KI-Kooperation in der öffentlichen Verwaltung: NRW, Hessen und Baden-Württemberg gehen länderübergreifend voran

Nordrhein-Westfalen, Hessen und Baden-Württemberg bündeln ihre Kräfte beim Einsatz Künstlicher Intelligenz in der öffentlichen Verwaltung. Mit einer gemeinsamen Absichtserklärung legen die drei Länder den Grundstein für einheitliche Standards, eine interoperable Plattformarchitektur und mehr digitale Souveränität im föderalen Kontext.

KI-Kooperation in der öffentlichen Verwaltung
Länderübergreifende Kooperation: NRW, Hessen und Baden-Württemberg treiben den KI-Einsatz in der öffentlichen Verwaltung gemeinsam voran. Foto: Adobe Stock/Urupong

Ein länderübergreifender Zusammenschluss für den Einsatz Künstlicher Intelligenz in der öffentlichen Verwaltung nimmt Gestalt an: Nordrhein-Westfalen, Hessen und Baden-Württemberg gehen einen klaren Schritt hin zu einer leistungsfähigen, digitalen und souveränen Verwaltung.

Die drei Bundesländer haben eine gemeinsame Absichtserklärung unterzeichnet, um ihre Zusammenarbeit beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der öffentlichen Verwaltung länderübergreifend zu gestalten. Dies berichtet das Hessische Ministerium für Digitalisierung und Innovation in einer Mitteilung.

Interoperable KI-Infrastruktur für die öffentliche Verwaltung

Angestrebt wird der Aufbau einer leistungsfähigen, sicheren und interoperablen Plattformarchitektur, die eine einheitliche Grundlage für den Einsatz von KI-Anwendungen schafft. Grundlage bilden offene Standards sowie hohe Anforderungen an Datenschutz und Informationssicherheit.

Zugleich ist die Infrastruktur so konzipiert, dass sie föderal anschlussfähig ist und perspektivisch auch weiteren Ländern sowie dem Bund offensteht. Die Zusammenarbeit ist zunächst bis Ende 2028 vorgesehen. Zu Beginn sollen gemeinsame Standards und Schnittstellen festgelegt werden, um dann eigene Pilotanwendungen zu entwickeln.

„Gemeinsame Handlungsfähigkeit, digitale Souveränität und höchste Datenschutzstandards“

„Mit der länderübergreifenden Zusammenarbeit schaffen wir die Grundlage für einheitliche Standards und eine effiziente, skalierbare Nutzung von KI in der Verwaltung. Unser gemeinsames Ziel ist es, digitale Souveränität zu stärken und Innovationen schneller in die Anwendung zu bringen – zum Nutzen von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft“, so Prof. Dr. Kristina Sinemus, Hessische Ministerin für Digitalisierung und Innovation.

Ina Scharrenbach, Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen betont: „Eine gemeinsame Plattformstrategie ermöglicht das Schaffen von standardisierten Schnittstellen, gemeinsamen Sicherheits- und Datenschutzstandards, einheitlichen Qualitäts- und Dokumentationsanforderungen, abgestimmten Governance-Modellen sowie strukturierten Weiterentwicklungen von Anwendungen der Künstlichen Intelligenz für die öffentliche Verwaltung.“

Thomas Strobl, Minister des Inneren, für Digitalisierung und Kommunen des Landes Baden-Württemberg, ergänzt: „Künstliche Intelligenz ist weit mehr als ein Hilfswerkzeug für die öffentliche Verwaltung, sie ist eine wegweisende Technologie für unseren Staat. Mit der heutigen Absichtserklärung stellen wir sicher, dass wir diese Entwicklung nicht aus der Hand geben. Wir setzen auf gemeinsame Handlungsfähigkeit, digitale Souveränität und höchste Datenschutzstandards – für eine moderne Verwaltung, der die Bürgerinnen und Bürger vertrauen können.“

Jedes Land bringt seine Kompetenzen ein

Baden-Württemberg, Hessen und Nordrhein-Westfalen setzen einen klaren Schwerpunkt auf die Ermöglichung des KI-Einsatzes in der öffentlichen Verwaltung. Dabei betonen die Länder ausdrücklich ihren Anspruch auf einen rechtskonformen und verantwortungsvollen Umgang mit Künstlicher Intelligenz.

Datenschutz, Informationssicherheit sowie die Einhaltung der Vorgaben der europäischen KI-Verordnung sollen dabei gewährleistet sein. Für die Zusammenarbeit bringen die drei Länder jeweils ihre spezifischen Kompetenzen ein, unter anderem in den Bereichen Hochleistungsrechenzentren, KI-Forschung und ‑Entwicklung, Verwaltungsmodernisierung, Informationssicherheit, Standardisierung und IT-Architektur.

Zu Beginn erarbeiten die technischen Teams der beteiligten Länder eine gemeinsame Roadmap. Innerhalb eines Zeitraums von bis zu neun Monaten sollen ein abgestimmter Architektur- und Standardisierungsrahmen sowie einheitliche Standards für zentrale Schnittstellen festgelegt werden. Darauf aufbauend sind die Entwicklung einer Referenzarchitektur, geeignete Governance-Modelle sowie erste Pilot- und Implementierungsvorhaben vorgesehen.

Die gemeinsame Absichtserklärung ist mit einer Laufzeit bis längstens zum 31. Dezember 2028 versehen. Sie hält den politischen Willen der drei Länder fest, Künstliche Intelligenz im öffentlichen Sektor verantwortungsvoll, transparent und souverän weiterzuentwickeln. Inhaltlich knüpft die Vereinbarung an bereits bestehende KI-Initiativen der Länder an.

Die KI-Projekte der drei Bundesländer

Nordrhein-Westfalen steuert insbesondere das Projekt „NRW.Genius“ zur Kooperation bei. Dabei handelt es sich um eine KI-gestützte Verwaltungsassistenz, die Beschäftigte bereits heute bei Routineaufgaben sowie bei Recherche- und Textarbeiten unterstützt.

Baden-Württemberg arbeitet mit „KIVA“ an einer Referenzarchitektur für den souveränen Einsatz generativer KI in der Verwaltung. Die Architektur ist offen und cloud‑agnostisch ausgelegt und lässt sich sowohl in eigenen Rechenzentren als auch bei externen Anbietern betreiben. Vorgesehen sind unter anderem ein zentrales Zugangssystem für unterschiedliche KI‑Modelle, Funktionen zur sicheren Einbindung von Verwaltungsdaten sowie eine Plattform für KI‑gestützte Anwendungen und Agenten.

Hessen beteiligt sich mit dem KI‑Assistenten „AIGude“ an der Kooperation, der Verwaltungsbeschäftigte bei ihrer Arbeit unterstützt. Die Anwendung befindet sich derzeit in der Pilotphase und soll 2026 in den Regelbetrieb überführt werden. Zum Funktionsumfang zählen insbesondere Unterstützung bei Recherche, Texterstellung, Übersetzungen, Zusammenfassungen sowie beim Wissensmanagement.

Red.

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