverlässiges, modernes und wirtschaftlich tragfähiges Nahverkehrsangebot für die Bürgerinnen und Bürger in Dessau-Roßlau zu sichern. Durch den vollständigen Eigenbetrieb sollen Entscheidungen schneller getroffen, Abläufe effizienter gestaltet und langfristige Investitionen nachhaltiger geplant werden können.

Stärkung der Region

Zudem leistet die DVG einen wichtigen Beitrag zur regionalen Wertschöpfung: Durch die Erweiterung der Eigenerbringung entstehen zusätzliche Arbeitsplätze in Dessau-Roßlau – nicht nur im Bereich Fahrpersonal, sondern auch im technischen Service in der Werkstatt, in der Verwaltung für die Einsatzplanung und in der Flottenbetreuung.

Christina Hövener-Hetz


Die Autorin

Christina Hövener-Hetz ist als Fachjournalistin in Berlin tätig.


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