Mit einem neuen Naturschutzgroßprojekt werden im UNESCO-Biosphärenreservat Thüringer Wald in den kommenden Jahren Bäche, Moore und Bergwiesen ökologisch aufgewertet. Grundlage ist ein umfangreicher Pflege- und Entwicklungsplan, der gezielte Maßnahmen für rund 6.100 Hektar Projektfläche definiert.

Der Thüringer Wald zählt zu den bedeutendsten Naturlandschaften Deutschlands – und steht zugleich vor vielfältigen Herausforderungen. Um die charakteristischen Bergwiesen, Bäche und Moorstandorte als Lebensraum für gefährdete Arten zu erhalten und zu stärken, ist im UNESCO-Biosphärenreservat bereits im März ein mehrjähriges Naturschutzgroßprojekt gestartet.
Auf Basis eines Pflege- und Entwicklungsplans werden Maßnahmen umgesetzt, die beispielsweise die ökologische Qualität der Gewässer- und Moorlandschaften verbessern sollen. Dies berichtet das Ministerium für Umwelt, Energie, Naturschutz und Forsten des Freistaates Thüringen in einer Mitteilung.
Nachhaltiger Schutz der Lebensräume im Thüringer Wald
„Der Thüringer Wald ist eine der herausragenden Naturlandschaften Deutschlands und weit über die Grenzen unseres Landes bekannt“, so der thüringische Umweltminister Tilo Kummer. „Wir haben hier einen besonderen Naturschatz vor der Haustür, mit wertvollen Bergwiesen, Bächen und Mooren sowie gefährdeten Arten wie Schwarzstorch, Feuersalamander oder die Arnika. Diese einzigartige Natur zu erhalten, ist unsere gemeinsame Verantwortung. Ich freue mich sehr, dass dank der kombinierten Bundes- und Landesförderung dieses Projekt starten kann.“
Der Geschäftsführer der Naturstiftung David, Adrian Johst, bestätigt dies: „Die breite Unterstützung aus der Region und das Vertrauen von Bund und Land sowie den vielen Finanzierungspartnern geben uns Rückenwind. Gemeinsam mit unseren Partnern werden wir die wertvollen Lebensräume im Thüringer Wald nachhaltig entwickeln und langfristig sichern.“
Die Maßnahmen des Naturschutzgroßprojekts
Grundlage der Umsetzung ist ein detaillierter „Pflege- und Entwicklungsplan“, der rund 16.000 Einzelflächen und 570 Bachkilometer im UNESCO-Biosphärenreservat Thüringer Wald erfasst. Er wurde in den letzten vier Jahren von Fachbüros erarbeitet und in enger Abstimmung mit regionalen Partnern weiterentwickelt.
Der Plan sieht ein breites Spektrum an Handlungsbedarfen für die Bäche, Moore und Bergwiesen im etwa 6100 Hektar großen Projektgebiet vor. Daher konzentriert sich das Vorhaben zunächst auf Maßnahmen mit hoher Priorität.
Ausgewählte Maßnahmen im Projektgebiet
- Auf mindestens 72 Bachkilometern werden Starktotholz und Störsteine eingebracht, um die Strukturvielfalt und Eigendynamik der Gewässer zu steigern.
- Mindestens 172 Querbauwerke und Anlagen in den Bächen werden zurückgebaut oder umgestaltet, um die ökologische Durchgängigkeit der Fließgewässer wiederherzustellen.
- Auf rund 73 Hektar Moorstandorten im Wald werden Gehölze ganz oder teilweise entfernt, um die natürliche Moorvegetation zu unterstützen.
- In 42 Moorstandorten werden Entwässerungsstrukturen zurückgebaut oder Wasserstände angehoben, um die natürliche Speicherfunktion der Moore wiederherzustellen.
- Für etwa 154 Hektar Berggrünland werden zusammen mit den Bewirtschaftenden Möglichkeiten einer stärkeren Nutzung abgestimmt und umgesetzt, um Verbuschung zu verhindern und konkurrenzschwache Arten zu erhalten.
- Invasive Arten wie die Staudenlupine werden bekämpft.
Diese und weitere Maßnahmen fördern nicht nur die Lebensraum- und Artenvielfalt, sondern stärken auch die Bestände seltener Arten. Zudem unterstützen sie für die Region bedeutsame Ökosystemleistungen wie Kohlenstoffbindung, Wasserspeicherung, Hochwasserschutz und die Stabilisierung des Wasserhaushalts.
Die Finanzierung des Projekts
Das Umsetzungsprojekt verfügt über ein Gesamtvolumen von rund 10,4 Millionen Euro. Im Rahmen des Bundesprogramms „chance.natur“ fördert das Bundesamt für Naturschutz das Vorhaben mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit in Höhe von 7,8 Millionen Euro.
Der Freistaat Thüringen trägt 1,56 Millionen Euro der Kosten. Die Naturstiftung David bringt gemeinsam mit weiteren Finanzierungspartnern den erforderlichen zehnprozentigen Eigenanteil von 1,04 Millionen Euro ein. Wichtige Umsetzungspartner vor Ort sind beispielsweise das UNESCO-Biosphärenreservat Thüringer Wald, die ThüringenForst AöR sowie die Landkreise Schmalkalden-Meinigen, Hildburghausen und der Ilm-Kreis, die Stadt Suhl und weitere Gemeinden im Gebiet.
Red.
Zum Projekt
Mehr Informationen zum Projekt und eine Kurzfassung des Pflege- und Entwicklungsplans finden Sie hier.



