Weniger Stromverbrauch und weniger CO2-Emissionen durch Digitalisierung: Hagen bricht als Modellstadt Richtung Smart City auf. Nach der ersten Projektphase der „Klimakommune.digital“ geht es jetzt um Unterstützung für KMU mit energieintensiven Produktionsprozessen. Andere Kommunen können daran anschließen.

Mit Unterstützung einer Energiemanagement-Software oder eines Smartmeter ist es leicht
möglich, Energiedaten digital zu erfassen und zu analysieren. Die entscheidende Frage lautet: Wie werden auf Basis dieser Daten konkrete Entscheidungen getroffen und tatsächliche Energieeinsparungen erreicht?
Dieser Herausforderung widmet sich das Kompetenzzentrum für Energieeffizienz durch Digitalisierung (KEDi) der dena – Deutsche Energie-Agentur im Anschluss an das Modellprojekt „Klimakommune.digital Hagen“.
Daten für die kommunale Klimapolitik
Mit diesem Modellprojekt führte das Future Energy Lab der dena im Auftrag und mit Förderung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWE) von 2021 bis 2025 ein umfassendes Modellprojekt durch, das die Rolle von Daten in der kommunalen Klimapolitik neu definiert. Seit Abschluss der ersten Projektphase 2025 wird die Zusammenarbeit vom KEDi unterstützt.
Die beteiligten kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) aus der Industrie unterscheiden sich deutlich darin, wie sie Energie- und Produktionsdaten bereits nutzen. Gemeinsam ist ihnen ihre energieintensive Produktion, bei der die Energiekosten einen wesentlichen Wettbewerbsfaktor darstellen.
Wie KMU eingebunden sind
Im Modellprojekt „Klimakommune.digital“ wurden Dashboards entwickelt, die Lastspitzen, Leerlaufzeiten und Unterschiede zwischen Anlagen sichtbar machen. So ermöglichen sie langfristig die Verknüpfung von Energie- und Produktionsdaten.
Konrad Gillmeister, einer der beiden Teamleiter Industrie im KEDi, kennt die Herausforderungen. „Wir sehen in unserer Arbeit immer wieder: Vielen kleinen und mittelständischen Unternehmen ist bewusst, dass die Digitalisierung von Produktionsabläufen wichtig ist. Sie würden gern die Potenziale für mehr Energieeffizienz im Haus heben. Die meisten KMU stehen jedoch vor der Herausforderung, die konkret dafür notwendigen Schritte anzugehen – sei es aufgrund fehlender Kapazitäten oder fehlender technischer Erfahrung.“
Eines der Unternehmen im Projekt „Klimakommune.digital“ ist die Härtetechnik Hagen. Der mittelständische Familienbetrieb in zweiter Generation ist Spezialist für die Wärmebehandlung von Bauteilen aus Stahl, Aluminium und Guss. „Das KEDi hat uns sehr dabei geholfen, Licht ins Dunkel zu bringen und den Fokus auf die Daten zu legen, die entscheidend sind“, sagt Projektleiter Marc Escher.
Genauer Blick auf den Energieverbrauch
Der Projektpartner ENERVIE Service stellte dem Unternehmen die nötige Messtechnik zur Verfügung und sicherte die Datenübertragung sowie Anbindung an die Energiemanagementplattform. Die Messwerte werden im Minutentakt erfasst und alle 15 Minuten übertragen. So entsteht ein kontinuierliches Bild der Energieflüsse und eine belastbare Grundlage für Analysen.
Erste Auswertungen zeigen bereits den Nutzen der Daten: Eine Produktionsanlage mit unerwartet hohem Stromverbrauch wurde identifiziert und vorerst aus dem Betrieb genommen. Das Einsparpotenzial wird auf 60 MWh pro Jahr geschätzt. Zudem konnte der Stromverbrauch eines Luftdruck-Kompressors um 25 Prozent gesenkt werden. Perspektivisch plant das Unternehmen außerdem, die Abwärme dieses Kompressors für die eigene Produktionswaschanlage zu nutzen.
Zwei weitere Unternehmen, Federnwerke Grueber sowie RUD-Schöttler, stehen aktuell im Austausch mit dem KEDi für eine Zusammenarbeit. Die Voraussetzungen sind dabei sehr unterschiedlich: Während der eine Betrieb Energiedaten bereits intensiv für konkrete Prozessoptimierungen verwendet, arbeitet der andere noch an der Datenverknüpfung als Grundlage für Entscheidungen.
Christian Lazar, Chief Digital Officer (CDO) der Stadt Hagen, betont die Bedeutung der Vernetzung unterschiedlicher Akteurinnen und Akteure für die Gestaltung einer gemeinsamen Zukunft: „Gerade im Industriesektor liegen große Potenziale, digitale Lösungen für mehr Energieeffizienz, eine bessere Datengrundlage für das kommunale Klimamanagement und die Reduzierung von CO₂-Emissionen zu nutzen. Das gemeinsame Engagement zeigt, wie wir durch die enge Zusammenarbeit von Kommune und Wirtschaft die digitale und nachhaltige Transformation unserer Stadt erfolgreich voranbringen können.“
Voraussetzungen für mehr Effizienz
Digitale Datenerfassung allein führt nicht automatisch zu Energieeinsparungen. Daten bilden die Grundlage für folgende drei Schritte auf dem Weg zur Energieeffizienz: Interpretation sowie Analyse der Energiedaten, Ableitung von Handlungsoptionen inklusive Entscheidung, Integration und Umsetzung betrieblicher Maßnahmen.
Unterstützung bei der Umsetzung
Das KEDi unterstützt KMU mit Fachwissen, Praxisbeispielen und Vernetzung dabei, digitale Lösungen zur Steigerung der Energieeffizienz sinnvoll einzusetzen. Praxisnahe Wissensvermittlung und Networking sind wichtige Hebel. „Wir schaffen Orientierung, vernetzen Akteure und vermitteln Wissen in die Praxis. Mit der klimakommune.digital gehen wir einen Schritt weiter und begleiten Unternehmen bei der konkreten Umsetzung datenbasierter Lösungen zur Steigerung der Energieeffizienz.“, führt KEDi-Teamleiter Konrad Gillmeister aus.
Viele Lösungsansätze sind übertragbar
Hohe Energiekosten, unsichere Rahmenbedingungen und die fortschreitende Digitalisierung erhöhen den Handlungsdruck in der Industrie. Gleichzeitig fehlen im Tagesgeschäft häufig Zeit und personelle Ressourcen, um Potenziale systematisch zu erschließen. Umso wichtiger sind Austausch und Kooperation. Denn die grundlegenden Herausforderungen ähneln sich, und viele Lösungsansätze sind übertragbar.
Weitere Ansätze für mehr Effizienz
Bei einem Besuch von KEDi-Vertretern in Hagen wurden individuelle Handlungsoptionen für weitere Energieeffizienzmaßnahmen als Grundstein für die Fortsetzung der Zusammenarbeit identifiziert.
Samira Sonnack, Berit Petzsch
Die Autorinnen
Samira Sonnack ist Expertin Industrie im Kompetenzzentrum Energieeffizienz durch Digitalisierung (KEDi). Berit Petzsch ist Expertin Fachkommunikation Industrie bei der Deutschen Energie-Agentur (dena).
Modellprojekt Hagen
Mit dem Projekt „Klimakommune.digital“ hat die dena die digitale Erhebung von Daten zur Ermittlung der CO2-Emmissionen in Kommunen zum zentralen Betrachtungsgegenstand gemacht. Am Beispiel der Ruhrgebietsstadt Hagen werden mit Hilfe geeigneter digitaler Technologien Lösungen erprobt, die zu einer signifikanten Verbesserung der Erhebung und Bereitstellung kommunaler CO2-Daten führen sollen.
Die Stadt Hagen wurde als Modellprojekt ausgewählt, um aufzuzeigen, wie digitale Technologien zum kommunalen Klimaschutz und zur urbanen Energiewende beitragen können. Dafür wird die gesamte Kommune schrittweise zu einer Smart City umgestaltet. Die Erkenntnisse des Modellprojekts sollen anderen Kommunen als Vorbild dienen, damit auch sie einen Beitrag zum Klimaschutz leisten können.
Das Projekt „Klimakommune.digital“ lief von 2021 bis 2025. Der Schwerpunkt des Nachfolgeprojekts liegt aktuell bei Industriebetrieben in Hagen.




