Für den herausfordernden Weg zu Klimaschutz und Klimaanpassung gibt es Unterstützung: zum Beispiel das neue Managementsystem „Klimakommune Deutschland“. Es soll helfen, effizient zum Ziel zu kommen und Vorhaben wirksam, greifbar und verbindlich zu machen. Roland Wiedemann stellt das neue Programm vor.

Zahlreiche Kommunen nutzten über viele Jahre den European Energy Award (eea) als Instrument für eine systematische Klima- und Energiepolitik. Nach dem Ende des Programms in Deutschland wurde im Dezember 2025 der Verein Klimakommune Deutschland e.V. gegründet.
Ziel ist es, Klimaschutz praxisnah, schlank und wirksam zu gestalten und noch stärker im kommunalen Alltag zu verankern. Zu den Gründungsmitgliedern gehören Kommunen, Energie- und Klimaschutzagenturen sowie Beratungsunternehmen aus Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen und Bremen.
Bewährte Strukturen bei geringerem Verwaltungsaufwand
Gemeinsam entwickelten sie ein Programm, das auf den bewährten Strukturen des internationalen eea auf baut und gleichzeitig den Verwaltungsaufwand reduziert. Die Bundesgeschäftsstelle für den neuen Verein übernimmt die Deutsche Energie-Agentur (dena).
„In manchen Kommunen wurde kritisiert, dass das bisherige System zu aufwendig und zu detailorientiert sei“, erklärt Martin Sambale, Geschäftsführer des Energie- und Umweltzentrums Allgäu und Vorsitzender des Vereins Klimakommune Deutschland.
Die neue Klimakommune übernehme deshalb die Stärken des eea – etwa seine klare Systematik und internationale Vergleichbarkeit –, konzentriere sich jedoch stärker auf die wesentlichen Maßnahmen und eine einfache Handhabung.
Passgenau für die kommunale Praxis
Auch Scheideggs Bürgermeister Ulrich Pfanner, Gründungsmitglied und Vorstandsmitglied des Vereins, sieht darin einen wichtigen Fortschritt. Bereits die Teilnahme am eea habe der Gemeinde geholfen, Klimaschutzmaßnahmen strategisch und wirtschaftlich umzusetzen. Das neue Programm sei noch stärker auf die kommunale Praxis ausgerichtet.
Gerade in Städten, Gemeinden und Landkreisen entscheide sich, ob Maßnahmen etwa in den Bereichen Wärmeplanung, Mobilität, kommunale Gebäude oder Energieversorgung tatsächlich umgesetzt würden. „Am Ende schaffen wir die Energiewende nur mit den Kommunen“, betont Pfanner. Zentral seien dabei klare Strukturen, verbindliche Ziele und ein kontinuierliches Monitoring.
Klimafahrplan mit Monitoring
Genau daran knüpft das Programm Klimakommune an. Nach einer Analyse der Ausgangslage werden konkrete Ziele festgelegt und ein Klimafahrplan mit Maßnahmen für Energiewende und Klimaschutz erarbeitet. Regelmäßige Überprüfungen sorgen dafür, dass der Prozess dauerhaft fortgeführt wird. „Die energiepolitischen Bemühungen werden auf diese Weise dokumentiert und verschwinden nicht im Informations-Nirwana“, so die Erfahrung von Bürgermeister Ulrich Pfanner.
Wie vielfältig kommunaler Klimaschutz aussehen kann, zeigt Scheidegg. Die Gemeinde betreibt seit 2009 ein Hackschnitzel-Heizkraftwerk mit Holz aus heimischen Wäldern, stärkt den öffentlichen Nahverkehr mit einer grenzüberschreitenden Busverbindung nach Bregenz und setzt auf kontinuierliche Öffentlichkeitsarbeit, auch in sozialen Medien. Große Resonanz fand zudem eine Selbstbauaktion für Balkonsolaranlagen unter Verwendung gebrauchter Photovoltaikmodule.
Klimacoaches unterstützen Kommunen
Ein zentrales Element des neuen Programms bleibt die Begleitung durch externe Fachleute. Die sogenannten Klimacoaches – überwiegend aus regionalen Energie- und Klimaschutzagenturen – unterstützen die Kommunen bei allen relevanten Handlungsfeldern, von kommunalen Liegenschaften über Wärmeplanung und erneuerbare Energien bis zur Bürgerbeteiligung. Neu aufgenommen wurde zudem das Themenfeld Klimaanpassung.
Wie beim eea erfolgt in der Regel alle vier Jahre ein externes Audit. Wenn Kommunen die Anforderungen erfüllen, werden sie als Klimagemeinde, Klimastadt oder Klimalandkreis ausgezeichnet. Bei entsprechender Bewertung ist weiterhin auch eine Auszeichnung mit dem internationalen European Energy Award in Gold möglich.
Um unterschiedlichen Voraussetzungen gerecht zu werden, stehen drei Programmvarianten zur Verfügung. Klimakommune classic richtet sich an Kommunen, die den bewährten prozessorientierten Ansatz des eea nutzen möchten. Der Maßnahmenkatalog wurde gegenüber dem früheren Verfahren deutlich verschlankt. Mit Klimakommune plus rückt die tatsächliche Minderung der Treibhausgasemissionen in den Mittelpunkt.
Ein digitales Dashboard und eine zugelassene Software unterstützen die Dokumentation sowie die Kommunikation der Ergebnisse. Bewertet wird, ob die Kommune ihren selbstdefinierten Minderungspfad sowohl im Gemeindegebiet als auch in der Verwaltung einhält.
Wie der Einstieg leicht gelingen kann
Für kleinere Kommunen oder Einsteiger wurde Klimakommune light entwickelt. Die Variante reduziert den Erfassungs-und Dokumentationsaufwand deutlich und konzentriert sich auf die Erstellung des Klimafahrplans sowie die Umsetzung konkreter Maßnahmen. Auf ein externes Audit und eine Auszeichnung wird verzichtet. Ein Wechsel in die Variante „classic“ mit Audit ist jedoch jederzeit möglich.
Roland Wiedemann
Der Autor
Roland Wiedemann ist beim Energie- und Umweltzentrum Allgäu (eza!) für die Pressearbeit zuständig.
Unterstützung für Kommunen
Das Programm „Klimakommune Deutschland“ hilft Kommunen bundesweit bei der systematischen Umsetzung von Energie-und Klimaschutzmaßnahmen. Es knüpft an die international anerkannten Standards des European Energy Award an und führt die Label Klimastadt, Klimagemeinde und
Klimalandkreis in Deutschland ein. Mehr dazu online:




