„Kommunen spielen eine Schlüsselrolle“: BMK-Präsidentin Anna Stolz über den Digitalpakt Schule 2.0

Fünf Milliarden Euro Fördermittel nicht (nur) für Geräte und digitale Infrastruktur, vielmehr vor allem für Bildungssoftware, Lehrerausbildung oder Strukturen für den professionellen technischen Support. KMK-Präsidentin Anna Stolz erläutert, was der Digitalpakt 2.0 bringen kann – und wo die Kommunen gefragt sind.

Digitalpakt Schule 2.0
In den kommenden fünf Jahren gibt es für Schulen Unterstützung durch den Digitalpakt 2.0: Sie sollen dauerhaft digitale Strukturen entwickeln können. Foto: Adobe Stock/NIKCOA

Länder und Bund haben gemeinsam den Digitalpakt Schule 2.0 vereinbart. Was kann und was soll er leisten?

Anna Stolz: Der Digitalpakt 2.0 steht für einen echten Perspektivwechsel. In vielen Schulen ist digitale Technik heute vorhanden – aber im Schulalltag zeigt sich immer deutlicher: Entscheidend ist nicht mehr, ob Geräte da sind, sondern ob sie zuverlässig funktionieren – jeden Tag, über Jahre hinweg. Es ist der Schritt von der Ausstattung zur Verlässlichkeit. Von der Anschaffung zum Dauerbetrieb. Der Digitalpakt denkt digitale Bildung nicht mehr als Ausstattungsprojekt, sondern als dauerhafte Aufgabe.

Wie zeigt sich der Unterschied?

Stolz: Es geht um verlässliche Netze, funktionierende Endgeräte, IT-Sicherheit, Wartung und Support – um Stabilität und Vertrauen im Unterricht. Digitale Technik ist dabei kein Selbstzweck. Sie soll Unterricht besser machen, Lehrkräfte entlasten sowie Schülerinnen und Schülern faire Lernchancen eröffnen – unabhängig vom Wohnort oder vom kommunalen Haushalt. Der Digitalpakt 2.0 kann genau dafür den verlässlichen Rahmen schaffen.

Der Digitalpakt Schule 2.0 schafft verlässliche Rahmenbedingungen

Wo sind die größten Herausforderungen?

Stolz: Die größten Herausforderungen liegen heute nicht mehr in der Erstanschaffung, sondern im laufenden Betrieb. Wartung, IT-Support, Ersatzbeschaffungen, Cybersicherheit und leistungsfähige Netze binden dauerhaft Ressourcen – personell wie finanziell. Dazu kommt: Technik wirkt nur dann, wenn sie stabil, sicher und pädagogisch eingebettet ist. Gerade mit Blick auf neue Entwicklungen wie Künstliche Intelligenz braucht es Sicherheit, Orientierung und Qualifizierung.

Inwiefern kann der Digitalpakt 2.0 hier den Unterschied machen?

Stolz: Der Digitalpakt 2.0 kann helfen, diese Herausforderungen zu meistern, weil er stärker auf Nachhaltigkeit, Standardisierung und verlässliche Strukturen setzt. Weg von kleinteiliger Projektlogik hin zu verlässlichen Rahmenbedingungen. Zur digitalen Infrastruktur gehören immer auch die Menschen, die sie kompetent nutzen. Verantwortungsvolle digitale Bildung entsteht im Klassenzimmer – und dort muss sie funktionieren.

„Kommunen spielen eine Schlüsselrolle“

Was erhoffen Sie sich von Entscheidern und Akteuren in kommunalen Kontexten?

Stolz: Kommunen spielen eine Schlüsselrolle für das Gelingen digitaler Bildung. Von ihnen erhoffe ich mir vor allem eines: Digitalisierung als langfristige Pflichtaufgabe zu begreifen – nicht als kurzfristiges Förderthema. Jetzt müssen Weichen gestellt werden, die dauerhaft tragen: klare IT-Strategien, eindeutige Zuständigkeiten zwischen Schulträgern, Schulen und Dienstleistern sowie eine sinnvolle Standardisierung bei Geräten, Software und Supportprozessen. Interkommunale Zusammenarbeit kann hier viel bewirken – etwa durch gemeinsame Beschaffung, zentrale Dienste oder regionale Kompetenzzentren.

Worauf sollten Kommunen vor allem Wert legen?

Stolz: Entscheidend ist qualifiziertes Personal. Ohne IT-Fachkräfte, pädagogisch-technische Unterstützung und verlässliche Service-Strukturen bleibt jede digitale Ausstattung hinter den Einsatzmöglichkeiten. Der Digitalpakt 2.0 kann helfen – aber er braucht Kommunen, die ihn aktiv gestalten.

Gibt es Modelle, auf die Sie hier zurückgreifen?

Stolz: Es gibt erfolgreiche Modelle, und sie zeigen vor allem eines: Digitale Bildung funktioniert gut, wenn Betrieb, Support, Fortbildung und Unterrichtsentwicklung zusammengedacht werden. Besonders bewährt haben sich pauschalierte Fördermodelle, die nicht nur einzelne Geräte finanzieren, sondern den gesamten Lebenszyklus digitaler Infrastruktur abdecken. In Bayern sorgen wir für diese Verlässlichkeit.

Eine „langfristige Gestaltungsaufgabe“ für Bund, Länder und Kommunen

Wie gehen Sie in Bayern vor?

Stolz: Mit dem neuen Vier-Säulen-Zuschuss zur schulischen IT-Infrastruktur unterstützen wir die Schulaufwandsträger dauerhaft bei den zentralen Aufgaben der digitalen Ausstattung – von der Gebäude- und Netzwerkinfrastruktur über mobile Endgeräte für Schülerinnen und Schüler und Lehrkräfte sowie digitale Bildungsmedien einschließlich künstliche Intelligenz bis hin zu Wartung und Pflege. Dafür stellt der Freistaat zusätzlich zu den Bundesmitteln erhebliche Landesmittel bereit. Damit haben Kommunen und Schulträger die Sicherheit, dass sie ihre Schulen nicht nur ausstatten, sondern die Technik auch langfristig betreiben und aktuell halten können.

Ebenso erfolgreich sind Modelle mit zentralen IT-Dienstleistern, standardisierten Geräte- und Softwarekonzepten sowie regionalen Unterstützungsstrukturen. Sie entlasten Schulen spürbar und sorgen dafür, dass digitale Technik verlässlich läuft. Diese Beispiele zeigen: Nachhaltige digitale Bildung entsteht dort, wo klare Standards, langfristige Finanzierung und pädagogische Qualität zusammenkommen – und wo Kommunen als verlässliche Partner der Schulen auftreten.

Wo liegt für Sie der Schwerpunkt in dem, was jetzt für die Schulen beschlossen wurde?

Stolz: Der Digitalpakt 2.0 kann seine Wirkung nur entfalten, wenn Bund, Länder und Kommunen ihn gemeinsam als langfristige Gestaltungsaufgabe begreifen. Mittel allein reichen nicht aus. Entscheidend sind Verlässlichkeit, Kooperation und eine gemeinsame Haltung. Am Ende entscheidet sich digitale Bildung nicht in Programmtiteln, sondern im Schulalltag. Dort, wo Netze stabil laufen, Geräte einsatzbereit sind und Lehrkräfte digitale Werkzeuge souverän nutzen können, entsteht gute Bildung. Gelingt das, wird aus Technik Vertrauen – und aus Infrastruktur ein selbstverständlicher Teil guten Unterrichts.

Interview: Sabine Schmidt


Zur Person

Anna Stolz (Freie Wähler) ist Bayerische Staatsministerin für Unterricht und Kultus sowie Präsidentin der Bildungsministerkonferenz (BMK) in der Kultusministerkonferenz (KMK).


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