Auf steigende Schülerzahlen und den Ausbau zum Ganztagsbetrieb hat Marburg mit einem Modulbau reagiert. Zentrales Anliegen: pädagogische Konzepte mit nachhaltiger Bauweise zu verbinden. Wie das funktioniert und wo die Schwerpunkte des Baukonzepts liegen, erläutert Patricia Grähling von der Pressestelle.

Die Universitätsstadt Marburg hat im Sommer 2025 den neuen Modulbau der Astrid-Lindgren-Schule (ALS) am Richtsberg offiziell in Betrieb genommen. Mit einer Investition von zehneinhalb Millionen Euro, davon zwei Millionen Euro aus Fördermitteln des Landes Hessen, schafft die Stadt zusätzlichen Raum für zeitgemäßes Lernen.
Zudem setzt sie neue Maßstäbe im kommunalen Hochbau. Der Neubau reagiert auf veränderte Bedarfe durch steigende Schülerzahlen und den Ausbau zum Ganztagsbetrieb. Geplant und umgesetzt wurde das Projekt in enger Abstimmung zwischen Hochbauamt, Schulverwaltung, Schulleitung und Stadtteilvertretung. Das pädagogische Konzept orientiert sich am Münchner Lernhaus-Modell.
Der dreigeschossige Erweiterungsbau bietet acht Unterrichts-, fünf Differenzierungs- und Teamräume sowie zwei Bewegungsräume. Offene Grundrisse mit Sichtbeziehungen schaffen eine Lernumgebung, die sowohl gemeinsames als auch individuelles Arbeiten fördert. Die Unterrichtsräume wurden mit digitalen Tafeln ausgestattet und ermöglichen unterschiedliche Nutzungen.
Was die Modulbauweise leisten kann
Zwei zentrale „Mitten“ und Multifunktionsbereiche dienen als flexible Kommunikations- und Aufenthaltszonen. Durch die Schülerinnen und Schüler sowie das engagierte Team der Lehrerrinnen und Lehrer der ALS und der Ganztagsbetreuung kann das neue Gebäude nun zu „ihrer“ Schule und damit nicht nur zum Aufenthalts- und Lernort, sondern auch zum Lebensort werden.
Nachhaltigkeit als Leitprinzip
Die Planung startete Anfang 2023, die Fertigstellung erfolgte bereits im Frühjahr 2025 – ein ungewöhnlich kurzer Zeitraum für ein Projekt dieser Größenordnung. Möglich wurde dies durch die modulare Holz-Stahl-Hybridbauweise. Sie erlaubt hohe Präzision in der Vorfertigung und verkürzt die Bauzeit deutlich. „Ich bin stolz auf die Geschwindigkeit und Qualität, mit der das Hochbau-Team dieses Projekt umgesetzt hat“, sagte Stadtrat Michael Kopatz bei der Eröffnung.
„Hier zeigt sich, was kommunale Projektsteuerung leisten kann, wenn pädagogische Zielsetzungen, Nachhaltigkeit und effiziente Bauprozesse von Beginn an zusammengedacht werden.“ Das Schulgebäude mit einer Bruttogrundfläche von rund 2500 Quadratmeter erreicht den energetischen Standard KfW 40.
Zwei invertergeregelte Luft/Wasser-Wärmepumpen in Kombination mit einer Photovoltaikanlage gewährleisten eine effiziente, regenerative Wärmeversorgung. Bei Bedarf werden die Wärmepumpen durch elektrisch betriebene Heizstäbe unterstützt. Das Gebäude kommt dadurch auch im Winter ohne zusätzliche Gasheizung aus und kann ohne fossile Energieträger betrieben werden.
Ein extensiv begrüntes Dach trägt zur Verdunstungskühlung und zur Regenrückhaltung bei und verbessert das Mikroklima im Stadtteil.
Aufwertung des Außenbereichs
„Nachhaltiges Bauen bedeutet für uns nicht nur CO2-Einsparung, sondern auch Zukunftsfähigkeit in Betrieb und Nutzung“, so Stadtrat Kopatz. „Die Kombination aus modularer Bauweise, energieeffizienter Technik und pädagogischer Flexibilität ist in dieser Form vorbildlich.“ Der Neubau ist vollständig barrierearm gestaltet. Ein Aufzug sowie rollstuhlgerechte Sanitäreinheiten sichern den gleichberechtigten Zugang zu allen Lernbereichen.
Der Außenbereich wurde ebenfalls aufgewertet. Die neu gepflasterte Zuwegung zum Erweiterungsgebäude einschließlich der Turnhalle der Richtsberg Gesamtschule sowie die Zuwegung zu zwei Bolzplätzen lässt die beiden Schulen – die Richtsberg Gesamtschule und die Astrid-Lindgren-Schule – näher zusammenwachsen.
Unterschiedliche Anliegen in einem Gesamtkonzept
Eine neue Verbindungstreppe und eine barrierefreie Zuwegungsbrücke werden das Gebäude künftig optimal an den oberen Schulhof anbinden. Der Campuscharakter des Schulstandorts Richtsberg wird durch die Baumaßnahmen betont. Parallel entsteht eine Mensa mit Küche und Cafeteria für rund 400 Kinder. Sie ist integraler Bestandteil der Ganztagsentwicklung und ermöglicht gemeinsame Mahlzeiten als Teil des pädagogischen Konzepts.
Die Küche gibt Raum für die Zubereitung von frischen Gerichten vor Ort wie auch für eine Zubereitung nach dem Cook and Freeze-Konzept, bei dem eingefrorene Lebensmittel nach Bedarf erwärmt werden. Dafür wurden Kombidämpfer installiert, die mit Wasserdampf das Essen schnell und schonend erwärmen.
Maßstab für die Zukunft
Mit dem Modulbau an der Astrid-Lindgren-Schule hat die Universitätsstadt Marburg gezeigt, wie kommunale Bildungsinfrastruktur nachhaltig, effizient und pädagogisch sinnvoll gestaltet werden kann.
Das Projekt steht beispielhaft für interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Fachämtern, Schule und Politik. Zudem steht es für zeit- und kosteneffiziente Realisierung durch modulare Hybridbauweise, für klimafreundliche und zukunftssichere Gebäudetechnik, sowie für pädagogische Architektur, die flexible Lernformen ermöglicht.
So verbindet Marburg kommunale Verantwortung mit Innovationskraft – und schafft einen Maßstab für zukünftige Schulbauten.
Patricia Grähling
Die Autorin
Patricia Grähling ist für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Marburg zuständig.



