Bestnote für energetische Sanierung: Eisenacher Mosewaldschule im Bundeswettbewerb „Klimaaktive Kommune 2025“ ausgezeichnet

Vom tristen DDR-Plattenbau zu einem Vorbild für die energetische Sanierung – und das bei laufendem Schulbetrieb: Für dieses Projekt wurde die Eisenacher Mosewaldschule im Bundeswettbewerb „Klimaaktive Kommune 2025“ ausgezeichnet. Pressesprecherin Birgit Schellbach erläutert, wie das gelingen konnte.

Mosewaldschule in Eisenach
So sehen Sieger aus: Schüler und Lehrer der Mosewaldschule freuen sich über die gelungene Sanierung und die Auszeichnung als „Klimaaktive Kommune 2025“. Foto: Sympathiefilm/Difu

Die Wärmedämm-Fassade zieht mit ihren grünen Waldmotiven die Blicke auf sich. Sie bietet Nistplätze für Mauersegler, Fledermäuse und Sperlinge. Alle Fenster sind erneuert. Eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach deckt zum Großteil den Eigenbedarf an Strom. Schüler und Lehrer fühlen sich in den modernen Unterrichtsräumen, im grünen Klassenzimmer oder im Schulgarten wohl und füllen den Titel „Thüringer Nachhaltigkeitsschule – Umweltschule in Europa“ mit Leben.

Das ist die Mosewaldschule in Eisenach-Nord, die sich von einem tristen DDR-Plattenbau zu einem deutschlandweiten Vorbild für die energetische Sanierung gemausert hat. Die Juroren des Bundeswettbewerbs „Klimaaktive Kommune 2025“ würdigten mit dem ersten Preis in der Kategorie der Mittel- und Kleinstädte das besondere Engagement der thüringischen Stadt Eisenach, dieses öffentliche Gebäude klimafreundlich und klimaangepasst umgebaut zu haben.

Energetische Sanierung der Mosewaldschule in Eisenach

Der Weg zu diesem Erfolg war steinig. Die Schule, die in den 1970er Jahren in der für die DDR typischen Bauweise errichtet worden war, war in einem schlechten Zustand. Das betraf die Bausubstanz, die technische Ausstattung und die Außenanlagen. Geld für größere Investitionen fehlte, da die Stadt über viele Jahre ihren Haushalt konsolidieren musste.

Einen Lichtblick gab es 2018 mit der Förderung über das Bundesprogramm „Verbesserung der Schulinfrastruktur finanzschwacher Kommunen“. Die Gesamtsanierung beinhaltete unter anderem, Klassenzimmer und Sanitärbereiche zu modernisieren, einen zweiten Rettungsweg zu schaffen und Barrierefreiheit per Rampen und Aufzug zu ermöglichen. Außerdem wünschte sich die Schule entsprechend ihrem Lehr- und Lernkonzept andere Raumaufteilungen.

„Uns war wichtig, Nachhaltiges zu schaffen. Das ist bei der Mosewaldschule in ausgezeichneter Weise gelungen“, betont Eisenachs Oberbürgermeister Christoph Ihling.

Alle zusammen für den Umbau

Die Arbeiten begannen im August 2020 und erstreckten sich über drei Bauabschnitte bis zum Frühjahr 2024. Sie erfolgten bei laufendem Schulbetrieb. War ein Abschnitt beendet, zogen Schüler und Lehrer um und die Handwerker wieder ein. Das erforderte eine gute Zusammenarbeit aller, von den kommunalen Ressorts wie Hochbau, Stadtentwicklung und Schulverwaltung über die externen Planungsbüros bis zu den Nutzern.

Heute lernen rund 320 Kinder aus 33 Nationen von der ersten bis zur vierten Klasse in einer top ausgestatteten Schule – und für die Stadt als Schulträger zahlen sich die Investitionen langfristig aus.

Dank energetischer Sanierung der Gebäudehülle und Installation von Lüftungsanlagen mit integrierter Wärmerückgewinnung in jedem Klassenraum hat sich der Wärmebedarf halbiert. Die Schule ist an das Fernwärmenetz der Eisenacher Versorgungsbetriebe angeschlossen. Mittel- bis langfristig erfolgt dort eine Umstellung von Erdgas auf eine treibhausgasneutrale Wärmeversorgung.

Photovoltaik-Anlage und Batteriespeicher

LED-Leuchten haben die Betriebskosten deutlich verringert. Gleichzeitig führten die neuen dezentralen Lüftungsgeräte sowie die digitale Ausstattung der Schule mit interaktiven Whiteboards und Tablets zu einem höheren Stromverbrauch.

Der Mehrbedarf wird durch die 60 kWp Photovoltaik-Anlage in Kombination mit einem Batteriespeicher kompensiert. Die Module sind in Ost-West-Ausrichtung auf dem Flachdach aufgestellt. Das sorgt für einen gleichmäßigeren Tagesertrag und reduziert Mittags-Spitzenlasten. Die PV-Anlage deckt bilanziell 90 Prozent des Gesamtstrombedarfs. In Ferienzeiten und am Wochenende wird Strom ins Netz eingespeist. „Insgesamt sparen wir 39 Tonnen CO2 ein“, bilanziert Manuela Hoppe, Leiterin Hochbau bei der Stadtverwaltung.

Der Wald in der Schule

Das Thema Umwelt spielt auch bei der Gestaltung des Gebäudes eine Rolle. Der nahe Mosewald als Namensgeber der Schule lieferte die Anregung für die Waldmotive außen wie innen. Türfurniere in jeder Etage bestehen aus Eiche, Buche oder Pappel. Passend zur jeweiligen Baumart schmücken Bilder von Tieren und Pflanzen die Flure. Im Erdgeschoss sind es beispielsweise Eichelhäher, Eichhörnchen und Eicheln bei Eichenfurnieren. Das Konzept zieht sich durch das gesamte Haus.

Außenanlagen sind mit klimaangepassten Strauch- und Baumarten bepflanzt, die im Sommer Schatten spenden. Der Klimaanpassung dienen ebenso außenliegende Verschattungselemente an allen Fenstern mit Ausnahme der Nordseite, Entsiegelungen auf dem Schulhof sowie Zisternen und ein Rückstaukanal für Regenwasser.

Vorbild für andere

Alle technischen und organisatorischen Prozesse sind auf andere Schulen übertragbar, ebenso die Finanzierung. Die Gesamtkosten liegen bei neun Millionen Euro. Davon stammen rund 4,3 Millionen Euro aus der Schulbauförderung des Bundes und rund 1,7 Millionen Euro aus der Schulbauförderung des Freistaats Thüringen. Die Eigenmittel der Stadt betragen drei Millionen Euro.

Das Preisgeld von 40.000 Euro aus dem Bundeswettbewerb „Klimaaktive Kommune 2025“ will die Stadt erneut in ein klimafreundliches Projekt investieren. Zurzeit wird die Sporthalle in der Nachbarschaft der Mosewaldschule umfassend saniert. Auf dem Dach ist eine PV-Anlage vorgesehen.

Birgit Schellbach


Die Autorin

Birgit Schellbach verantwortet die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Eisenach.


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