Geothermie im Bestand: Leitfaden erleichtert Planung in städtischen Quartieren

Ein neuer Praxisleitfaden unterstützt Kommunen, Stadtwerke und Planende dabei, die Umstellung bestehender Quartiere auf oberflächennahe Geothermie fundiert zu prüfen und umzusetzen. Er bündelt Erkenntnisse aus dem Projekt UrbanGroundHeat, zeigt zentrale Planungsschritte auf und bietet Orientierung von der Machbarkeitsprüfung bis zur Realisierung.

Geothermie im Bestand
Der Leitfaden fokussiert den Einsatz platzsparender Erdwärmesonden und unterstützt bei der Planung geothermischer Lösungen in bestehenden Stadtquartieren. Foto: Adobe Stock/Florian

Ein Praxisleitfaden erleichtert es künftig, die Umstellung der Wärmeversorgung bestehender Stadtquartiere auf Geothermie zu bewerten und zu planen. Er ist im Rahmen des Projekts UrbanGroundHeat entstanden.

Der Leitfaden führt Planende schrittweise durch den Prozess. Die vom Fraunhofer-Institut für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik (IEE) herausgegebene Broschüre ist das Ergebnis eines Projekts, das der Frage nachging, wie sich geothermische Wärmeversorgungskonzepte in ausgewählten Bestandsquartieren realisieren lassen.

Beteiligt waren unter anderem Stadtwerke und Energieversorger, die im Projekt konkrete Bauvorhaben vorbereitet haben. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse zu relevanten Planungsschritten und Anforderungen stehen nun allen Interessierten frei zur Verfügung. Dies berichtet das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie in einer Mitteilung.

Leitfaden schafft Entscheidungsgrundlage für Kommunen, Stadtwerke und Planende

„Mit dem Leitfaden übertragen wir die im Projekt entwickelten modellbasierten Analysen und Vorplanungen in eine systematische Entscheidungsgrundlage für die Praxis“, so Dr. Dietrich Schmidt, Projektleiter am Fraunhofer IEE. „Ziel ist es, Kommunen, Stadtwerken, Planenden und weiteren Akteuren eine fundierte Entscheidungsgrundlage zu bieten und die Umsetzung konkreter Projekte zu beschleunigen.“

Der Leitfaden richtet sich auch an Einsteigerinnen und Einsteiger ohne Vorkenntnisse in der oberflächennahen Geothermie. Er wurde vom Fraunhofer IEE sowie von GASAG Solution Plus und der Stiftung Umweltenergierecht erarbeitet. In der Broschüre erläutern die Autorinnen und Autoren zentrale Begriffe, vermitteln grundlegendes Wissen und stellen Vor- und Nachteile verschiedener Versorgungsoptionen sowie bestehende Herausforderungen dar.

Aufgrund begrenzter Flächen in innerstädtischen Lagen liegt der Fokus auf dem platzsparenden Einsatz von Erdwärmesonden. Die Veröffentlichung ergänzt bestehende Leitfäden der Länder, die sich mit dem Einsatz von Geothermie beziehungsweise Erdwärmesonden auf Ebene einzelner Gebäude befassen.

Schritt für Schritt zur geothermischen Quartierslösung

Am Anfang steht eine Machbarkeitsprüfung: Ist oberflächennahe Geothermie am jeweiligen Standort grundsätzlich realisierbar? Dabei spielen unter anderem verfügbare Freiflächen, mögliche Wasserschutzgebiete sowie die Angaben des kommunalen Wärmeplans eine Rolle.

Ein Ampelsystem unterstützt dabei, schnell eine fundierte Einschätzung zu treffen. Anschließend führt der Leitfaden Schritt für Schritt durch die einzelnen Projektphasen – von den Grundlagen der Geothermie in Bestandsgebäuden über die Ermittlung des Bedarfs und die Bewertung des Umsetzungspotenzials bis hin zur Vorbereitung der konkreten Realisierung.

Der Leitfaden bietet einen Überblick über alle wesentlichen rechtlichen Rahmenbedingungen und enthält zudem praxisnahe Hinweise: So können etwa zivilrechtliche Verträge Regelungen zur Nutzung fremder Grundstücke für Erdwärmesonden oder Wärmenetze festlegen. Darüber hinaus beleuchtet die Broschüre die relevante Akteurslandschaft und zeigt auf, welche Beteiligten in den Prozess einzubinden sind.

Dazu zählen neben den Initiatoren – beispielsweise Eigentümer oder Kommunen – auch die für die Grundlagenermittlung zuständigen Stellen wie Planungsbüros, die Entscheidungsverantwortlichen etwa in Genehmigungsbehörden oder bei Fördermittelgebern, die am Bau beteiligten Unternehmen wie Bohrfirmen sowie schließlich die Betreiber der Anlagen.

Zudem verweist der Leitfaden auf technische Vorgaben, weiterführende Informationsquellen sowie länderspezifische Planungsgrundlagen. Damit steht Interessierten das notwendige Wissen gebündelt zur Verfügung, um vorhandene Potenziale der oberflächennahen Geothermie zu prüfen und zu erschließen.

Red.


Zum Leitfaden

Der Leitfaden steht hier zum Download bereit.


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