Wie der Digitalpakt Schule 2.0 in den Klassenräumen ankommen sollte

Fünf Milliarden Euro Fördermittel von Bund und Ländern bis 2030 sieht der Digitalpakt Schule 2.0 vor. Für den Verband Bildung und Erziehung ordnet Tomi Neckov die Digitalisierungsschübe ein – und  erläutert, was sich Pädagogen jetzt von den Kommunen erhoffen.

Der Digitalpakt Schule 2.0
Es gibt viel zu tun: An einigen Schulen fehlen noch Geräte – vor allem aber soll es mit den Fördermitteln des Digitalpakts 2.0 um Strukturen und Kontinuität gehen. Foto: Adobe Stock/contrastwerkstatt

Die frühere Bildungsministerin Johanna Wanka bewies Weitsicht, als sie den Digitalpakt ankündigte, zumal dafür zunächst die rechtlichen Voraussetzungen der föderalen Kooperation geschaffen werden mussten. Ein Paukenschlag – auch für das Kabinett, wenn man den Berichten glauben darf.

Die Ausgestaltung war jedoch ein Bürokratiemonster. Schulleitungen und das Kollegium mussten seitenlange Abhandlungen schreiben, wie sie den Unterricht gestalten und verändern würden, wenn sie denn zum einen eine digitale Infrastruktur hätten, die sie noch nicht hatten, und zum anderen fortgebildet wären, was sie noch nicht waren. Ein absoluter Treppenwitz!

Booster für die Digitalisierung

Die Coronapandemie wirkte dann wie ein Katalysator für die Digitalisierung an Schulen. Ohne den Digitalpakt und die Coronahilfen hätten viele Schulen heute weder stabiles WLAN noch digitale Endgeräte in einem Umfang, der zeitgemäßen Unterricht überhaupt ermöglicht. Das brachte den Infrastruktursschub, den es brauchte.

Das Auslaufen des Digitalpakts Schule ohne eine Anschlussfinanzierung sicherzustellen, war schlicht frevelhaft. Vom Sommer 2024 an bis heute fließen keine zusätzlichen Bundesgelder. Natürlich ist es Aufgabe der Länder, die notwendige Bildungsinfrastruktur herzustellen. Wir haben jedoch gesehen, dass dies ohne zusätzliche Investitionen kaum gelingt. In Zeiten klammer Kassen gibt es in manchen Kommunen Abwägungsprozesse, die nachvollziehbar sind, aber eben nur auf einen intakten und keinen modernen Schulraum abzielen (können).

Mancherorts sind nicht einmal die Basics erfüllt: So gaben in einer repräsentativen forsa-Umfragen im Auftrag des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) im Herbst 2024, wie auch im Jahr zuvor, noch immer zehn Prozent der Schulleitungen an, keinen einzigen Klassensatz an digitalen Endgeräten zu haben.

Der Digitalpakt Schule 2.0 als wichtiges Signal

Zudem sind Geräte, die mit den ersten Investitionsgeldern 2019 beschafft wurden, längst veraltet. Sieben Jahre sind an weiterführenden Schulen eine komplette Schülergeneration. Digitalisierung ist kein Projekt mit Enddatum, sondern eine Daueraufgabe. Wenn Finanzierung nur zeitlich begrenzt gedacht wird, entsteht immer wieder Unsicherheit. 

Mit dem Digitalpakt 2.0 ist nun immerhin sichergestellt, dass es weitergeht. Das ist ein wichtiges Signal, denn Schulen brauchen Planungssicherheit – gerade in einer Zeit, in der sich Technologien rasant weiterentwickeln. Positiv ist, dass unserer Forderung, die Antragsverfahren zu vereinfachen, nachgekommen wurde. Die Mittel müssen schnell und unbürokratisch bei den Schulen ankommen. 

Kontinuität als Schlüsselfaktor

Gleichzeitig dürfen wir uns nichts vormachen: Das Volumen bleibt deutlich hinter dem ersten Digitalpakt zurück. Zudem können Länder bereits geplante Projekte auf ihren Eigenanteil anrechnen. So besteht die Gefahr, dass am Ende weniger zusätzliche Investitionen entstehen, als auf dem Papier versprochen. Digitalisierung braucht aber echte Zusatzmittel – keine rechnerischen Verschiebungen.

Am Ende geht es auch darum, wie fair die Länder mit den Schulträgern umgehen. Denn die tragen eine enorme Verantwortung: Sie müssen Digitalisierung strategisch denken und nicht nur projektbezogen. Es braucht verlässliche IT-Strukturen, professionellen Support und Wartungskonzepte. Lehrkräfte dürfen nicht zu nebenamtlichen Administratoren werden.

Und: Welche Plattform eingeführt wird, welche Ausstattung beschafft wird – das darf nicht allein unter Kostengesichtspunkten entschieden werden, sondern muss zur schulischen Entwicklung passen. Wir dürfen nicht in einer Infrastrukturdebatte stecken bleiben. Wenn wir Digitalisierung ernst nehmen, müssen wir sie als Bestandteil einer umfassenden Schul- und Unterrichtsentwicklung verstehen.

Kommunen, die zentrale IT-Teams für mehrere Schulen aufgebaut haben, entlasten Lehrkräfte spürbar. Schulträger, die einheitliche, datenschutzkonforme Plattformen bereitstellen und sie mit verbindlichen Fortbildungsangeboten verknüpfen, schaffen echte Entwicklungsräume. Und Schulen, denen Zeitressourcen für digitale Schulentwicklung eingeräumt werden, können Innovation tatsächlich umsetzen. So entsteht im Zusammenspiel von Infrastruktur, Support, Fortbildung und pädagogischem Konzept die notwendige Dynamik.

Wie es weitergehen sollte

Der Digitalpakt war richtig und notwendig. Der Digitalpakt 2.0 sorgt für Planungssicherheit in den nächsten Jahren und administrative Verbesserungen, bleibt aber hinter dem zurück, was erforderlich wäre.

Gerade mit Blick auf KI und neue Lernformen brauchen wir zusätzliche Investitionen und eine langfristige Perspektive. Daher wird sich der Verband Bildung und Erziehung für kontinuierliche Zusatzfinanzierung einsetzen, statt von Pakt zu Pakt zu denken.

Tomi Neckov


Der Autor

Tomi Neckov ist Bundesvorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE).


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