Positive Dynamik nutzen: Mit diesen Tipps bringen Kommunen die Elektromobilität voran

Es geht mit großen Schritten voran: So lautet die dezidiert positive Zwischenbilanz des BDEW zur Elektromobilität. Kerstin Andreae schlüsselt auf, was Kommunen aus Verbandssicht tun können, um hier (noch) weiterzukommen.

Positive Dynamik in der Elektromobilität
Das „neue Normal“ soll die Elektromobilität werden. Ein wichtiger Hinweis dafür, dass es aus BDEW-Sicht in die richtige Richtung geht: die steigenden Zahlen beim Ausbau der Ladepunkte. Foto: Adobe Stock/alho007

Die Elektromobilität entwickelt sich rasant und wird zum „neuen Normal“ auf Deutschlands Straßen. Noch nie zuvor wurden von Januar bis Mai so viele vollelektrische Pkw neu zugelassen wie 2025: Mit 201.563 Fahrzeugen ist das ein Plus von 43 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Eine größere Modellauswahl wirkt sich ebenso positiv aus wie die Rabattaktionen der Hersteller.

Auch der Ausbau des öffentlichen Ladeangebots setzte sich in den letzten zwölf Monaten fort: Deutschlandweit wurden knapp 24.000 neue öffentliche Ladepunkte errichtet. Damit standen am 1. Juni 2025 insgesamt 169.000 Ladepunkte zur Verfügung. Außerdem können die Ladesäulen jetzt mehr Strom liefern: Ihre Gesamtleistung stieg um 34 Prozent auf 9,5 Gigawatt.

Besonders hervorzuheben ist der Ausbau von Ultraschnellladern: 7500 neue Ladepunkte wurden im selben Zeitraum installiert. Aktuell gibt es in 6221 Kommunen mindestens einen öffentlichen Ladepunkt – das sind 57 Prozent aller Kommunen, in denen übrigens 95 Prozent der Bevölkerung leben. Zum Vergleich: 84 Prozent der Bevölkerung wohnen in Kommunen mit mindestens einer Tankstelle.

Viel Bewegung auf den Parkplätzen: In der Elektromobilität zeigt sich eine positive Dynamik

Wie die Zahlen der Monopolkommission zeigen, nimmt die Betreibervielfalt und damit der Wettbewerb beim Ladesäulenangebot seit Jahren kontinuierlich zu. Das gilt insbesondere für den privatwirtschaftlichen Aufbau von Schnellladesäulen auf Parkplätzen des Einzelhandels.

Diese Dynamik zeigt sich auch mit einem Blick auf das Deutschlandnetz: Das staatliche Förderprogramm startete 2023, um Schnellladeinfrastruktur gezielt in Regionen mit geringer Abdeckung auszubauen. Dafür wurden 900 Suchräume festgelegt – Gebiete, in denen mindestens eine Schnellladestation entstehen soll. Das Programm wurde auch mit Marktversagen begründet, zweieinhalb Jahre später zeigt sich, dass 80 Prozent der 900 Suchräume mit Ultraschnellladern ausgestattet wurden – und zwar privatwirtschaftlich!

Die Kommunen gestalten diesen Wandel erfolgreich mit: durch ihre eigene Mobilität, die Ordnung des öffentlichen Raums und effiziente Genehmigungsverfahren. Nehmen sie Geld in die Hand, ist dies sicher am besten in der Elektrifizierung des öffentlichen Nahverkehrs und des eigenen Fuhrparks angelegt – inklusive Lademöglichkeiten. Die Energiewirtschaft steht hier als Partner für optimierte Ladepark- und Betriebslösungen bereit.

Die gute Nachricht: Die Kommunen müssen keine finanziellen Mittel mehr einplanen für den Ausbau des Ladeangebots. Sie können ihn mit der Bereitstellung von Flächen unterstützen und mit der Möglichkeit, im öffentlichen Straßenraum auf Basis von Sondernutzungsrechten Ladesäulen zu errichten. Häufig wird der Planungs- und Finanzierungsbedarf durch die Kommunen überschätzt.

Grundsätzlich gilt: Ladesäulenbetreiber suchen ständig nach attraktiven Standorten. Um Flächen diskriminierungsfrei zur Verfügung zu stellen, können Kommunen geeignete Standorte im FlächenTOOL der bundeseigenen NOW GmbH annoncieren. Diese Möglichkeit nutzen bereits zahlreiche Kommunen und auch das Bundesland Baden-Württemberg. Die Ladesäulenbetreiber prüfen die Attraktivität der Flächen sowie geeignete Ladelösungen und unterbreiten den Kommunen dann ein Angebot. Dieses Verfahren ist viel leichter zu handhaben als selbst auszuschreiben. Ein deutlicher Vorteil ist, dass die Ladesäulenbetreiber maßgeschneiderte Lösungen für die Standorte entwickeln, um die Kundenbedarfe bestmöglich zu treffen.

Tipps für Kommunen

Der zweite Hebel für die Kommunen besteht darin, einen effizienten Genehmigungsprozess inklusive Netzanschluss aufzusetzen. Praxiserfahrungen zeigen: Das Verfahren funktioniert am besten, wenn Ladesäulenbetreiber einen einzigen Ansprechpartner haben, der die Genehmigung innerhalb der Verwaltung voranbringt.

Auch der Ladesäulenaufbau für elektrisch betriebene Lkw läuft bereits durch private Unternehmen auf eigenes Risiko. Auch hier können Kommunen geeignete Flächen ausweisen. Bei der Planung neuer Gewerbegebiete sollten E-Lkw-Ladesäulen gleich mitgedacht werden. Weil E-Lkw-Ladeparks deutlich größer sind, wird zudem der Erfahrungsaustausch zwischen den Kommunen ein weiterer Erfolgsfaktor sein.

Auf die positive Dynamik muss die Politik jetzt aufsetzen. Ein starker Heimatmarkt für Elektromobilität ist die beste Standortpolitik. Was gut hierzulande funktioniert, kann auch exportiert werden. Wichtig sind fünf Punkte, um die Elektromobilität voranzubringen: 

  • Europäisch denken: auf deutsche Sonderregeln verzichten.
  • EU-CO2-Flottengrenzwerte beibehalten: Die Rahmensetzung schafft Planungssicherheit.
  • Nachhaltige Steueranreize für E-Fahrzeuge: Das hat sich in EU-Nachbarstaaten bewährt.
  • Weniger Bürokratie, schnellere Genehmigungen und mehr Flächen: Hier sind die Kommunen beim Ladesäulenausbau gefragt.
  • Kein neuer staatlicher Ladesäulen-Bau: Der Wettbewerb ist schneller und besser.
  • Um jetzt schnell den Sprung in den Massenmarkt zu schaffen, braucht es politische Flankierung.

Kerstin Andreae


Die Autorin

Kerstin Andreae ist Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung beim Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e. V. (BDEW).


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