Branchenbild 2025: Die Deutsche Wasserwirtschaft bleibt leistungsfähig – aber steht vor großen Zukunftsaufgaben

Das „Branchenbild der deutschen Wasserwirtschaft 2025“ bestätigt die hohe Leistungsfähigkeit der öffentlichen Trinkwasserversorgung und Abwasserentsorgung in Deutschland – und verdeutlicht zugleich den wachsenden Handlungsdruck.

Branchenbild der deutschen Wasserwirtschaft 2025
Die Wasserwirtschaft im Stresstest: Das „Branchenbild der deutschen Wasserwirtschaft 2025“ zeigt Stärken, Risiken und Handlungsbedarf. Foto: Adobe Stock/peopleimages.com

Wie leistungsfähig ist die öffentliche Wasserversorgung und Abwasserentsorgung in Deutschland, worin bestehen die zentralen Herausforderungen und welche Entwicklungen wird es geben? Zu all diesen Fragestellungen gibt das „Branchenbild der deutschen Wasserwirtschaft 2025“ Aufschluss, das bereits Mitte Januar an den Staatssekretär im Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz übergeben wurde.

Die Veröffentlichung, an deren Erstellung der Deutsche Städte- und Gemeindebund aktiv mitgewirkt hat, veranschaulicht, wo Klimaanpassung, Investitionen und der Schutz der Trinkwasserressourcen in Zukunft besonders gefragt sein werden. Dies berichtet der Deutsche Städte- und Gemeindebund in einer Mitteilung.

Hohes Niveau bei Trinkwasserversorgung und Abwasserentsorgung

Der aktuelle Bericht unterstreicht erneut die sehr hohe Leistungsfähigkeit der öffentlichen Trinkwasserversorgung und Abwasserentsorgung in Deutschland. Die Wasserversorgung ist flächendeckend gewährleistet, die Trinkwasserqualität erfüllt durchgängig hohe gesetzliche und technische Anforderungen und steht der Bevölkerung jederzeit verlässlich zur Verfügung. Auch die Abwasserentsorgung ist bundesweit auf einem hohen technischen Niveau organisiert.

Der Pro-Kopf-Verbrauch von Trinkwasser bewegt sich seit Jahren auf einem vergleichsweise moderaten Niveau. Dies lässt auf einen bewussteren Umgang mit Wasser und Effizienzgewinne schließen. Im internationalen Vergleich verfügt Deutschland zudem über eine besonders sichere, qualitativ hochwertige und effiziente Wasserwirtschaft. Diese Leistungsfähigkeit beruht auf langfristiger kommunaler Verantwortung, etablierten technischen Standards und kontinuierlichen Investitionen.

Die Herausforderungen der Wasserwirtschaft

Dennoch muss sich die Branche in den kommenden Jahren mehreren zentralen Herausforderungen stellen:

  1. Erhalt und Modernisierung der Infrastruktur: Ein erheblicher Teil der Wasser- und Abwasserinfrastruktur in Deutschland besteht seit mehreren Jahrzehnten. Leitungsnetze, Wasserwerke, Pumpstationen und Kläranlagen müssen fortlaufend instandgehalten, modernisiert oder ersetzt werden. Der damit einhergehende hohe Investitionsbedarf ist für Kommunen und Versorgungsunternehmen eine zentrale Herausforderung.
  2. Anpassung an den Klimawandel: Extremwetterereignisse wie Starkregen, Überschwemmungen, aber auch längere Trockenphasen treten immer häufiger auf. Die Wasserwirtschaft muss ihre Infrastruktur und Betriebsabläufe widerstandsfähig und anpassungsfähig ausrichten. Nur so kann sie die Versorgungssicherheit und Abwasserentsorgung auch unter veränderten klimatischen Rahmenbedingungen sicherstellen.
  3. Sicherung der Trinkwasserqualität und Schutz der Trinkwasserressourcen: Die Gewährleistung einer dauerhaft hohen Trinkwasserqualität bleibt vorrangiges Ziel. Dabei müssen die Wasserressourcen vor Belastungen durch Pflanzenschutzmittel, Arzneimittelrückstände und andere Spurenstoffe geschützt werden. Auch die Auswirkungen menschlicher Eingriffe gilt es, möglichst gering zu halten.
  4. Umsetzung gesetzlicher Vorgaben: Nationale und europäische Regelwerke wie die Kommunalabwasserrichtlinie sind verlässlich umzusetzen. Dies macht insbesondere in kommunal getragenen Unternehmen Anpassungen in Planung, Betrieb und Berichterstattung erforderlich.
  5. Bewältigung von Nutzungskonflikten: Die Nachfrage nach Wasser nimmt in Industrie, Landwirtschaft, Energieerzeugung und privaten Haushalten zu. Angesichts begrenzter Ressourcen ist eine abgestimmte Nutzung erforderlich, um Konflikte zu vermeiden und die Versorgung langfristig zu sichern.
  6. Demografische Entwicklungen und strukturelle Veränderungen: Rückläufige Bevölkerungszahlen in ländlichen Räumen bei gleichzeitig wachsenden Anforderungen in städtischen Zentren wirken sich auf Planung, Netzdichte und Investitionsentscheidungen aus. Die Wasserwirtschaft muss flexibel auf regional unterschiedlich ausgeprägte Bedarfe reagieren.

Insgesamt machen die Daten und Kennzahlen des Branchenbildes 2025 deutlich, dass die deutsche Wasserwirtschaft auf einem sehr hohen Niveau arbeitet, ihre Leistungsfähigkeit langfristig jedoch nur dann gesichert werden kann, wenn Investitionen, rechtliche Rahmenbedingungen und Klimaanpassung auch künftig verlässlich unterstützt werden.

„Branchenbild der deutschen Wasserwirtschaft 2025“ als Fachinstrument

Das Branchenbild dient somit als zentrales Fachinstrument, um die Wasserwirtschaft als Schlüsselbereich der kommunalen Daseinsvorsorge sichtbar zu machen. Weitere Ziele der Veröffentlichung bestehen darin, Herausforderungen sachlich zu benennen und politische Entscheidungsträger für notwendige Rahmenbedingungen – wie etwa für Investitionen oder gesetzliche Anpassungen – zu sensibilisieren.

Der Städte- und Gemeindebund stellte im Rahmen seiner Mitarbeit an der Veröffentlichung sicher, dass die kommunale Praxis und die Anliegen der Städte und Gemeinden im Bericht berücksichtigt und somit einem breiten Fachpublikum zugänglich gemacht werden.

Red.


Über die Veröffentlichung

Das „Branchenbild der deutschen Wasserwirtschaft 2025“ wird in Abstimmung mit dem DStGB und dem DST als gemeinsames Produkt der relevanten wasserwirtschaftlichen Verbände in Deutschland herausgegeben: ATT (Arbeitsgemeinschaft Trinkwassertalsperren e. V.), BDEW (Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e. V.), DBVW (Deutscher Bund verbandlicher Wasserwirtschaft e. V.), DVGW (Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches e. V.), DWA (Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e. V.) und VKU (Verband kommunaler Unternehmen e. V.).


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