Klimaneutrale Eiswelt in Stuttgart: Preisgekröntes Projekt setzt Maßstäbe über die Stadtgrenzen hinaus

Die umfassend sanierte Eiswelt in Stuttgart zeigt, wie CO₂-Neutralität selbst bei energieintensiven Gebäuden gelingt. Mit innovativen Wärmepumpen, konsequenter Abwärmenutzung und einer Photovoltaik-Folie auf dem Dach setzt die klimaneutrale Eiswelt neue Maßstäbe

Klimaneutrale Eiswelt
Klimafreundlicher Eissport in Stuttgart: Die klimaneutrale Eiswelt Stuttgart setzt auf innovative Wärmetechnik und erneuerbare Energien. Foto: Adobe Stock/LIGHTFIELD STUDIOS

Seit der Saison 2024/2025 setzt die Stuttgarter Eiswelt auf klimafreundlichen Eissport. Das städtische Eisstadion hat nach einer umfassenden Sanierung die CO₂-Neuträlität erreicht. Ermöglicht wird dies durch ein Zusammenspiel aus modernsten Wärmepumpen, einer konsequenten Abwärmenutzung und einer innovativen Photovoltaik-Folie auf dem Dach, die den Strom für den Hallenbetrieb liefert.

Im Zentrum der Energieversorgung stehen die Kältemaschinen, die für die erforderliche Eisflächenkühlung sorgen und dabei erhebliche Mengen an Abwärme erzeugen. Während diese Wärme vielerorts ungenutzt entweicht, verwendet die Eiswelt sie direkt vor Ort – und deckt damit etwa ein Drittel des eigenen Wärmebedarfs. Dies berichtet das Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit in einer Mitteilung.

Klimaneutrale Eiswelt basiert auf intelligentem Gesamtkonzept

So konnte die Stadt sowohl die fossile Gasheizung als auch ein veraltetes Blockheizkraftwerk ersetzen, was jährlich knapp 250 Tonnen CO₂ einspart. Ein weiteres Merkmal: Überschüssige Wärme wird in das Netz einer benachbarten Sporthalle eingespeist, von deren Photovoltaik-Überschuss die Eiswelt ebenfalls profitiert. So entsteht ein Energieverbund, der ökologische und wirtschaftliche Vorteile miteinander verbindet.

Die umfassende Sanierung wurde im Zuge des städtischen Klimaschutzprogramms angestoßen. Der Gemeinderat beschloss 2020, sämtliche städtische Gebäude bis 2030 klimaneutral zu betreiben. Für die besonders energieintensive Eiswelt war ein intelligentes Gesamtkonzept erforderlich.

Die Umsetzung erfolgte in enger Kooperation zwischen städtischen Ämtern wie dem Sport- und Hochbauamt und dem Amt für Umweltschutz. Aber auch externe Fachplanerinnen und -planer sowie ausführende Unternehmen waren an dem Projekt beteiligt. In gemeinsamer Arbeit entstand ein Konzept, das innovative Technologien mit praktischer Alltagstauglichkeit verbindet und zugleich als Vorbild für weitere energetische Sanierungen städtischer Gebäude dient.

Drei Wärmenetze ermöglichen die klimaneutrale Energieversorgung

Die klimaneutrale Energieversorgung stützt sich im Wesentlichen auf drei Wärmenetze. Diese verwenden die Abwärme der Kältemaschinen, die beim Betrieb der Eisflächen entsteht und stellen sie – je nach erforderlichem Temperaturniveau – für verschiedene Anwendungen bereit.

Ein Netz mit einer Temperatur von etwa 28 Grad Celsius nutzt die Abwärme direkt, etwa für Lüftungsanlagen oder Schmelzgruben. Ein weiteres Netz liefert bis zu 55 Grad Celsius und ist für die Warmwasserbereitung vorgesehen. Das dritte Netz stellt Wärme mit bis zu 65 Grad Celsius für anspruchsvolle Verbraucher bereit.

Vier Wärmepumpen mit einer Gesamtleistung von 460 kW passen das Temperaturniveau je nach Bedarf an und sorgen so für eine vielseitige Nutzung in allen Netzen. Für Spitzenlasten kommen Elektroheizkessel zum Einsatz, die mit Strom aus ultraleichten PV-Folienmodulen auf dem Dach betrieben werden. Die Eiswelt ist zudem Teil eines Energieverbunds mit der benachbarten Sporthalle. Überschüssiger PV-Strom wird in die Eiswelt geleitet, überschüssige Wärme zurückgespeist.

Eiswelt beim Wettbewerb „Klimaaktive Kommune 2025“ ausgezeichnet

Die Sanierung zur klimaneutralen Eiswelt wurde im Sommer 2024 fertiggestellt, wobei Gesamtkosten von 2,65 Millionen Euro anfielen. Etwa zehn Prozent der Investitionssumme wurden durch Fördermittel der KfW abgedeckt, den verbleibenden Anteil übernahm die Stadt. Bei jährlichen Einsparungen von rund 122.000 Euro wird sich das Projekt voraussichtlich nach 22 Jahren amortisieren. Je nach Energiepreisentwicklung ist auch ein früherer Zeitpunkt möglich.

Im Rahmen einer Monitoringphase soll untersucht werden, inwieweit die Eiswelt künftig als Wärmelieferant für ein geplantes Nahwärmenetz in einem nahegelegenen Quartier genutzt werden kann.

Das Projekt verdeutlicht, dass auch anspruchsvolle und energieaufwendige Gebäude wie eine Eishalle klimaneutral betrieben werden können. Durch die technische Ausgestaltung, den Energieverbund mit der Sporthalle und den Einsatz von PV-Folie nimmt die Eiswelt eine Vorreiterrolle ein und dient als Beispiel über die Stadtgrenzen Stuttgarts hinaus.

Beim Bundeswettbewerb „Klimaaktive Kommune 2025“ wurde die Landeshauptstadt Stuttgart für die klimaneutrale Eiswelt ausgezeichnet.

Red.

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