Wie weit ist der Glasfaserausbau bis jetzt gekommen? ANGA-Geschäftsführer Phillipp Müller ordnet die aktuellen Zahlen und die Rolle der Kommunen ein: „Sie können den entscheidenden Unterschied machen.“ Sein Appell: Die Kommunen sollten den Datenströmen der Zukunft den Weg bahnen.

Es bewegt sich etwas in Deutschland: Mit dem neuen Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS) ist die Digitalisierung erstmals Chefsache. Mehr noch: Der Glasfaserausbau wurde rechtzeitig vor der Sommerpause zum „überragenden öffentlichen Interesse“ erklärt – ein sehr wichtiges politisches Signal. Es unterstreicht, was längst offensichtlich ist: Eine schnelle und zuverlässige digitale Infrastruktur ist kein Luxusgut, sondern Grundversorgung, Standortfaktor und Zukunftsgarantie.
Auf dem Weg dorthin übernehmen viele Unternehmen Verantwortung – mit Erfolg. Der aktuelle Bericht des Digitalministeriums zum Stand des Glasfaserausbaus in Deutschland zeigt: Bis Mitte 2024 hat sich die gigabitfähige FTTB/FTTH-Versorgung (Glasfaser bis ins Gebäude) innerhalb von zwei Jahren nahezu verdoppelt – auf knapp 36 Prozent der Haushalte. Rund 90 Prozent haben die Unternehmen eigenwirtschaftlich gebaut, also ohne staatliche Förderung.
Die Rolle der Kommunen beim Glasfaserausbau
Der Markt funktioniert – wenn man keine Hürden aufstellt. Die Netzausbauer investieren jedes Jahr Milliarden in Netze. Die Wettbewerber der Telekom haben laut Bundesnetzagentur im vergangenen Jahr 2024 rund zehn Milliarden Euro eingesetzt – mehr als doppelt so viel wie das nach wie vor marktmächtige Unternehmen aus Bonn.
Dieser Fortschritt braucht Verbündete vor Ort. Denn für viele Bürgerinnen und Bürger ist die Kommune der wichtigste Kontakt. Hier entscheidet sich, ob Erfolg auch tatsächlich ankommt. Ob Genehmigungen zügig erteilt werden, Baustellen koordiniert verlaufen, Kommunikation transparent ist. Bürgermeisterinnen, Ratsmitglieder, Verwaltungsfachleute: Sie sind die Wegbereiter des digitalen Deutschland in Zusammenarbeit mit den ausbauenden Unternehmen.
Kommunen können den entscheidenden Unterschied machen: durch Offenheit für Kooperation, durch klaren Kurs bei Genehmigungen, durch Dialog mit Anbietern sowie Bürgerinnen und Bürgern. Wer auf Zusammenarbeit setzt, kann die Glasfaser schneller bis zum Kunden bringen – ohne Umwege, ohne Verzögerung.
Die Datenmengen wachsen rasant. Eine Studie von Goldmedia im Auftrag der ANGA prognostiziert: Bis 2030 wird sich der Datenverkehr pro Festnetzanschluss mehr als verdoppeln – im Szenario mit Anwendungen wie Cloud Gaming, Virtual Reality oder KI sogar fast vervierfachen. Denn sie sind datenhungrig. Sie brauchen Netze mit Gigabitgeschwindigkeit.
Rasant wachsende Datenmengen
Ohne diese Grundlage droht Deutschland, den digitalen Anschluss zu verlieren. Ohne sie werden wir hierzulande auch bei KI nicht die Nase vorne haben und nicht international wettbewerbsfähig bleiben.
Es gibt Regionen, in denen sich privatwirtschaftlicher Ausbau nicht rechnet. Dort ist Förderung richtig – gezielt und effizient. Aber: Die staatlichen Mittel gehören dorthin, wo der Markt es nicht stemmen kann, nicht dorthin, wo er längst funktioniert. Der Anspruch muss sein: Förderung mit Verstand, nicht mit der Gießkanne. Denn jeder Euro zählt – für Randlagen, letzte Kilometer und faire Chancen auf Teilhabe.
Gemeinsam für Highspeed-Netze
Ein fairer Wettbewerb ist die beste Triebfeder für Innovation, Qualität, Kundennähe und -zufriedenheit. Deshalb engagieren sich die Verbände ANGA und VATM gemeinsam in der neuen „Fair Fiber Alliance“ für klare Regeln und partnerschaftliche Prozesse beim Glasfaserausbau. Sie stehen für 320 Mitgliedsunternehmen, die nicht im Gegeneinander, sondern im Schulterschluss mit allen Beteiligten die Highspeed-Infrastruktur voranbringen wollen.
Worauf es dem Verband ankommt
Denn: Der Glasfaserausbau ist ein Gemeinschaftsprojekt mit Gewinn für alle. Von entscheidender Bedeutung ist dabei, dass der – auch von der EU geforderte – Wechsel von den alten DSL-Kupfernetzen auf die zukunftssichere Gigabit-Infrastruktur fair und wettbewerbsgerecht gestaltet wird. Er muss so umgesetzt werden, dass der Wettbewerb und damit die Wahlfreiheit der Bürgerinnen und Bürger bei Anbietern und Produkten weiter gefördert wird. Hier sind Politik und Regulierer gefordert. Sicher ist: Kein Verbraucher wird plötzlich ohne Internet dastehen, es wird Anschlusssicherheit geben.
Appell für gemeinsames Engagement
Die digitale Transformation ist kein Projekt für die Schublade – sie ist ein historischer Schritt. Technik, Kapital und Wille sind vorhanden. Die rechtlichen Grundlagen sind verbessert. Jetzt zählt das Miteinander. Wenn Kommunen und Netzbetreiber an einem Strang ziehen, kann der Ausbau gelingen – flächendeckend, fair und zukunftssicher.
Wer Gigabit-Netze realisiert, baut an der Zukunft seiner Gemeinde – und schafft die Grundlage für wirtschaftlichen Erfolg, Bildungszugang und digitalen Alltag. Lassen Sie uns das gemeinsam bewerkstelligen. Für schnelles Internet. Für starke Regionen. Für ein digitales Deutschland.
Philipp Müller
Zum Weiterlesen
- Der Ergebnisbericht „Schnelles Internet in Deutschland“ fragt nach den Erwartungen der Nutzerinnen und Nutzer.
- „Glasfaserausbau auf dem Prüfstand“: Die „ANGA-Marktstudie 2030“ befasst sich mit den Anforderungen, die an die Netze gestellt werden, und damit, ob das Ausbauziel 2030 erreicht wird.
- Das Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung hat am 7. Juli den „Bericht zum Stand des Glasfaserausbaus in Deutschland“ veröffentlicht.
- Die Bundesnetzagentur schlüsselt in ihrem „Jahresbericht Telekommunikation“ den Stand für 2024 auf.



