Vom Funkloch zur Versorgung: Was Kommunen für den Mobilfunkausbau vor Ort tun können

In einigen ländlichen Regionen kennt man es nach wie vor: Es gibt kein Netz. Die weißen Flecken sollen verschwinden, ein Selbstläufer ist das aber nicht – was geht, und was können Kommunen tun, um zu unterstützen? Eine aktuelle Zwischenbilanz aus der Mobilfunkinfrastrukturgesellschaft.

Mobilfunkausbau
Wenn man nicht weiß, ob man lachen oder weinen soll: eine Panne irgendwo auf dem Land – und kein Netz, nicht mal auf dem Autodach. Diese weißen Flecken sollen bald Vergangenheit sein. Foto: Adobe Stock/Fabian

Seit ihrer Gründung vor fünf Jahren treibt die Mobilfunkinfrastrukturgesellschaft (MIG) den geförderten Mobilfunkausbau in Deutschland voran – konkret dort, wo Netzanbieter bisher keine eigenwirtschaftlichen Ausbaupläne hatten: in abgelegenen und schwer auszubauenden ländlichen Regionen. Bis zum Auslaufen des Mobilfunk-Förderprogramms des Bundes Ende 2024 sind insgesamt 267 neue Mobilfunkstandorte initiiert worden, um gezielt Versorgungslücken – sogenannte weiße Flecken –  vor allem in ländlich geprägten Regionen zu schließen.

Parallel dazu hat die Arbeit der MIG zu einer Marktbelebung geführt. Für rund 570 weitere unversorgte Gebiete meldeten die Netzbetreiber eigenwirtschaftliche Ausbauabsichten an. Die Zusammenarbeit zwischen Kommunen, Netzbetreibern, Tower Companies und Bürgerschaft hat sich dadurch deutlich intensiviert. Der Mobilfunkausbau wird heute vielerorts transparenter wahrgenommen und strukturierter begleitet als noch vor wenigen Jahren.

Den Mobilfunkausbau vorantreiben

Die Mobilfunkinfrastrukturgesellschaft ist eine bundeseigene Gesellschaft im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS). Gegründet 2021 als Tochterunternehmen der bundeseigenen Toll Collect GmbH, fördert sie den Mobilfunkausbau in unterversorgten ländlichen Regionen, koordiniert, vermittelt Akteure und begleitet den eigenwirtschaftlichen Ausbau. Die MIG baut selbst keine Masten, sondern sorgt für fachliche und organisatorische Begleitung sowie Moderation.

Der Ausbau im ländlichen Raum ist anspruchsvoll. Topografie, Waldflächen und abgelegene Täler bedeuten hohe technische und planerische Hürden. Lange Anbindungswege an Strom- und Glasfasernetze, Umwelt- und Naturschutzauflagen sowie Widerstand aus der Bevölkerung verzögern die Umsetzung.

„Das Schließen weißer Flecken ist keine Serienproduktion, sondern echte Manufakturarbeit“, sagt Ernst Ferdinand Wilmsmann, Geschäftsführer der MIG. „Jeder Standort ist anders und erfordert individuelle Lösungen sowie enge Zusammenarbeit aller Beteiligten.“ Hinzu kommen langwierige Genehmigungsverfahren und knappe Personalressourcen in Kommunalverwaltungen. Ohne frühzeitige Planung, klare Zuständigkeiten und aktive Bürgerkommunikation lassen sich weder Zeitpläne halten noch Akzeptanz sichern.

Kommunen als Mitgestalter

Neben der aktiven Begleitung der Förderprojekte ist die MIG für Kommunen auch zusätzlich eine neutrale Ansprechpartnerin, Beraterin und Vermittlerin in Fragen des Mobilfunkausbaus. Ob Versorgungsanalysen, Standortsuche, Moderation von Interessenskonflikten oder Unterstützung beim Abbau lokaler Hemmnisse: Als Kümmerer vor Ort unterstützt die MIG die Kommunen mit dem Ziel, die flächendeckende Mobilfunkversorgung voranzutreiben.

Aktuell wird mit Nachdruck daran gearbeitet, dass die geförderten Standorte zügig errichtet, mit Antennen bestückt und in Betrieb genommen werden. Wilmsmann betont: „Jetzt kommt es darauf an, die beschiedenen Projekte konsequent umzusetzen.“

Kommunen sind beim Mobilfunkausbau nicht nur Betroffene, sondern zentrale Mitgestalter. Entscheidend ist eine frühzeitige Bereitstellung geeigneter Flächen, eine aktive Begleitung und Beschleunigung von Genehmigungen sowie eine transparente Bürgerkommunikation.

Was vor Ort hilft

Best Practice-Beispiele für Kooperationen sind Rahmenverträge mit Landesforsten, dem Deutschen Bauernverband sowie dem Deutschen Städte- und Gemeindebund. Die MIG hat mit mehreren Landesforsten Verträge geschlossen, um Waldflächen für geförderte Standorte schnell zu sichern. So lassen sich weiße Flecken zügiger schließen.

Ein weiteres Beispiel, das zeigt, wie es vorangehen kann, ist Glasehausen in Thüringen: Auf Wunsch der Stadt Bad Heiligenstadt begleitete die MIG vor Ort die Planung eines Mobilfunkmastes. Ursprünglich war der Standort auf einem nicht mehr genutzten Sportplatz vorgesehen. Nach einer Belebung des Geländes durch die örtliche Jugend stand dieser Standort jedoch nicht mehr zur Verfügung.

Durch einen gemeinsamen Ortstermin konnten alternative Standorte in der Nähe identifiziert und besichtigt werden. Die enge Abstimmung zwischen Kommune, Ortschaft, MIG und dem Fördermittelempfänger ermöglichte eine praktikable Lösung, die den Ausbau fortführt und die Bedürfnisse der Bevölkerung berücksichtigt.

Die MIG wird auch zukünftig eng mit Kommunen, Netzbetreibern sowie Bürgerinnen und Bürgern zusammenarbeiten, um den Mobilfunkausbau weiter voranzubringen. Das Ziel bleibt: Breitband- und Mobilfunkversorgung auch in entlegenen Regionen zuverlässig sicherzustellen.

Hauke Heuer


Der Autor

Hauke Heuer ist Pressereferent bei der Mobilfunkinfrastrukturgesellschaft mbH (MIG) in Naumburg (Saale).


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