Vielseitige Impulse durch Bildung: Frankfurt am Mains neuer Bildungscampus Gallus als Zukunftsmodell

Von der Krippe bis zur gymnasialen Oberstufe – und sehr viel mehr: Der Bildungscampus Gallus in Frankfurt am Main soll vielfältig nutzbaren Raum bieten. Wie man ein solches Projekt stemmt und wie der ganze Stadtteil vom Bau profitiert, schlüsselt Stadträtin Sylvia Weber auf.

Bildungscampus Gallus
Ein Blick in die Zukunft: Der Bildungscampus Gallus soll nicht nur Schulraum für Kinder und Jugendliche bieten – auch Sport- und Kreativräume sowie die Volkshochschule sollen Platz finden. Visualisierung: Hascher Jehle Architektur

Im Frankfurter Stadtteil Gallus entsteht etwas, das nicht nur den Schulalltag vieler junger Menschen verändern könnte, sondern auch das gesamte Ortsbild: ein großer Bildungscampus, der den gesamten Bildungsweg von Krippe und Kita über weiterführende Schulen bis hin zur gymnasialen Oberstufe abdeckt.

Ergänzt wird das Angebot durch eine Stadtteilbibliothek, ein Kinderhaus, ein Jugendhaus, mehrere Kinderzentren, Sport- und Kreativräume sowie eine Mensa und eine Aula. Zudem werden Dritte diesen Ort nutzen, etwa die Musikschule Frankfurt, die Volkshochschule Frankfurt, Sportvereine und das Mehrgenerationenhaus. Damit wird eine Bildungslandschaft geschaffen, die nicht nur Schülerinnen und Schülern dient, sondern dem gesamten Stadtteil offensteht.

Der Bildungscampus Gallus und die Quartiersentwicklung

Dieses Vorhaben ist ein entscheidender Baustein für die Weiterentwicklung des Gallus. Rund 42.000 Menschen sind hier zu Hause, die Zahl wächst stetig. Gerade der Wohnanteil nimmt zu – daher ist es unerlässlich, Bildungsräume weiterzuentwickeln. Dem künftigen Bildungscampus kommt zudem eine weitere wichtige Aufgabe zu. Er wird das Bindeglied zwischen zwei sehr unterschiedlichen Quartieren des Stadtteils sein: zwischen dem alteingesessenen Quartier im Gallus und dem neuen Europaviertel.

Die beiden Teile des Gallus weisen große Unterschiede in Einkommensstruktur sowie in Nutzungs- und Baustruktur auf. Der Bildungscampus, der räumlich dazwischen liegt, soll dabei helfen, diese beiden Teile zu einem verbundenen, vielfältigen Stadtviertel mit hoher Lebensqualität zu entwickeln. Die Schulen – die Paul-Hindemith-Schule, eine integrierte Gesamtschule, und die Toni-Sender-Oberstufe – werden in Jahrgangsclustern organisiert und mit offenen, flexiblen Lernlandschaften sowie Differenzierungsräumen ausgestattet sein.

Sie sollen eine moderne und inklusive Pädagogik ermöglichen: Die Lernräume werden multifunktional angelegt, sodass sie für Unterricht, selbstständiges Arbeiten oder kreative Projekte und Gruppenarbeiten genutzt werden können. Dabei spielt die Barrierefreiheit eine zentrale Rolle, um allen Kindern, auch mit sonderpädagogischem Förderbedarf, uneingeschränkten Zugang zu ermöglichen.

Schule als Lern- und Lebensraum

Zudem verfolgt der Bildungscampus einen ganzheitlichen Ansatz. Während viele Schulen immer noch auf den Vormittagsunterricht und einen festen Klassenverband ausgerichtet sind, versteht sich der Bildungscampus Gallus als Ort des ganztägigen Lernens und Lebens. Durch Einrichtungen wie das Kinder- und Jugendhaus, das Kreativhaus oder die Sportanlagen bietet der Campus zudem ein breit gefächertes Nachmittags- und Freizeitprogramm, das weit über den Unterricht hinausgeht.

Jede Institution auf dem Bildungscampus erhält ein eigenes Gebäude mit eigener Adresse, gleichzeitig sind sie aber durch ein zentrales Band miteinander verknüpft. Im Zentrum liegen die öffentlichen Funktionen, wie das „Campusherz“ mit Mensa, Aula und Cafeteria, die Bibliotheken sowie die Sporthallen. Sie sind auf kurzem Wege erreichbar und bilden zugleich einen Treffpunkt für Aktivitäten und Versammlungen. Durch die Platzierung der Gebäude entsteht eine Abfolge von Freiräumen, die vielfältig nutzbar und miteinander verbunden sind.

In der Phase Null fanden zahlreiche Workshops mit Vertreterinnen und Vertretern der Einrichtungen des Bildungscampus, mit Eltern, Schülerinnen und Schülern sowie interessierten Bewohnerinnen und Bewohner statt, um die innovativen Raum- und Lernkonzepte kennenzulernen und ein gemeinsames Leitbild festzulegen. Auch jetzt, in der fortgeschrittenen Planung, finden regelmäßig kleinere Abstimmungen sowie ganztägige Workshops statt. Das Ziel: die Architektur mit den Bedürfnissen der Nutzenden und der Integration zeitgemäßer Technik- und Energiekonzepte zu vereinen.

Investition in die Quartierszukunft

Es werden allerdings noch ein paar Jahre ins Land gehen, bis diese Vision Wirklichkeit geworden ist. Aktuell befinden wir uns in der Planungsphase. Die Kosten für dieses Großprojekt schätzen wir auf rund 203 Millionen Euro. Das ist eine hohe Summe, aber auch eine gute Investition, da wir hiermit das Gallus und seine Bildungslandschaft zukunftsfähig weiterentwickeln werden.

Sylvia Weber


Die Autorin

Sylvia Weber ist Stadträtin sowie Dezernentin für Bildung, Immobilien und Neues Bauen in Frankfurt am Main.


Mehr zum Thema

Schule als Lebensraum

Schule als Lebensraum: Wie Kommunen Schulen zu lebendigen Bildungsorten entwickeln

Im nächsten Jahr wird der Rechtsanspruch auf Ganztagsversorgung in Grundschulen wirksam – viele Einrichtungen sind aber noch nicht auf die …
Schulbau

Beschleunigter Schulbau, hohe Standards: Praxisbeispiele zeigen, wie sich die Qualität sicherstellen lässt

Kommunen sollten Einfluss auf die Raumplanung nehmen und sich für eine gute Lernumgebungengagieren – so der Appell der Schul(bau)experten. Wo …
Naturnahe Schul- und Kita-Außenanlagen

Naturnahe Schul- und Kita-Außenanlagen: Was es bei der Gestaltung zu bedenken gibt

Die Stadt Hamburg will ihre Schul- und Kita-Außenanlagen naturnah gestalten. Als Planungsgrundlage nutzt sie hierbei das Praxishandbuch „Naturnahe Baustandards“, das …