Busse oder auch Fahrzeuge der Müllabfuhren können umweltfreundlich fahren: Die Technik ist da, E-Nutzfahrzeuge sind auf deutschen Straßen auch bereits unterwegs – aus Verbandssicht könnten und sollten es aber sehr viel mehr sein. Stefan Meyer schlüsselt auf, wie Kommunen in Fahrt kommen können.

Die Neuzulassungen von Elektroautos haben in den letzten Monaten spürbar angezogen. Aktuell machen sie rund 18 Prozent des Marktes aus. Das ist so viel wie seit dem Ende des Umweltbonus nicht mehr. Dennoch werden damit immer noch nicht die Flottengrenzwerte und Umweltziele der Europäischen Union erreicht.
Nachhaltige Mobilität bei Nutzfahrzeugen: Planungssicherheit wäre wichtig
„Bei den elektrischen Nutzfahrzeugen sind die Herausforderungen für Anschaffung und Betrieb noch einmal deutlich größer als bei Pkw“, streicht Imelda Labbé heraus, Präsidentin des Verbands der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK). „Der Transportsektor hat die Notwendigkeit der Elektrifizierung bereits erkannt. Doch der Wille wird häufig durch Unsicherheiten in der Infrastruktur und fehlende Planungssicherheit ausgebremst.“
Power für die Ladeinfrastruktur
Die internationalen Nutzfahrzeughersteller investieren seit Jahren Milliarden in die Entwicklung von Antriebskonzepten, die weltweit in unterschiedlichen Märkten funktionieren. Dabei sind auch Verbrennerfahrzeuge mit alternativen Kraftstoffen wie Bio-LNG, HVO oder Wasserstoff sowie Brennstoffzellen- und Elektro-Lkw. Was nun fehlt, ist der beschleunigte Aufbau der betrieblichen und öffentlichen Ladeinfrastruktur für E-Lkw.
Das Angebot an geeigneten batterieelektrischen Fahrzeugen ist mittlerweile groß. Die Reichweite ist stark vom Einsatzgebiet abhängig. Im innerstädtischen und regionalen Einsatz sind viele Einsätze ohne Zwischenladung der Batterien bereits möglich. Hunderte E-Lkw in Deutschland und tausende weltweit belegen dies. Über 40 Prozent der Transporte in Europa legen weniger als 300 Kilometer pro Tag zurück, was E-Lkw heute meist ohne Zwischenladung bewältigen können.
Konzepte für den Fernverkehr
Doch im Bereich des Fernverkehrs liegt die größte Einschränkung in der für Elektro-Lkw vielerorts noch fehlenden Ladeinfrastruktur. Nur mit entsprechender Planung können E-Nutzfahrzeuge bereits heute von Hamburg nach München oder von Amsterdam nach Stockholm fahren. Ein ganzheitlicher Ansatz sollte neben batterieelektrischen Fahrzeugen auch nachhaltige Kraftstoffe (wie HVO) oder Wasserstoff mit einbeziehen.
Alternative Antriebe stehen bereit
Neben dem schnellen Aufbau einer entsprechenden Lade- und Tankinfrastruktur fehlt für Unternehmen auch die langfristige Planungssicherheit. Weitere Anreize für den Umstieg auf alternative Antriebe könnten durch zeitlich befristete und degressiv gestaltete Kaufanreize für E-Lkw, eine höhere CO2-Bepreisung, eine Verlängerung der Mautbefreiung für E-Lkw und günstige Ladestrompreis an öffentlichen Ladesäulen geschaffen werden. Diese Maßnahmen würden die Total Cost of Ownership (TCO) für Unternehmen attraktiv und planbar gestalten.
Schlüsselrolle der Kommunen
„Für kommunale Betreiber gibt es mit der Clean Vehicles Directive bereits Vorgaben zur öffentlichen Beschaffung klimafreundlicher und klimaneutraler Fahrzeuge“, sagt Stefan Ziegert von Scania Deutschland. „Ziel ist es, klimaneutrale Fahrzeuge und Technologien zu nutzen, um CO2 im Fuhrpark zu reduzieren.“, fügt Ziegert hinzu. „Denn Städte und Gemeinden haben eine Schlüsselrolle: Sie gestalten nicht nur ihre eigenen Flotten klimafreundlich, sondern setzen auch Standards für Lieferverkehre, Müllabfuhr oder ÖPNV. Sie sind regional tätig, große Tagesreichweiten sind häufig nicht erforderlich, die Ladeinfrastruktur ist in zahlreichen Kommunen vorhanden, weil zum Beispiel schon elektrische Busse im Einsatz sind.“
Ein Beispiel für eine kommunale Anwendung ist ein Abfallsammelfahrzeug, das selten mehr als 100 Kilometer pro Tag zurücklegt und dabei bis zu 60 Liter Diesel verbraucht. Ein E-Lkw wäre leiser und würde in der Umrechnung der eingesetzten Energie weniger Strom verbrauchen. Zudem haben viele Kommunen Zugang zu eigenen Elektrizitätsquellen, was die Kosten der Elektrifizierung weiter senken kann.
„Die Stadt München war 2019 die erste Kommune, die einen Serien-E-Lkw bei Volvo bestellte“, so Gregor Frieb von Volvo Trucks Deutschland. „Der Abfallzweckverband Rhein-Mosel-Eifel setzt zehn E-Lkw im täglichen Betrieb ein. ALBA Berlin betreibt eine Flotte von elektrischen Nutzfahrzeugen, darunter Kofferaufbauten, Müllsammelfahrzeuge und Abrollkipper. Die Rhein-Sieg-Abfallwirtschaftsgesellschaft ist ein weiteres Beispiel mit vier im Einsatz befindlichen E-Lkw, ein weiteres Fahrzeug ist bestellt.“ Es gibt bereits mehr Möglichkeiten, als vielen Akteuren in Städte und Gemeinden bewusst ist. Beraten können die Hersteller von E-Nutzfahrzeugen.
Nachhaltig mobil
Schon heute können kommunale Betreiber CO2 durch den Einsatz von Bio-Kraftstoffen signifikant reduzieren – und gleichzeitig mit BEV-Flotten in geeigneten Anwendungen erste Schritte Richtung emissionsfreie Mobilität gehen. Abhängig von den spezifischen Bedürfnissen können Kommunen dann weitere Schritte planen, wie den Aufbau eigener Ladeinfrastruktur, die Installation von Photovoltaikanlagen und die Auswahl geeigneter elektrischer Lkw-Modelle.
Engagement der Hersteller
Die Vertreter der Nutzfahrzeugmarken, die in diesem Beitrag zu Wort kommen, gehören dem Verband der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK) an. Die internationalen Nfz-Hersteller verkaufen jährlich rund 120.000 Nutzfahrzeuge in Deutschland. Der VDIK und seine Mitglieder setzen sich für einen bezahlbaren und klimaneutralen Straßengüterverkehr ein – unser Ziel ist es, die entsprechenden Fahrzeuge auf die Straße zu bringen.
Stefan Meyer
Der Autor
Stefan Meyer ist Leiter Politik und Kommunikation beim Verband der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK).



