Wiedervernässung von Mooren: Wo Kommunen Unterstützung finden

Die Wiederherstellung von Mooren ist aufwendig und teuer – und enorm wichtig, betont Tom Kirschey. Der Klimaschutzexperte schlüsselt auf, warum Moore dringend gebraucht werden und wo Kommunen dafür Unterstützung finden.

Wiedervernässung von Mooren
Das Hochmoor Hohes Venn zwischen Deutschland und Belgien ist eine seltene Erscheinung: „Nur etwa drei Prozent der organischen Böden in Deutschland erfüllen noch ihre vollen natürlichen Ökosystemfunktionen“, konstatiert Klimaschutzexperte Tom Kirschey. Foto: Adobe Stock/Mark

Marode Brücken werden in Deutschland seit geraumer Zeit häufig angeführt, um auf die zum Teil prekäre Situation öffentlicher Infrastruktur und ihren hohen Sanierungsbedarf hinzuweisen. Nach einer Studie der Organisation „Transport & Environment“ aus dem Jahr 2025 bedürfen etwa 30 Prozent der Brücken von Bundesfernstraßen dringende Maßnahmen.

Bliebe man im Bild des „Sanierungsbedarfes“ und würde den Blick auf die Moore in Deutschland richten, so wäre die Situation um einiges dramatischer. Nach Angaben des Thünen-Instituts und des Greifswald Moor Centrums erfüllen nur noch etwa drei Prozent der organischen Böden in Deutschland ihre vollen natürlichen Ökosystemfunktionen.

Eine der Ökosystemfunktionen von Mooren ist die Klimaregulation. Moore sind sogenannte „Senkenökosysteme“ für atmosphärisches Kohlendioxid. In natürlichem Zustand entziehen die Pflanzen, die auf ihnen wachsen, der Atmosphäre permanent CO2, und die Zersetzung der pflanzlichen Biomasse ist geringer als die Produktion. Grundvoraussetzung dafür ist eine permanente Wassersättigung des Bodens.

Fatale Folgen der Entwässerung

Unter Wasser – unberührt vom Luftsauerstoff – bildet sich Torf, quasi als Deponie des Kohlenstoffs in der Landschaft. Durch künstliche Entwässerung wurde dieser Prozess bei über 95 Prozent der organischen Böden – insgesamt etwa 1,8 Millionen Hektar – nicht nur unterbrochen, sondern in sein Gegenteil verkehrt.

Der Torf kommt durch die Entwässerung in Kontakt mit dem Luftsauerstoff, und Mikroorganismen zersetzen ihn mit CO2 als Stoffwechselprodukt. Aus Senken von Kohlenstoff wurden so erhebliche Quellen von CO2. Die Emissionen aus entwässerten Mooren übersteigen in moorreichen Bundesländern, zum Beispiel Mecklenburg-Vorpommern, mitunter die aus Industrie und Verkehr zusammen.

Deutschlandweit resultieren sieben Prozent aller Emissionen aus entwässerten Mooren. Moore wiederherzustellen, ist damit kein „Nice-to-have“, sondern eine Notwendigkeit, um die Klimaziele zu erreichen. Je länger damit gewartet wird, umso unwahrscheinlicher wird die Erreichung der Ziele.

Was Moore leisten können

Dabei ist die Klimaregulationsfunktion nur ein Aspekt, warum Moore so wichtig sind. Jeder Tropfen Regenwasser, der im Moor verbleibt und nicht über den Entwässerungsgraben schnell aus der Landschaft abfließt, kühlt durch Verdunstung die Landschaft – und bei Starkregen können Hochwasserspitzen erheblich reduziert werden. So lohnt sich Moorschutz im Oberlauf der Fließgewässer auch für Gemeinden, die von Hochwässern an den Unterläufen der Flüsse betroffen sind.

Funktionierende Moore sind nicht nur Senken für Kohlenstoff. Auch für andere Stoffe – etwa für Stickstoffverbindungen – können sie Senken darstellen und damit als „Nieren der Landschaft“ Grund- und Oberflächenwasser filtern sowie reinhalten.

Rückbau der Entwässerungssysteme

Wenn die Funktionsfähigkeit der Moore wiederhergestellt werden soll, liegt die wichtigste Maßnahme im weitgehenden Rückbau des Entwässerungssystems, das in sie eingebaut ist. Dabei ist entscheidend, dass Moore nicht als isolierte Parzellen in der Landschaft verstanden werden, sondern das gesamte Einzugsgebiet mitbetrachtet wird.

Viele Akteure sind gefragt, um den Paradigmenwechsel von der größtmöglichen Entwässerung der Landschaft auf den Wasserrückhalt zu bewerkstelligen: angefangen von den Flächeneigentümern und Bewirtschaftern bis hin zu den Gewässerunterhaltungsverbänden, deren Aufgabe in der Unterhaltung des etablierten Entwässerungssystems liegt.

Schlüsselrolle der Kommunen

Hier spielen Kommunen häufig eine Schlüsselrolle, denn sie sind in den Verbandsgremien der Gewässerunterhaltungsverbände aufsichtsführend. Darauf zu achten, wie Gewässerunterhaltung im Verbandsgebiet durchgeführt wird, kann nicht nur als Instrument der Kontrolle für die Unterhaltungskosten verstanden werden.

Kommunen sind auch bei den wasserrechtlichen Verfahren, die für eine rechtssichere Wiederherstellung der Moore notwendig sind, als Träger öffentlicher Belange eingebunden – entweder bei der wasserrechtlichen Genehmigung oder beim Planfeststellungsverfahren.

Hier gilt es, unterschiedliche Interessen abzuwägen und unter kommunalen Belangen auch Aspekte der Klimaanpassung einzubeziehen. Die Bundesregierung unterstützt mit dem „Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz“ (ANK) die Wiederherstellung von Mooren. Über das ANK werden nicht nur die investiven Baukosten von Wiederherstellungsmaßnahmen gefördert, sondern auch Planungskosten sowie die Personalkosten etwa in Gewässerunterhaltungsverbänden.

Es ist beabsichtigt, im Frühjahr 2026 mit einer weiteren ANK-Förderrichtlinie auch den Wertverlust von Grundstücken und die Bewirtschaftungserschwernisse nach erfolgter Wiederherstellung auf landwirtschaftlich genutzten Mooren auszugleichen.

Unterstützung für den Klimaschutz

Neben der Bundesförderung bietet das Kompetenzzentrum Natürlicher Klimaschutz (KNK) fachliche Beratung für Gemeindevertreter, Mitglieder von Aufsichtsgremien in Gewässerunterhaltungsverbänden und natürlich für die Wasser- und Bodenverbände selbst.

Auf Ebene der Bundesländer unterstützen auch die Regionalbüros für Natürlichen Klimaschutz Akteure vor Ort bei der Initiierung von Wiederherstellungsprojekten.

Tom Kirschey


Der Autor

Der Biologe Tom Kirschey ist Moor-und Klimaschutzexperte. Er leitet das Kompetenzzentrum Natürlicher Klimaschutz (KNK), das Teil des Aktionsprogramms Natürlicher Klimaschutz (ANK) ist.


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