Kommunaler Hitzeschutz: Strategien für lebenswerte Städte im Klimawandel

Langanhaltende Sommerhitze mit hohen Nachttemperaturen erweist sich als große Herausforderung für versiegelte (Stadt-) Räume. Wie Kommunen sich vorbereiten und reagieren können, weiß Gesundheitsexpertin Michaela Goecke.

Kommunaler Hitzeschutz
Hitze als Gesundheitsrisiko: Kommunen sollten urbane Räume anders planen – und über die Belastungen durch hohe Temperaturen informieren. Foto: Adobe Stock/kieferpix

Hitze wird zu einem immer größeren Problem. Wetteraufzeichnungen zeigen, dass durch den Klimawandel die Temperaturen in Deutschland deutlich gestiegen sind: Seit 1881 wurden elf besonders warme Jahre registriert, acht davon zwischen 2000 und 2018. Hitzewellen dauern immer länger und werden intensiver, extreme Hitzeperioden werden weiter zunehmen – so die langfristigen Klimavorhersagen.

In Deutschland sind zunehmend und besonders der Südwesten und die östlichen Regionen betroffen. Dabei gehen die Hitzebelastungen in ganz Deutschland mit einem demografischen Wandel einher. Das verschärft die Risiken, denn gerade ältere Menschen – wie auch Menschen mit Vorerkrankungen – sind bei Hitzewellen gesundheitlich besonders gefährdet: Im Jahr 2023 starben nach Angaben des Robert Koch-Instituts mehr als 3200 Menschen an den Folgen extremer Hitze.

Den kommunalen Hitzeschutz passgenau planen

Hitzeschutz ist eine Aufgabe sowohl für Großstädte als auch für kleinere Kommunen. In der Regel ist allerdings ein großstädtisches und dicht bebautes Umfeld stärker von Hitzebelastungen betroffen als ein eher ländliches Umfeld. Die großen versiegelten Flächen und die kleineren Grün- und Baumflächen bewirken, dass sich in Großstädten grundsätzlich mehr Wärme speichert (Wärmeinseleffekte). Aber auch kleinere Städte können von Hitzebelastungen stark betroffen sein.

Daher ist es empfehlenswert, eine genaue Analyse vor Ort durchzuführen, um besonders hitzegefährdete Stadtteile zu identifizieren und den kommunalen Hitzeschutz passgenau zu planen. Wichtige Parameter für eine Analyse sind unter anderem die Bevölkerungsstruktur, die Bebauungsart, der Anteil von Frei- und Grünflächen, das Vorhandensein von Frischluftschneisen sowie die Erreichbarkeit von Erholungsräumen.

Warnsysteme können viel bewirken

Städte können viel zum Hitzeschutz beitragen, indem sie Menschen praxisnahe Handlungsempfehlungen geben und über anstehende Hitzewellen im Vorfeld informieren. Hierzu bietet der Deutsche Wetterdienst in seinem Newsletter spezielle Hitzewarnungen für Landkreise und Städte. Die Hitzewarnsysteme sind eine wichtige Grundlage für den kommunalen Hitzeschutz. Bei der Information in die Bevölkerung sollten besonders gefährdete Gruppen wie ältere Menschen, chronisch Kranke, Pflegebedürftige, aber auch Eltern von Babys und Kleinkindern im Fokus stehen.

Auch medizinisches Personal, ambulant und stationär tätiges Pflegepersonal sowie pädagogische Fachkräfte sind zu adressieren. Ebenso Netzwerke der Nachbarschaftshilfe oder ehrenamtlich Tätige, denn alleinlebende ältere Menschen können besonders betroffen sein.

Informationen können auch über Mitteilungen in Gemeindenachrichten, über kommunale Internetseiten, in den sozialen Medien sowie in lokalen Printmedien und Radiosendern kommuniziert werden. In Begegnungsstätten, sozialen Einrichtungen und Beratungsstellen, Arztpraxen, Apotheken, Notfalldiensten, Krankenhäusern, Kirchen oder Sportvereinen können Materialien zum Hitzeschutz ausgelegt werden.

Onlinetool unterstützt beim Hitzeschutz

Sowohl für größere als auch für kleinere Städte ist es sinnvoll, hitzetaugliche Infrastrukturen zu schaffen: Frischluftschneisen, öffentliche Schattenplätze, offene Grasflächen, die nachts kühlen, und baumüberstandene Bereiche wie Rad- und Fußwege, die tagsüber für Abkühlung sorgen, sind nur einige Beispiele. Öffentliche Räumlichkeiten wie Behörden, Einkaufspassagen oder Büchereien können bei Hitzewellen als kühle Rückzugsorte genutzt werden.

Bauliche Maßnahmen sind zum Beispiel: die Nutzung von Thermoglas und integrierten Lamellenjalousien, die Verwendung von hitzereduzierenden Baumaterialien, die Beschattung durch Dachüberhänge, die Verschattung von Dächern durch Solaranlagen und natürlich die Installation von Trinkwasserbrunnen im öffentlichen Raum.

Kommunaler Hitzeschutz gelingt gemeinsam am besten, da viele unterschiedliche Zuständigkeiten mitwirken. Neben den Bereichen Gesundheit, Umwelt, Stadt- und Raumplanung, Bauwesen und Verkehrsinfrastrukturplanung sind auch Verantwortliche für Kitas, Schulen oder Pflege- und Betreuungseinrichtungen einzubinden. Die Bildung von Netzwerken ist eine gute Möglichkeit, eine starke Gemeinschaft zu formen.

Um Menschen vor Ort in den Prozess einzubinden, können Kommunen das Onlinetool „StadtRaumMonitor“ nutzen. Bei der Bewertung, wie lebenswert man seine Umgebung findet, spielt auch der kommunale Hitzeschutz eine Rolle. Kommunen können sich kostenfrei registrieren, um das Tool einzusetzen.

Gute Beispiele zum Nachahmen

Viele Städte sind beim Hitzeschutz bereits aktiv. So fördert Bonn unter anderem die Begrünung von Gebäuden sowie die Entsiegelung und Begrünung von Flächen. In Dresden beschäftigt man sich mit der Hitzeanpassung von Haltestellen. Kaiserslautern erweitert seine Grünräume durch Entsiegelung und Begrünung, Verschattung öffentlicher Räume sowie Dach- und Fassadenbegrünung.

Ein weiteres Beispiel ist Nürnberg: Die Stadt bietet im Ratgeber „Klimawandel und Gesundheit“ beispielsweise eine Karte mit den Trinkwasserbrunnen der Stadt. Köln erreicht mit dem „Hitzeaktionsplan für Menschen im Alter“ insbesondere alleinlebende Menschen. Kassel bietet mit dem Hitzetelefon „Sonnenschirm“ einen Informationsdienst für ältere Menschen.

Michaela Goecke


Die Autorin

Michaela Goecke ist Abteilungsleiterin für themenspezifische gesundheitliche Aufklärung im Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit in Köln.


Hitzeaktionsplan

Kommunaler Hitzeschutz sollte im besten Fall in einem langfristig angelegten Hitzeaktionsplan festgeschrieben werden. Beim „HitzeService-Portal“ finden Kommunen Anregungen dafür, wie sie ihn passgenau entwickeln und umsetzen können.

Infomaterial

Über die Website „klima-mensch-gesundheit.de“ können Kommunen Materialien zum Thema Hitzeschutz bestellen.

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