Neue Wege der Schulsanierung: Rheinland-pfälzische Gemeinde setzt auf serielle Sanierung

Was fängt man mit einem Schulgebäude aus den 1970ern an, das nur noch in Teilen gebraucht wird und nicht mehr auf dem neuesten Stand ist? Im rheinland-pfälzischen Daleiden fiel die Entscheidung für serielle Sanierung. Ein wichtiger Aspekt dabei für den Bürgermeister: Kostensicherheit beim Umbau.

Serielle Sanierung
Ein Bestandsgebäude zu sanieren und weiterhin für den Schulbetrieb zu nutzen, ist kostenintensiv und aufwendig – es gibt aber zukunftsfähige und bezahlbare Lösungsansätze. Foto: Adobe Stock/Seventyfour

Schnell, einfach und bezahlbar: Das wünschen sich Kommunen, wenn es um die Sanierung ihrer Liegenschaften geht – und genau das kann mit dem Konzept der seriellen Sanierung möglich werden. Mittels millimetergenauer Bestandsaufnahme via Laserscan oder Drohnenbefliegung, digitaler Planung, werkseitiger witterungsgeschützter Vorfertigung und standardisierter Prozesse werden in die Jahre gekommene Gebäude auf einen energetisch hochwertigen und zukunftsfähigen Standard gebracht – und das bei besonders kurzer Bauzeit und hoher Kostensicherheit. Dieses Konzept wird nun auch bei der Sanierung der Grundschule Daleiden in der Verbandsgemeinde (VG) Arzfeld angewendet.

Sinkende Schülerzahlen, ein Schulgebäude mit guter Grundsubstanz, aber mit Brandschutzmängeln, sowie ein seit Jahren nicht nutzbares Unter- und Obergeschoss – mit dieser Situation musste sich die Verbandsgemeinde auseinandersetzen. Für das Schulgebäude aus den 1970er Jahren, das ursprünglich für rund 500 Schüler in der damals noch kombinierten Grund- und Hauptschule ausgelegt war und aktuell rund 65 Grundschüler beherbergt, sollte deshalb ein neues Konzept entwickelt werden.

Weitere Nutzer ziehen in die Schule

Ein innovativer Entwurf des Architekturbüros Axt, das die Sanierung und Weiternutzung des gesamten zweistöckigen und teilunterkellerten Gebäudes in einer Mischnutzung vorsieht, hat den Gemeinderat überzeugt. So sollen neben den Räumlichkeiten für die Grundschule auch die Gemeinde, die Feuerwehr und verschiedene Vereine Räume im Gebäude erhalten. Außerdem sind acht Wohnungen geplant, vier davon barrierefrei.

„Die Bausubstanz war durchaus noch erhaltenswert. Der Vorteil für den Schulbetrieb ist, dass die recht großen Räume für die Schule erhalten bleiben. Bei einem Neubau nach den geltenden Schulbaurichtlinien wären sie um einiges kleiner ausgefallen“, resümiert Architekt Dirk Axt.

Energiesprong-Prinzip

Das Projekt ist ein Leuchtturmprojekt, da es eines der ersten Schulsanierungsprojekte in Rheinland-Pfalz ist, das sich an der seriellen Sanierung nach dem Energiesprong-Prinzip orientiert. Dabei werden die einzelnen Elemente in einer Werkhalle passgenau vorgefertigt und dann vor Ort auf die alte Gebäudehülle montiert.

Durch dieses Vorgehen dauert zwar die Planungsphase länger, da alle Entscheidungen vorab getroffen werden müssen. Dafür geht die Umsetzung auf der Baustelle deutlich schneller vonstatten, die Bauzeit verkürzt sich erheblich. Im besten Falle können dadurch Interimslösungen wie beispielsweise Container vermieden werden. Ein weiterer Vorteil: Die Abstimmung der einzelnen Gewerke auf der Baustelle entfällt, weil die Elemente in einem Werk komplett vorgefertigt werden.

„Wir erreichen mit diesem Vorgehen zudem eine viel höhere Kostensicherheit aufgrund der großen Vorplanung und der kurzen Bauzeit, was uns – gerade nach den Erfahrungen in den letzten Jahren mit extremen Preissteigerungen in kurzer Zeit – sehr wichtig ist“, betont VG-Bürgermeister Johannes Kuhl.

Auch Energieeffizienz und Nachhaltigkeit stehen bei der Sanierung der Schule im Fokus. Treibhausgasemissionen und Energieverbrauch werden stark reduziert – laut Berechnung wird der Energieverbrauch um rund 75 Prozent sinken. Durch den Erhalt der bestehenden Bausubstanz, der Nutzung nachhaltiger Baustoffe und der Sanierung mit Holz erreicht das Projekt eine besonders gute Ökobilanz. Um den Nachhaltigkeitsgedanken abzurunden: Das Gebäude ist bereits jetzt an ein Nahwärmenetz angeschlossen, das mit Holzpellets beheizt wird. Diese wiederum stammen aus dem gemeindeeigenen Wald, ebenso soll die Fassade mit Holz aus heimischen Wäldern verkleidet werden.

Hoher Anteil an Fördermitteln für serielle Sanierung

Rund 14 Millionen Euro wird die Sanierung voraussichtlich kosten, davon wird ein Großteil aus Fördergeldern aufgebracht. Etwa acht Millionen sind bereits bewilligt. Für weitere zwei Millionen Euro wartet die Gemeinde aktuell noch auf den Bewilligungsbescheid. Dabei kommen Fördergelder aus acht verschiedenen Förderprogrammen zum Einsatz.

Aktuell startet das Projekt nun in die Ausführungsphase, das heißt, Ausschreibung und Vergabe stehen an. Bis Ende 2027 soll der Schulbetrieb wieder laufen. „Wir gehen mit der seriellen Sanierung neue Wege – ich kann mir gut vorstellen, dieses Prinzip künftig auch auf andere Liegenschaften auszuweiten“, blickt Bürgermeister Kuhl positiv in die Zukunft.

Die ersten Kommunen starten jetzt

Im Rahmen einer im Mai 2023 gestarteten Initiative hat die Deutsche Energie-Agentur (dena) gemeinsam mit der Energieagentur Rheinland-Pfalz und dem Holzbau-Cluster Rheinland-Pfalz Kommunen in unserem Bundesland umfassend über das serielle Sanieren informiert, zu Fördermöglichkeiten beraten, bei der Gebäudeauswahl unterstützt, durch den Ausschreibungsprozess begleitet und zum regelmäßigen Erfahrungsaustausch eingeladen.

Die Verbandsgemeinde Arzfeld ist eine der ersten Kommunen in Rheinland-Pfalz, die eine Schule seriell sanieren lässt. Die Verbandsgemeinde Arzfeld hat sich als KKP-Gemeinde (Kommunaler Klimapakt) zu den Klimaschutzzielen des Landes und zu forciertem Engagement im Klimaschutz und bei der Anpassung an die Klimawandelfolgen bekannt.

Anja Simon


Die Autorin

Dipl.-Ing. Architektin (FH) Anja Simon ist Fachmitarbeiterin Energieeffiziente Gebäude bei der Energieagentur
Rheinland-Pfalz
.


Mehr zum Thema

Schule als Lebensraum

Schule als Lebensraum: Wie Kommunen Schulen zu lebendigen Bildungsorten entwickeln

Im nächsten Jahr wird der Rechtsanspruch auf Ganztagsversorgung in Grundschulen wirksam – viele Einrichtungen sind aber noch nicht auf die …
Schulbau

Beschleunigter Schulbau, hohe Standards: Praxisbeispiele zeigen, wie sich die Qualität sicherstellen lässt

Kommunen sollten Einfluss auf die Raumplanung nehmen und sich für eine gute Lernumgebungengagieren – so der Appell der Schul(bau)experten. Wo …
Naturnahe Schul- und Kita-Außenanlagen

Naturnahe Schul- und Kita-Außenanlagen: Was es bei der Gestaltung zu bedenken gibt

Die Stadt Hamburg will ihre Schul- und Kita-Außenanlagen naturnah gestalten. Als Planungsgrundlage nutzt sie hierbei das Praxishandbuch „Naturnahe Baustandards“, das …