Wachsende Stadt, knappe Lernräume: Wie Wuppertal den Schulbau vorantreibt

Wuppertal wächst, damit steigt die Zahl der Schülerinnen und Schüler – der Bedarf an mehr Schulraum ist hoch. So hoch, dass die nordrhein-westfälische Stadt den Schulbau zur absoluten Priorität erklärt hat. Wie es vorangehen soll, erläutern Bildungsdezernentin Annette Berg und Koordinator Michael Neumann. 

Schulbau in Wuppertal
Schulraum wird knapp in Wuppertal, die Antwort darauf ist ein umfassender Schulentwicklungsplan – und eine neu geschaffene Stabsstelle: Sie koordiniert die Zusammenarbeit zwischen Stadtplanung und Gebäudemanagement. Foto: Adobe Stock/Jan

Die Stadt Wuppertal steht vor einer gewaltigen Aufgabe, denn sie wächst und mit ihr die Zahl der schulpflichtigen Kinder und Jugendlichen. Um dem rasanten Zuwachs gerecht zu werden, hat die Stadtverwaltung eine umfassende Schulentwicklungsplanung ins Leben gerufen, deren erster Teil nun den politischen Gremien präsentiert wird.

Grundlage für dieses ehrgeizige Vorhaben ist ein fundierter Abschlussbericht von Anna Makles vom An-Institut der Bergischen Universität, der quer durch alle Schulformen einen erheblichen Handlungsbedarf aufzeigt. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Überall stoßen die Kapazitäten an ihre Grenzen.

Großer Bedarf bei Grund- und Förderschulen

Besonders kritisch stellt sich die Lage an den Förderschulen und Grundschulen dar. Während die Zahl der Kinder mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf, etwa im Bereich der geistigen Entwicklung, in den letzten neun Jahren massiv gestiegen ist, sind die Grundschulen bereits heute nahezu vollständig ausgelastet.

Da in den bestehenden Gebäuden Fachräume längst zu Klassenzimmern umfunktioniert wurden, sind die baulichen Reserven erschöpft. Bis zum Jahr 2030 wird die Zahl der Grundschüler voraussichtlich auf über 14.000 ansteigen, was rechnerisch den Neubau von drei kompletten Schulen erforderlich macht.

Weiterhin steigender Bedarf

Noch dringlicher ist die Situation im Bereich der weiterführenden Schulen. Hier fehlen aktuell bereits Kapazitäten für zehn Schulzüge, und die Prognosen für das nächste Jahrzehnt deuten auf einen weiteren Zuwachs von rund 2500 Schülerinnen und Schülern hin. Um diesen Engpass aufzufangen, empfiehlt die Planung neben den zwei bereits beschlossenen Gesamtschulen im Wuppertaler Osten den Bau einer weiteren Gesamtschule sowie eines neuen Gymnasiums im Westen der Stadt. Parallel dazu wird bereits an einem Konzept für die berufsbildenden Schulen gearbeitet.

Ein weiterer zentraler Baustein der Bildungsstrategie ist der offene Ganztag. Zwar hat die Stadt das Angebot konsequent ausgebaut, doch der Bedarf wächst schneller als das Angebot. Ab dem Schuljahr 2026/27 greift zudem der gesetzliche Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung, was die Stadt vor zusätzliche logistische Hürden stellt. Aktuell liegt die Versorgungsquote bei rund 51 Prozent, was bedeutet, dass etwa 4500 Plätze fehlen. Da es oft an der notwendigen Infrastruktur wie Mensen und Küchen mangelt, plant die Verwaltung hierfür eine eigene, spezialisierte Entwicklungsplanung.

Schulbau in Wuppertal als essenzielle Aufgabe

Um diese Mammutaufgabe zu bewältigen, haben Oberbürgermeisterin Miriam Scherff und Bildungsdezernentin Annette Berg das Thema Schulbau zur absoluten Priorität erklärt. Allein in den kommenden zwei Jahren sollen 185 Millionen Euro in moderne Lernräume investiert werden, ergänzt durch weitere Mittel für die Schulsozialarbeit und Erziehungshilfen. Unter dem Banner „Wuppertal baut Bildung“ koordiniert eine neu geschaffene Stabsstelle die Zusammenarbeit zwischen Stadtplanung und Gebäudemanagement.

Um die ambitionierten Zeitpläne einzuhalten, setzt die Stadt auf innovative Lösungen wie Modulbauten. Das Ziel ist klar: Bis 2027 sollen die ersten neuen Standorte in Betrieb gehen, um jedem Kind in Wuppertal die Chance auf einen erfolgreichen Bildungsweg zu ebnen.

Annette Berg, Michael Neumann


Die Autoren

Annette Berg ist Dezernentin für Soziales, Jugend, Schule und Integration in Wuppertal. Michael Neumann ist Leiter der neuen Stabsstelle „Schulbaukoordination“.


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