Digitale Behördenservices: Wie weit sind die Kommunen?

Die Digitalisierung der Behörden macht Fortschritte: Viele Leistungen sind inzwischen online verfügbar, doch zahlreiche Angebote fehlen weiterhin. Eine Analyse des Digitalverbands Bitkom zeigt, welche Services bereits digital genutzt werden können, wo Nachholbedarf besteht – und was sich die Bürgerinnen und Bürger von ihrer Kommune wünschen.

Digitalisierung in Kommunen
Digitale Verwaltung im Wandel: Noch sind nicht alle Leistungen online verfügbar, doch die Nachfrage nach digitalen Services steigt. Foto: Adobe Stock/Pakin

Von insgesamt 579 Verwaltungsleistungen werden in Deutschland 349 digital angeboten – teilweise bundesweit, teilweise lediglich in einzelnen Kommunen. In mehr als der Hälfte der deutschen Städte und Gemeinden sind 199 dieser Leistungen umgesetzt. Flächendeckend verfügbar sind 165 Angebote. Hingegen stehen 230 Leistungen, die unter das Online-Zugangsgesetz fallen, bislang nicht digital zur Verfügung. Diese Zahlen gehen aus einer Analyse des Digitalverbands Bitkom hervor.

Bei den besonders häufig nachgefragten Behördenvorgängen, den sogenannten Fokusleistungen wie Elterngeld oder Eheschließung, ist die Situation etwas besser: Alle 13 Leistungen sind in mindestens 10 Prozent der Kommunen digital verfügbar, zwei davon – Bürgergeld und Einbürgerung – sogar flächendeckend. Dies berichtet der Verband in einer Mitteilung.

Die Digitalisierung der Kommunen schreitet voran

In einer repräsentativen Umfrage unter 1005 Personen ab 18 Jahren im Auftrag des Digitalverbands Bitkom bescheinigen 50 Prozent der Befragten ihrer Stadt oder Gemeinde einen fortgeschrittenen Stand der Digitalisierung. 70 Prozent halten ihre Verwaltung im Umgang mit der Digitalisierung für kompetent. Zugleich wünschen sich 90 Prozent, dass die Digitalisierung noch stärker vorangetrieben wird. Bei den 18- bis 29-Jährigen liegt dieser Anteil bei 95 Prozent, bei den über 65-Jährigen bei 85 Prozent.

 „Wir kommen bei der Digitalisierung in Städten und Gemeinden voran, aber die Menschen wünschen sich mehr Tempo“, so Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst. „Wir könnten viel schneller sein, wenn wir nicht überall das digitale Rad neu erfinden würden, sondern funktionierende Lösungen rasch in die Fläche brächten.“

Diese drei Anliegen möchten die Bürger lieber vor Ort erledigen

Bereits heute bevorzugen Bürgerinnen und Bürger bei 11 von 14 gängigen Verwaltungsleistungen – etwa bei der Ausweisverlängerung, An- und Abmeldung oder Führerscheinbeantragung – den digitalen Weg gegenüber dem Behördengang vor Ort.

Nur bei drei Leistungen wird das persönliche Erscheinen vorgezogen. Besonders bei der Eheschließung legen die meisten Wert auf eine Zeremonie im Standesamt oder an einem anderen Ort: 67 Prozent entscheiden sich hierfür für den Gang aufs Amt, während 25 Prozent eine Online-Heirat bevorzugen würden.

Bei der Scheidung ist die Präferenz für das persönliche Erscheinen weniger ausgeprägt, aber weiterhin vorhanden: 52 Prozent möchten diesen Schritt vor Ort erledigen, 29 Prozent würden eine Online-Scheidung wählen. Auch bei der Anzeigenerstattung bevorzugen 55 Prozent den direkten Kontakt mit der Polizei, während 43 Prozent die Internet-Wache nutzen würden.

Zugleich hat nur eine Minderheit von 13 Prozent der Bürgerinnen und Bürger jemals eine Verwaltungsleistung digital beantragt. Am häufigsten findet der digitale Kontakt mit Behörden über die Online-Terminvereinbarung für einen persönlichen Besuch statt. 54 Prozent der Befragten haben bereits per E-Mail mit einer Behörde kommuniziert, 36 Prozent nutzten ein Kontaktformular auf der Website. Virtuelle Sprechstunden per Videocall wurden von 7 Prozent wahrgenommen, ebenso viele haben einen Chatbot auf der Website genutzt. Rund 24 Prozent hatten bisher noch keinerlei digitalen Kontakt zu einer Behörde.

Red.

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