Wie der Ausbau der Photovoltaik (PV) Kommunen nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch voranbringen kann, weiß Katharina Habersbrunner: Für das Bündnis Bürgerenergie (BBEn) schlüsselt sie auf, welche Rahmenbedingungen PV braucht, um ihr Potenzial entfalten zu können.

Der Ausbau der Photovoltaik (PV) in Deutschland hat sich seit 2020 deutlich beschleunigt. Besonders
stark gewachsen sind sowohl Dachanlagen als auch große Freiflächenanlagen. Damit deckt Solarenergie bereits rund 18 Prozent des deutschen Stromverbrauchs. Die installierte Solarleistung hat sich damit laut Fraunhofer ISE innerhalb von fünf Jahren mehr als verdoppelt.
Dachanlagen bilden weiterhin den größten Teil der installierten Anlagenzahl. Viele kommunale Dächer und Flächen werden für PV genutzt. Dachanlagen auf kommunalen Gebäuden, Schulen, Verwaltungsgebäuden oder Betriebshöfen erleben einen starken Zubau.
Kommunale Gestaltungsaufgabe
Damit sind Städte und Gemeinden heute zentrale Akteure der Energiewende: Sie stellen Flächen bereit, entwickeln kommunale Strategien, moderieren Beteiligungsprozesse und profitieren im besten Fall direkt von den wirtschaftlichen Effekten. Für Kommunen ist Solarenergie damit weit mehr als Klimaschutz – sie wird zunehmend zu einem Standort-, Infrastruktur- und Wirtschaftsfaktor. Dieser Ausbau kann durch die Kommunen selbst, durch Gemeindewerke und mit Bürgerenergiegemeinschaften vorangebracht werden.
Aus Sicht des Bündnis Bürgerenergie (BBEn) als Dachorganisation der Bürgerenergiegemeinschaften in Deutschland zeigt sich: Dort, wo Kommunen den Ausbau strategisch gestalten und die Menschen vor Ort beteiligen, entstehen nicht nur neue Erzeugungskapazitäten, sondern auch wirtschaftliche Perspektiven und neue Handlungsspielräume für die kommunale Entwicklung.
Eine aktuelle Studie von Berlin-Institut, IÖW und IW Consult macht die Potenziale deutlich: Bereits heute entstehen durch Wind- und Solarenergie bundesweit direkte Wertschöpfungseffekte von rund zehn Milliarden Euro jährlich. Bis 2033 könnten sich diese Effekte auf über 20 Milliarden Euro mehr als verdoppeln.
Besonders relevant für Städte und Gemeinden: Mehr als die Hälfte dieser Wertschöpfung kann direkt in den Regionen verbleiben – durch kommunale Flächenverpachtung, Gewerbesteuern, Beteiligungen an Anlagen oder Aufträge für regionale Handwerksbetriebe. Gerade bei PV bleibt ein großer Teil der Wertschöpfung vor Ort, weil Installation und Wartung häufig regional erfolgen.
Akzeptanz entsteht durch Beteiligung
Die Studie zeigt auch: Regionen mit starkem Solarausbau verzeichnen messbare wirtschaftliche Effekte. In Spitzenregionen lässt sich ein erheblicher Teil des regionalen Wirtschaftswachstums auf den Ausbau der Solarenergie zurückführen. Mit positiven Nebeneffekten etwa für Jobs, kommunale Einnahmen oder Infrastrukturentwicklung.
Viele Kommunen haben in den vergangenen Jahren bereits wichtige Schritte unternommen. Sie entwickeln Solarkataster, statten kommunale Dächer systematisch mit PV-Anlagen aus, weisen Flächen für Freiflächenanlagen aus und setzen die Projekte mit Bürgerenergiegemeinschaften um.
Was auch deutlich wird: Akzeptanz entsteht nicht allein durch Information, sondern vor allem durch Beteiligung. Dort, wo Bürgerinnen und Bürger finanziell beteiligt werden und Kommunen selbst aktiv mitgestalten, wächst die Unterstützung für Projekte deutlich. Bürgerenergie wird damit zu einem wichtigen Instrument kommunaler Standortpolitik.
Wertschöpfung vor Ort
Eine zentrale Herausforderung besteht weiterhin darin, dass wirtschaftliche Erträge häufig aus den Regionen abfließen – etwa wenn externe Investoren oder große Projektentwickler dominieren. Die oben genannte Studie spricht hier von „Wertschöpfungslücken“. Kommunen können diesen Entwicklungen aktiv entgegenwirken, indem sie kommunale Handlungsmöglichkeiten konsequent nutzen:
- Kommunale Dächer und Freiflächen systematisch für PV erschließen,
- private Freiflächen einer Potenzialanalyse unterziehen,
- Bürgerenergie-Akteure stärken und frühzeitig einbinden,
- Stadtwerke als lokale Umsetzungspartner stärken,
- Beteiligungsmodelle für Bürger anbieten oder einfordern,
- Planungs- und Genehmigungsprozesse vereinfachen und beschleunigen,
- regionale Wertschöpfung und Bürgerbeteiligung in Leistungsbeschreibungen, Zuschlagskriterien und Interessenbekundungsverfahren berücksichtigen.
Wo Bürgerbeteiligung bereits wirkt
Kommunen wie Bakum, Wildpoldsried oder Neuried bei München zeigen, wie sich der Ausbau erneuerbarer Energien erfolgreich mit regionaler Entwicklung verbinden lässt. Dort entstehen Einnahmen, neue Arbeitsplätze sowie Investitionen in Infrastruktur und lokale Versorgung.
Wildpoldsried in Bayern verbindet kommunale Planung mit hoher Bürgerbeteiligung und lokaler Wertschöpfung. Die Gemeinde Bakum (Niedersachsen) hat ein Pionierprojekt für Energy Sharing gestartet, bei dem lokal erzeugter PV-Strom von 40 Haushalten und kommunalen Gebäuden (Schule, Sporthalle, Rathaus) virtuell geteilt wird. Neuried setzt alle PV-Projekte mit der lokalen Energiegenossenschaft und Bürgerbeteiligung um.
Erfolgreich sind Kommunen, die den Ausbau nicht nur verwalten, sondern aktiv gestalten. Als Erfolgsfaktor zeigt sich: Solarenergie sollte nicht nur als Klimaschutzprojekt verstanden werden, sondern als kommunale Investition in wirtschaftliche Stabilität, Versorgungssicherheit und regionale Entwicklung.
Kommunen, die mit Bürgerbeteiligung die Solarenergie ausbauen wollen, können Unterstützung erhalten – etwa über das Beratungsnetzwerk ViBE, eine Kooperation von Bündnis Bürgerenergie und dem Netzwerk Energiewende Jetzt. Dort erhalten Kommunen praxisnahe Beratung zu Bürgerenergie, Beteiligungsmodellen und regionaler Wertschöpfung.
Katharina Haberbrunner
Die Autorin
Katharina Habersbrunner ist Senior Expertin für Bürgerenergie beim BBEn, Vorstandsvorsitzende der Energiegenossenschaft BENG eG und Mitglied im Fachausschuss Genossenschaften im Genossenschaftsverband Bayern.
Zum Weiterlesen
- In einer Zwischenbilanz zum Jahresbeginn hat das Fraunhofer ISE die beachtliche Entwicklung der Solarenergie hervorgehoben.
- Eine Studie von Berlin-Institut, IÖW und IW Consult verdeutlicht die Potenziale der regionalen Wertschöpfung durch erneuerbare Energien.



