Smarte Straßenbeleuchtung in Regensburg: KI-Lichtteppich sorgt bedarfsgerecht für Sicherheit

Lampen im öffentlichen Raum werden durch Solarmodule mit Strom versorgt, sie reagieren auf Passanten – und das Projektteam ist mit den Anwohnern im Dialog: Regensburg testet smarte Beleuchtung. Wie das funktioniert, erläutert Anne Häner für das städtische Gründerzentrum TechBase Regensburg.

Regensburg setzt Tradition mit Licht in Szene – zugleich ist die Stadt in der Oberpfalz (Bayern) mit KI-gesteuerter Beleuchtung auf dem Weg in die Zukunft. Foto: Adobe Stock/Thomas

Mit dem Projekt „Smart Dynamic Public Lighting“ (SDP) testet die Stadt Regensburg gemeinsam mit der Firma sdp GmbH und dem Cluster Mobility & Logistics eine innovative Form der Stadtbeleuchtung im Dörnberg-Viertel. Das Konzept setzt auf eine KI-gesteuerte dynamische Lichtverteilung, die sich gezielt an den tatsächlichen Bedarf anpasst und nur dort für Helligkeit sorgt, wo sie benötigt wird. Im Fokus stehen Energieeffizienz, Umweltfreundlichkeit und Sicherheit im öffentlichen Raum.

Die KI-gesteuerten Lampen erkennen Fußgänger und Radfahrer mittels optischer Sensoren in Echtzeit und beleuchten den benötigten Wegabschnitt gezielt. Entfernt sich die Person, wird das Licht automatisch wieder abgesenkt.

Dadurch entsteht eine Art „Lichtteppich“, der die Passantinnen und Passanten begleitet. Das System berücksichtigt zudem Umweltaspekte, indem es Lichtverschmutzung reduziert und nachtaktive Tiere schont.

Was die KI können muss

Regensburg geht mit diesem Projekt einen wichtigen Schritt in Richtung klimafreundlicher und lebenswerter Stadt. Für Bürgerinnen und Bürger bedeutet das: mehr Sicherheit im öffentlichen Raum durch gezielte Beleuchtung – ohne dauerhaft unnötig Energie zu verbrauchen. Gleichzeitig profitieren Anwohner durch die Vermeidung übermäßiger Dauerbeleuchtung, etwa vor Schlafzimmerfenstern.

Im Gespräch mit den Anwohnern

Eine zentrale Herausforderung besteht in der präzisen Erkennung und Klassifizierung von Objekten – zum Beispiel, ob es sich um eine Person, ein Tier oder ein Fahrzeug handelt. Hierbei hilft eine Kombination aus optischen Sensoren und KI-gestützter Datenverarbeitung.

Auch Datenschutz und Akzeptanz in der Bevölkerung spielen eine Rolle. Deshalb wird das Projekt von Beginn an transparent kommuniziert und im Testgebiet gemeinsam mit Anwohnerinnen und Anwohnern evaluiert.

Dieser Dialog führte bereits zu direkten Verbesserungen: So wurde die ursprünglich als zu kaltweiß empfundene Lichtfarbe in einen wärmeren, gelblichen Ton geändert. Auf Hinweise, dass die Solarmodule tagsüber Anwohner blenden, reagierte das Projektteam umgehend mit der Installation spezieller Antiblendfolien auf den Modulen.

Strom liefert ein Solarmodul

Das SDP-System funktioniert autark: Jede Leuchte ist mit einem Solarmodul und einem Akkupaket ausgestattet – das ermöglicht den netzunabhängigen Betrieb. Damit wird nicht nur Strom aus regenerativen Quellen genutzt, sondern auch die Infrastruktur entlastet. Die minimalistische Grundbeleuchtung sorgt in ruhigen Phasen für eine reduzierte Lichtintensität. Erst bei Bewegungserkennung wird die Helligkeit angepasst.

Die Kombination aus KI-gesteuerter Lichtverteilung, smarter Sensorik und Energieautarkie macht das System zu einem Leuchtturmprojekt. Es demonstriert, wie moderne Technologie und nachhaltige Stadtentwicklung Hand in Hand gehen können.

Teil des Smart-City-Programms

SDP ist Teil des R_Lab Mobilität – einem Reallabor für smarte Mobilitätslösungen im Rahmen des bundesweiten Förderprogramms „Modellprojekte Smart Cities“.

Die Förderung durch das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen ermöglicht es der Stadt im Rahmen des Smart-City-Programms „REGENSBURG_NEXT“, innovative Lösungen unter realen Bedingungen zu erproben. Weitere Förderungen werden perspektivisch geprüft, insbesondere im Hinblick auf eine mögliche Skalierung.

Bedarfsgerechte Steuerung

Die technische Umsetzung des Projekts übernimmt die sdp GmbH, während das Cluster Mobility & Logistics mit Sitz in der TechBase Regensburg – einem Tochterunternehmen der Stadt – die Projektkoordination verantwortet. Weitere Kooperationspartner sind das Gartenamt und das Tiefbauamt der Stadt Regensburg.

Derzeit läuft die Testphase mit 20 smarten Leuchten entlang der „Radlroute 5“ im Dörnberg-Viertel. Parallel erfolgen eine kontinuierliche Auswertung technischer Daten sowie Feedback aus der Bevölkerung. Dabei zeigt sich deutlich der Effekt der bedarfsgerechten Steuerung: Im Zeitraum zwischen 23 und fünf Uhr werden die Leuchten nur äußerst selten aktiviert, was den geringen Bedarf in den Nachtstunden und das Einsparpotenzial belegt.

Positives Zwischenfazit

Perspektivisch ist eine Ausweitung auf weitere Stadtteile denkbar. Künftig könnten zusätzliche Funktionen wie Alarmknöpfe oder Informationsdisplays integriert werden.

Ein zentraler Lernaspekt des Projekts: Der Schlüssel liegt in der intelligenten Kombination aus Technologie, Transparenz und Bürgerbeteiligung. Kommunen, die ihre Straßenbeleuchtung modernisieren möchten, sollten nicht nur die technische Machbarkeit, sondern auch Aspekte wie Umweltverträglichkeit und soziale Akzeptanz berücksichtigen.

Zudem empfiehlt sich die Einbindung regionaler Innovationsnetzwerke – wie das Cluster Mobility & Logistics in Regensburg – für Know-how und Projektkoordination.

Anne Häner


Die Autorin

Anne Häner ist Projektmanagerin bei der TechBase Regensburg GmbH, Cluster Mobility & Logistics.


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