Das baden-württembergische Ettlingen hat beim ADFC-Fahrradklima-Test einen der vorderen Plätze erreicht. Welche Rad-Akzente die Stadt setzt und was andere sich abschauen können, schlüsselt Pressesprecherin Eveline Walter auf.

In Ettlingen war man schon immer gerne mit dem Rad unterwegs: Die Topografie der Stadt und der Landschaft laden dazu ein – aber auch die in den zurückliegenden Jahren geschaffene Infrastruktur für die Radfahrer. Anfangs waren es Wege für die Freizeit, um an den Rhein oder ins Albtal zu kommen. Zunehmend entwickelte sich das Rad nicht nur zum idealen Gefährt fürs Einkaufen, da die Parkplatzsuche wegfällt, sondern auch für die Fahrt zur Arbeit ins nahe Karlsruhe.
Gerade auf der Kurzstrecke ist das Fahrrad kaum zu überbieten, wenn man den Pedaleuren die richtige Infrastruktur anbietet. Diese Entwicklung im Radverkehr hat Ettlingen im Auge behalten und darauf reagiert, in Zusammenarbeit mit Organisationen und Vereinen, bei denen das Rad im Mittelpunkt steht, sowie mit Mobilitätsexperten.
„Wichtig war und ist es uns, die Ettlingerinnen und Ettlinger mitzunehmen, ihre Meinung zu hören, gerade von jenen, die mit dem Rad tagtäglich unterwegs sind“, sagt Oberbürgermeister Johannes Arnold, der sich selbst gerne aufs Rad schwingt.
Wo gibt es Lücken im Radwegenetz? Wie kann man den Radverkehr sicherer machen? Wo sind Schäden, die sich schnell beheben lassen? Diese Fragen stellte Ettlingen seinen Bürgerinnen und Bürgern – und diese Anstrengungen zahlten sich aus: Die Stadt erreichte beim diesjährigen Klimatest des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) einen vorderen Rang.
Radfahren ist in Ettlingen Chefsache
„Das ist für uns Anerkennung und Ansporn zugleich, hier nicht nachzulassen“, betont Arnold. Vor wenigen Wochen konnte der Oberbürgermeister in Berlin die Auszeichnung für den dritten Platz bundesweit unter den 429 Städten mit 20.000 bis 50.000 Einwohnern in Empfang nehmen.
„Dieses Ergebnis zeigt, dass unsere Verkehrspolitik in die richtige Richtung geht. Der Fünf-Punkte-Plan, den ich nach der letzten Erhebung 2022 aufgestellt habe, entfaltet seine Wirkung. Zuvor wurden von mir die größten Schwächen analysiert, so dass die Maßnahmen gezielt darauf abgestimmt werden konnten.“
Im Mittelpunkt dieses Planes steht der Dialog mit den Bürgern, runder Tisch ebenso wie Umfragen. Einfache Maßnahmen schnell und unkompliziert umzusetzen und dem ganzen Radverkehrsthema mehr Personal und Projektmittel zur Verfügung zu stellen, sind weitere wesentliche Punkte.
Der Oberbürgermeister erinnert zudem an die stadtspezifischen Ziele im Handlungsfeld Mobilität des integrierten Stadtentwicklungskonzeptes (ISEK). Dazu gehört die Erhöhung der Sicherheit vor allem für Fußgänger und Radfahrer, aber auch die gerechte Flächenbedarfsverteilung für die verschiedenen Mobilitätsformen. „Unser Ziel ist, den Autoverkehr von rund 51 Prozent auf 40 Prozent zu reduzieren – durch den Ausbau des Radwegenetzes bis hin zur Verdichtung des ÖPNV-Angebots. Die Erreichbarkeit unserer Stadt für den Autoverkehr soll dennoch gewährleistet bleiben.“
Ausbau des Radwegenetzes
Ein wichtiger Lückenschluss war der Höhenradweg zwischen Ettlingen und den Stadtteilen in der Höhe, der 2023 eröffnet werden konnte. Die Nord-Süd-Route durch die Stadt, die Teil des RadNetzes BW ist, ist in einem zentralen Abschnitt der Innenstadt vervollständigt und an vielen Stellen zusätzlich ertüchtigt worden. Eine weitere durchgängige Achse in Ost-West-Richtung ist im Aufbau, die strategisch die Rheinebene mit dem Albtal über die Innenstadt Ettlingens verbindet.
Gemeinsam mit der Stadt Karlsruhe und dem Land Baden-Württemberg, vertreten durch das Regierungspräsidium Karlsruhe, wurde als „Booster“ der Radschnellweg Karlsruhe-Ettlingen auf den Weg gebracht. Diese Route hat ein enormes Potenzial, das Pendler zwischen Ettlingen und Karlsruhe aus dem Auto steigen und auf den Sattel wechseln lässt.
Aber auch kleine Maßnahmen haben beim Radverkehr große Wirkung: sei es eine Baustellenführung, die Abstimmung des Reinigungs- und Winterdienst auf die Bedürfnisse des Radverkehrs oder mehr Kontrollen gegen Falschparker auf Radwegen. Weitere Maßnahmen sind die Öffnung der Einbahnstraßen für den Radverkehr, die Einführung einer neuen Radstraße und die Radabstellmöglichkeiten in einer Tiefgarage, dort stehen die Räder sicher in einer Box, oder am Bahnhof-West – niederschwellig buchbar über eine App.
Jede Menge Angebote für Radfahrer
Wer kein eigenes Rad dabei hat, hat kein Problem – dafür gibt es das Radverleihsystem nextbike von der KVV, das auch Lastenräder anbietet. Die Stadt Ettlingen bietet das Radleihsystem als „Free-floating-System“ an. Man kann das geliehene Rad einfach am Straßenrand abstellen und sich auch jederzeit eines ausleihen, wo es gerade steht. Man ist also nicht an feste Stationen gebunden.
Dieses Angebot dürfte für eine Stadt der Größe Ettlingens bundesweit einzigartig sein. Ab Herbst wird die Flotte der Nextbike-Fahrräder um 14 E-Bikes erweitert, damit auch der Weg in die 200 Meter höher gelegenen Orte entspannt zurückgelegt werden kann.
All dies trägt dazu bei, dass Ettlingens Infrastruktur des Radverkehrsnetzes, die Erreichbarkeit des Stadtzentrums oder das zügige Fahren von den Ettlingerinnen und Ettlingern überdurchschnittlich positiv bewertet worden sind. Auf gute Resonanz stieß auch eine mehr als augenzwinkernde „tierische“ Marketing-Aktion. Ziege, Esel, Schwein und Hund erinnern mit „Mehr wir – weniger ich“ an das Miteinander im Straßenverkehr.
Eveline Walter
Impulse zum Nachahmen
Neben Ettlingen nennt der ADFC weitere fahrradfreundliche Kommunen.



