Im ländlichen Raum kommt man oft nur mit dem Pkw ans Ziel – Ideen und Konzepte für alternative Mobilitätsformen liegen zwar vor, werden oft aber nicht umgesetzt. Wie kommt Bewegung in dieses Themenfeld? Antworten gibt eine Studie, die das Umweltbundesamt in Auftrag gegeben hat.

In ländlichen Räumen steht im Verkehr weiterhin der private Pkw im Vordergrund, weil damit Ziele schnell und flexibel erreicht werden können. Das Angebot des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) ist dagegen oft noch lückenhaft, bedarfsorientierte Alternativen sind nur selten vorhanden. Das Deutsche Institut für Urbanistik (Difu) und plan:mobil haben im Auftrag des Umweltbundesamts untersucht, wie die Verkehrs- und Mobilitätsplanung weiterentwickelt werden kann, um für ländliche Regionen bessere Angebote und Strukturen zu ermöglichen.
Dafür wurden bestehende Planungsinstrumente und Mobilitätskonzepte betrachtet. Zudem wurden bundes- und landesweite, regionale und kommunale Organisationsformen erforscht – insbesondere verschiedene Formen interkommunaler Kooperation und Zusammenarbeit, zum Beispiel in Form von Netzwerken, Zweckverbänden oder gemeinsamen Planungen. Zudem wurden verschiedene Förderinstrumente und Finanzierungsinstrumente analysiert.
Was es bereits gibt – und was fehlt
Die in diesem Rahmen entstandene Zusammenstellung von Planungsinstrumenten mit spezifischem Fokus auf ländliche Räume zeigt: In den vergangenen Jahren wurde eine große Bandbreite von Konzepten auf verschiedenen Maßstabsebenen entwickelt (Bundesland, Region, Landkreis, Gemeinde). Das Spektrum reicht von integrierten Landesverkehrsplänen über ÖPNV-Strategiekonzepte bis hin zu Klimaschutzteilkonzepten für den Radverkehr. Teilweise fehlt es aber an einer ausreichenden Verknüpfung der Pläne untereinander, an einer Berücksichtigung übergeordneter Planwerke oder an der notwendigen finanziellen Unterfütterung.
Richtige und wichtige Themenfelder werden zum Teil zwar berührt, sind aber oft abstrakt, und zentrale Schritte zur konkreten Umsetzung fehlen. In der Praxis bleiben Planungen nach der Konzepterstellung nicht selten in der Schublade.
Um eine integrierte Mobilitätsplanung für ländliche Räume voranzubringen, gilt es zukünftig, Planungsinstrumente und Mobilitätkonzepte weniger von einer verkehrsträgerspezifischen Perspektive – zum Beispiel Radverkehr oder ÖPNV – aus zu denken. Für die Mobilität der Menschen vor Ort stehen vor allem Aspekte der Erreichbarkeit, der einfachen Nutzung und der Verlässlichkeit vor dem Hintergrund ihrer alltäglichen Mobilitätsbedürfnisse im Mittelpunkt.
Innerhalb der Planungsdisziplinen müssen die verschiedenen Planwerke und Konzepte noch stärker integriert werden, wofür eine professionelle Projektsteuerung erforderlich ist. So wird zum Beispiel die ÖPNV-Anbindung bei der Planung von Neubaugebieten oder Gewerbegebieten oftmals nicht ausreichend berücksichtigt. Zukünftig sollte die öffentliche Mobilität auch in der Bauleitplanung zwingend berücksichtigt werden.
Wie Masterpläne weiterbringen
In einigen Bundesländern wurden jüngst „Masterpläne“ oder integrierte Mobilitätskonzepte erstellt. Analog dazu empfiehlt es sich, auch auf kommunaler Ebene übergeordnete „Basis-Masterpläne Mobilität“ zu entwickeln, die dann für die Verkehrsträger mit Einzelplänen unterlegt werden. Gerade im ländlichen Raum mit oft kleinen Kommunen sollten diese Pläne möglichst regional, auf Ebene der verkehrlichen Verflechtungsräume erarbeitet werden. Dazu müssen Zuständigkeiten, Finanzierung und Kompetenzen der verschiedenen Akteure geklärt werden und Teil des jeweiligen Konzeptes sein.
Die Erarbeitung entsprechender Konzepte dauert allerdings in der Regel mehrere Jahre. Da sich in dieser Zeit Ausgangssituationen dynamisch weiterentwickeln, können modularisierte Planwerke hilfreich sein, so dass einzelne Teile aktualisiert und ausgetauscht werden können.
Für die kommunale Ebene besteht mittlerweile weniger ein Mangel an geeigneten Ideen und Konzepten. Vielmehr fehlt es an der Umsetzung. Konzepte zu erarbeiten, bindet viele Kapazitäten in Verwaltungen, die dann für die Umsetzung fehlen. Hier kann ein temporärer Planungsstopp angezeigt sein, damit die Projektumsetzung mit den Planungen Schritt hält.
Interkommunale Kooperation für mehr Mobilitätsangebote auf dem Land
Gerade für kleinere Kommunen liegt in einer stärkeren interkommunalen Kooperation ein erhebliches Potenzial, weil sie einen wirtschaftlicheren Einsatz finanzieller, personeller und technischer limitierter Ressourcen ermöglicht.
Es bieten sich verschiedene gut erprobte Kooperationsformen an. Das können formelle öffentlich-rechtliche Formen wie Zweckverbände oder Anstalten öffentlichen Rechts (AöR) sein. Möglich sind aber auch eher niedrigschwellige privatrechtliche Formen wie Vereine oder informelle Strukturen wie dauerhafte Arbeitskreise und interkommunale Netzwerke.
Ziel der interkommunalen Kooperation ist es, die Verantwortung und Finanzierungsrisiken auf mehrere Schultern zu verteilen und Standortvorteile sowie Alleinstellungsmerkmale zu nutzen. Jeder Partner kann sich auf seine individuellen Stärken und Potenziale konzentrieren. Schwächen werden durch die partnerschaftlichen Strukturen ausgeglichen.
Was sich vor Ort bewährt
Zu den Erfolgsfaktoren für eine gelingende interkommunale Kooperation gehören eine gemeinsame Identität als Region, positive Erfahrungen durch etablierte vertrauensvolle Zusammenarbeit, Sensibilität für die jeweils eigene Rolle sowie ein gemeinsam geteiltes Problem- und Lösungsverständnis.
Einige Förderprogramme auf Bundes- und Landesebene berücksichtigen explizit interkommunale Kooperation. Unterstützung und Wissenstransfer durch Fachzentren auf der Landesebene erweisen sich als wirkungsvolles Instrument, um die Umsetzung nachhaltiger Mobilitätslösungen zu begleiten und interkommunale Kooperation im Handlungsfeld Mobilität anzuregen.
Lisa Ruhrort, Miriam Dross
Die Autorinnen
Dr. Lisa Ruhrort ist Leiterin des Teams „Stadt- und Regionalverkehr“ am Deutschen Institut für Urbanistik (Difu). Miriam Dross leitet im Umweltbundesamt das Fachgebiet „Nachhaltige Mobilität in Stadt und Land“.
„interkommunal.mobil“
Wie kann interkommunale Kooperation bei der Erarbeitung von Instrumenten und Konzepten zur Verbesserung ländlicher Mobilität unterstützen, wie können diese Konzepte nachhaltiger gestaltet werden? Darum geht es im Forschungsprojekt „interkommunalMobil“. In Auftrag gegeben wurde es vom Umweltbundesamt.



