Mobilitätsplanung für den ländlichen Raum: Diese 3 Gestaltungsfelder beeinflussen den Erfolg

Ländliche Kommunen müssen ihre Mobilität neu denken – oft unter schwierigen Bedingungen. Was weiterhilft und wie es vorwärts gehen kann, zeigt eine Studie des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung.

Mobilitätsplanung für den ländlichen Raum
Die Herausforderung: Mobilität gestalten, die nicht mehr Pkw-zentriert ist, sondern vielfältige Bewegungsformen integriert, nachhaltig und auf individuelle Bedürfnisse eingestellt ist. Foto: Adobe Stock/Kim

Kommunale Verwaltungen in ländlichen Räumen stehen bei der Mobilitätsplanung meist vor großen
Herausforderungen: Disperse Siedlungsstrukturen erschweren die Bündelung von ÖPNV-Fahrten; aufgrund unzureichender Nachfrage wird das Angebot weiter ausgedünnt; Geschäfte und Einrichtungen werden oft zentralisiert; Mittel zum Erhalt von Infrastruktur und Mobilitätsmaßnahmen stehen nicht immer in ausreichendem Maße zur Verfügung. Daher ist die Bevölkerung in ländlichen Räumen bei fehlenden alternativen Mobilitätsangeboten oft auf den motorisierten Individualverkehr angewiesen.

Kommunen stehen dennoch vor dem politischen und gesellschaftlichen Auftrag, eine Mobilitätswende zu gestalten – weg von einer Pkw-orientierten Mobilität hin zu einer nachhaltigen und daher zunehmend multimodalen Mobilität, die individuelle Bedürfnisse der Bevölkerung in den Fokus der Planung stellt. Die strategisch-planerische Arbeit muss in konkrete Umsetzungsmaßnahmen und Mobilitätsangebote überführt werden – trotz Ressourcenmangel, fehlendem Personal oder knapper Finanzmittel. Sich ändernde gesetzliche oder technische Rahmenbedingungen sowie neue digitale Möglichkeiten erfordern vielfältige Kompetenzen des Personals.

Worauf es bei der Mobilitätsplanung für den ländlichen Raum ankommt

Im Rahmen des Forschungsprojekts „Erfolgsversprechende Faktoren innerhalb kommunaler Verwaltungsstrukturen für eine erfolgreiche Mobilitätsplanung“ des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) wurden Hemmnisse und Erfolgsfaktoren kommunaler Verwaltungsstrukturen in ländlichen Räumen für eine erfolgreiche und effiziente Mobilitätsplanung identifiziert.

Die Ergebnisse basieren auf Erkenntnissen aus Fachliteratur, einem Expertenworkshop sowie Interviews mit Beschäftigten aus 20 Kommunen in ländlichen Regionen. Drei zentrale Gestaltungsfelder wurden identifiziert, die den Erfolg der Verkehrs- und Mobilitätsplanung beeinflussen: Verwaltungsstrukturen, Verwaltungsprozesse und die Verwaltungskultur.

1) Verwaltungsstrukturen

Ein erster wesentlicher Faktor sind die Verwaltungsstrukturen. Die Mobilitätsplanung sollte innerhalb der Kommune als gemeinsame, bereichsübergreifende Aufgabe verstanden und entsprechend koordiniert werden. Nur bei sieben von 20 Kommunen gab es eine Person oder Abteilung, die das Thema Mobilität gebündelt koordiniert. Bei neun von 20 Kommunen war die Mobilitätsplanung einer klar abgegrenzten organisatorischen Einheit oder einer koordinierenden Person zugeordnet.

Hilfreich sind klare Zuständigkeiten und ausreichend qualifiziertes Personal. Zudem ist eine langfristige Finanzierung notwendig – auch über Fördermittel –, damit geplante Maßnahmen verlässlich umgesetzt werden können.

2) Verwaltungsprozesse

Ein zweiter wichtiger Faktor sind die Verwaltungsprozesse. Eine integrierte Mobilitätsstrategie mit Vision, konkreten Zielen, passenden Maßnahmen und stetiger Erfolgskontrolle bildet die Basis für die Mobilitätsplanung. Nur zehn der 20 untersuchten Kommunen besaßen eine umfassende Mobilitätsstrategie oder verkehrspolitische Zielsetzungen. Häufig werden Mobilitätsthemen problembezogen behandelt – es wird kein Bedarf für eine umfassende Strategie gesehen.

Formelle und informelle Abläufe bestimmen den Arbeitsalltag in Kommunalverwaltungen und sollten schlank, möglichst digital und flexibel gestaltet sein. Alle Beteiligten – intern wie extern – sollten die Prozesse nachvollziehen können. Wichtig sind eine gute Zusammenarbeit innerhalb der Verwaltung, ebenso mit externen Akteuren und Fachleuten sowie die klare Unterstützung der Kommunalpolitik. Außerdem erhöhen die zielgerichtete Kommunikation und Bürgerbeteiligung die Akzeptanz von Planungen und Vorhaben.

3) Verwaltungskultur

Ein dritter essenzieller Aspekt ist die Verwaltungskultur. Mehrere Kommunen berichteten von einem deutlichen Bedeutungsgewinn der Mobilitätsplanung zum Beispiel in Bezug auf neue Mobilitätsformen. Wichtig ist eine offene, innovationsfreudige und lernbereite Verwaltungskultur. Führungskräfte spielen dabei eine zentrale Rolle, indem sie den kulturellen Wandel aktiv vorleben und fördern.

Die Region stellt die Weichen

Nachzulesen sind die Ergebnisse und Empfehlungen der Studie in der Publikation „Impulse für eine erfolgreiche Mobilitätsplanung in der Kommunalverwaltung“. Sie richtet sich explizit an Mitarbeiter aus Kommunen in ländlichen Räumen. Gefördert wurde das Projekt im Rahmen des Bundesprogramms Region gestalten durch das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.

Lucas Biermanski


Der Autor

Lucas Biermanski ist Projektleiter im Kompetenzzentrum für Ländliche Mobilität (KoLMo) im Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR).


Zum Weiterlesen

Ergebnisse der Studie und Empfehlungen für die kommunale Arbeit vor Ort sind zusammengeführt in der BBSR-Publikation „Impulse für eine erfolgreiche Mobilitätsplanung in der Kommunalverwaltung“.

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