Biodiversität ist kein Luxus, sondern eine Investition in die Zukunft: Immer mehr Kommunen setzen auf naturnahe Maßnahmen und Strategien, um Artenvielfalt, Klimaresilienz und Lebensqualität vor Ort zu stärken – trotz vielerorts knapper Kassen.

Der Erhalt der Biodiversität gewinnt für deutsche Kommunen zunehmend an Bedeutung. Laut einer Befragung des Deutschen Instituts für Urbanistik (Difu) im Auftrag von KfW Research setzen 15 Prozent der Kommunen bereits eine Biodiversitätsstrategie um. Weitere 18 Prozent haben angegeben, eine entsprechende Strategie in Planung zu haben, so das Institut in einer Mitteilung.
„Die vom Difu im Auftrag der KfW durchgeführte Sonderauswertung verdeutlicht, dass Kommunen naturnahe Infrastruktur und Grünflächen nicht als Luxus ansehen, sondern als Investitionen in Klimaresilienz und Gesundheit der Bevölkerung“, erklärt Prof. Dr. Jochen Monstadt, wissenschaftlicher Leiter des Deutschen Instituts für Urbanistik (Difu).
„Dauerhaft können uns nur intakte und vielfältige Ökosysteme mit Rohstoffen, Trinkwasser und Nahrung versorgen und zugleich natürlicher Schutzschild gegen Extremwetter sein. Schon viele kleine, vernetzte Maßnahmen können eine große Wirkung für das Leben vor Ort entfalten. Gute Konzepte allein reichen dafür jedoch nicht aus – eine verlässliche Finanzierung und personelle Kapazitäten sind für den Erfolg unabdingbar.“
Wie Kommunen die Biodiversität schützen
Bereits heute setzen Kommunen zahlreiche Maßnahmen zum Schutz der Biodiversität um. So sind 85 Prozent der befragten Kommunen im Bereich Baumpflanzung oder Baumpflege im Straßenraum aktiv, 81 Prozent betreiben ein biodiversitätsförderndes Grünflächenmanagement. Dazu zählen beispielsweise das Anlegen von Wiesen mit heimischen Blühpflanzen anstelle von Rasen. Zudem werde nur schonend gemäht und auf Herbizide verzichtet.

In den vergangenen fünf Jahren haben 58 Prozent der Kommunen in die Renaturierung oder Neuanlage von Gewässern investiert, jeweils 56 Prozent in Sickerflächen im Siedlungsbereich oder in den natürlichen Hochwasserschutz.
Insgesamt berichteten 57 Prozent der Kommunen, dass ihre Ausgaben in diesem Bereich in den vergangenen Jahren angestiegen sind. Außerdem geht mehr als die Hälfte davon aus, in den kommenden Jahren verstärkt in Maßnahmen zum Erhalt der Biodiversität zu investieren.
Kommunen beklagen „unzureichende Haushaltsmittel“
„Angesichts der vielerorts klammen Haushaltslage ist dies eine anspruchsvolle Aufgabe: In der Befragung nannten 86 Prozent der Kommunen „unzureichende Haushaltsmittel“ als große Herausforderung bei der Umsetzung von Biodiversitätsmaßnahmen“, berichtet Studien-Autor Dr. Christian Raffer.
Die weltweite Entwicklung macht den Handlungsbedarf deutlich: Die biologische Vielfalt nimmt sowohl global als auch in Deutschland stark ab. Drei Viertel der Landökosysteme und zwei Drittel der Meeresökosysteme sind bereits erheblich beeinträchtigt oder zerstört. Von den rund neun Millionen Arten weltweit ist eine Million vom Aussterben bedroht.
Hauptursache für den Verlust der Biodiversität ist die Zerstörung natürlicher Ökosysteme, vor allem durch die Landwirtschaft. Weitere Faktoren sind die Übernutzung natürlicher Ressourcen wie Fischerei und Jagd, der Klimawandel, Umweltverschmutzung sowie die Ausbreitung invasiver Arten.
Red.
Über die Befragung
Im September und Oktober 2025 wurden über 1.000 Kommunen mit mehr als 2.000 Einwohnerinnen und Einwohnern zur Befragung eingeladen, von denen sich 289 Städte, Gemeinden und Kreise beteiligt haben. Die Ergebnisse sind zwar nicht repräsentativ, geben jedoch einen aussagekräftigen Einblick in die Situation vor Ort.



