Deutlich reduzierter Energieverbrauch, weniger Lichtverschmutzung, mehr Artenschutz: 34 Kommunen in Osthessen und Unterfranken gehen gemeinsam den Weg zur modernen Straßenbeleuchtung – Smart City-Optionen inklusive.

Ein regionaler Energieversorger und eine Arbeitsgruppe aus Bürgermeistern, die stellvertretend für 34 Kommunen in Osthessen und Unterfranken gebildet wurde: Sie haben einen gemeinsamen Weg gefunden, die Straßenbeleuchtung flächendeckend zu erneuern – partnerschaftlich, wirtschaftlich und zukunftsoffen.
Die Straßenbeleuchtung in vielen Kommunen stammt noch aus einer Zeit, in der Licht schlicht an- oder ausgeschaltet wurde. Stufenlose oder zeitvariable Dimmung, individuelle Steuerung – all das war mit der alten Technik nicht möglich.
Mustervertrag als Grundlage für gemeinsame Modernisierung
Das soll sich ändern: Die RhönEnergie Gruppe in Fulda und die 34 Kommunen in Osthessen sowie Unterfranken haben sich zusammengefunden, um die Beleuchtungsinfrastruktur in der Region zu modernisieren. Grundlage ist ein „Mustervertrag Straßenbeleuchtung“, den zehn Bürgermeister im Auftrag aller beteiligten Kommunen mit dem Energieversorger erarbeitet haben.
Im Mittelpunkt der Modernisierung stehen zunächst neue Schaltschränke: Insgesamt 1360 Einheiten sollen im gesamten Versorgungsgebiet errichtet werden. Sie ermöglichen künftig eine variable, bedarfsgerechte Lichtsteuerung und enthalten Stromzähler, die einer gesetzlichen Anforderung Rechnung tragen. Bisher wurde der Stromverbrauch aus Brenndauer und Leistung errechnet – bei modernen Betriebsmodellen mit individuellen Dimmprofilen ist das nicht mehr möglich.
Die Investitionen werden geteilt
Die RhönEnergie trägt 50 Prozent der Investitionskosten, den Rest tragen die Kommunen. Parallel dazu läuft die schrittweise Umrüstung aller Leuchten auf LED, die gegenüber herkömmlicher Technik 50 bis 70 Prozent Energie einspart. Das Ziel: eine vollständige LED-Abdeckung bis Mitte der 2030er Jahre.
Gemeinsam einkaufen, selbst entscheiden
Dass sich 34 Kommunen für ein gemeinsames Vorgehen entschieden haben, zahlt sich aus. Ralf-Stefan Stöppler, Geschäftsführer der RhönEnergie Effizienz + Service GmbH, betont: „Das Projekt kombiniert maximale kommunale Entscheidungsfreiheit mit der Effizienz eines einheitlichen gemeinsamen Systems.“
Parallel zu den Vertragsverhandlungen liefen Auswahl- und Einkaufsprozesse für Leuchten, Masten, Sensoren und Schaltschränke – für alle Kommunen gemeinsam. Die dabei erzielten Mengenvorteile kommen nun allen Beteiligten zugute. Zugleich sichern standardisierte Schnittstellen die freie Auswahl des Herstellers bei einzelnen Komponenten.
Smart Lighting ist möglich
Der Vertrag eröffnet den Kommunen darüber hinaus die Option, ihre Beleuchtung schrittweise in Richtung „Smart Street Lighting“ weiterzuentwickeln: Variable Schaltzeiten, individuelle Dimmprofile für einzelne Leuchten, Straßenzüge oder Ortsteile, Umgebungssensoren oder Bewegungsmelder für ein mitlaufendes Licht sind technisch möglich. Auch eine Kopplung mit Kamerasystemen zur Verkehrs- oder Parkraumüberwachung ist denkbar.
Durch den Einsatz von bedarfsgerechten Dimmprofilen lassen sich die Energieeinsparungen nochmals steigern. Ob diese Möglichkeiten genutzt werden, entscheidet aber jede Kommune selbst. „Keine Gemeinde wird zur Umrüstung gezwungen“, betont Stöppler. Nicht alle der beteiligten Kommunen wollen kurzfristig Smart-City-Konzepte umsetzen – auch das ist im Vertragswerk berücksichtigt.
Deutlich weniger Lichtverschmutzung
Ökologische Aspekte sind fester Bestandteil der Planungen. LED-Leuchten reduzieren den CO2-Ausstoß erheblich. Die Anforderungen des Sternenparks Rhön fließen ausdrücklich in die Planung ein: Leuchten werden senkrecht nach unten ausgerichtet, um Lichtverschmutzung zu minimieren.
Leuchtmittel mit reduziertem Blaulichtanteil schonen Insekten und den natürlichen Nachtrhythmus von Mensch und Tier. Die Beleuchtungsmodernisierung wird damit auch zum Beitrag für eine naturverträglichere Infrastruktur in der Region.
Die RhönEnergie übernimmt für die Kommunen ein umfassendes Full-Service-Paket: von der Lichtplanung über Errichtung und Betriebsmanagement bis zu Wartung, Reparatur und Energieversorgung. „Wir liefern quasi das fertige Licht“, fasst Stöppler zusammen.
Komplexe Prozesse in der interkommunalen Umsetzung
Mit rund 20 Mitarbeitern in einer eigenen Lichtabteilung verfügt der Energieversorger über die personelle Kapazität für dieses Vorhaben – auch wenn die Koordination von fast 5000 beauftragten Leuchtenumrüstungen und dem flächendeckenden Ausbau der Schaltschränke über mehrere Jahre eine erhebliche logistische Herausforderung darstellt.
Eine weitere Aufgabe liegt in der Kommunikation mit den ehrenamtlichen Gemeindevertreterinnen und Gemeindevertretern. Die Materie ist komplex: Baukostenzuschüsse, Förderprogramme, Haftungsfragen und die Verkehrssicherungspflicht stellen hohe Anforderungen an das Verständnis aller Beteiligten.
Die Fachleute der RhönEnergie haben den Kommunen deshalb angeboten, die Gemeindepolitiker umfassend zu informieren. Aktuell befindet sich der Mustervertrag in zahlreichen Kommunen in den Gremienprozessen. Einige haben bereits zugestimmt. Nach der Sommerpause sollen weitere zehn Kommunen folgen.
Warum sich die Zusammenarbeit lohnt
Das Projekt zeigt, was interkommunale Zusammenarbeit leisten kann: wirtschaftliche Vorteile durch gemeinsamen Einkauf, technologische Zukunftssicherheit durch smarte Infrastruktur – und dennoch volle Entscheidungshoheit für jede einzelne Gemeinde.
Ein Modell, das Schule machen könnte: partnerschaftlich, zukunftsoffen, mit Digitalisierung im Blick, aber ohne Zwang.
Volker Nies



