Von Zertifikatskursen bis zum berufsbegleitenden Studium: Hochschulische Weiterbildung als Chance für Kommunen

Vielfältige Angebote der Hochschulen antworten auf die Herausforderungen, mit denen sich Kommunen und Verwaltungen auseinandersetzen müssen. Was ist wichtig – und wie können Kommunen berufsbegleitendes Studieren und hochschulische Weiterbildung für Fachkräftesicherung sowie Personalentwicklung nutzen?

Hochschulische Weiterbildung für Kommunen
Hochschulische Qualifizierung kann unterschiedlich aussehen: „Die Ange-bote reichen vom mehrstündigen Online-Seminar über Microcredentials und weitere Zertifikatskurse bis hin zum berufsbegleitenden Bachelor-oder Masterstudium.“ Foto: hoch & weit

Kommunen und Verwaltungen stehen vor großen Aufgaben: Digitalisierung, demografischer Wandel, ökologische Transformation, Künstliche Intelligenz und Fachkräftemangel verändern Arbeitsprozesse, Aufgabenprofile und Qualifikationsanforderungen. Viele kommunale Aufgaben lassen sich nur bewältigen, wenn Beschäftigte ihr Wissen regelmäßig erweitern, aktualisieren und neue Impulse in ihre tägliche Arbeit einbringen können.

Hochschulische Weiterbildung und berufsbegleitendes Studieren können hierfür wichtige Bausteine sein. Sie unterstützen Beschäftigte dabei, Fachwissen zu vertiefen und neue Kompetenzen zu entwickeln. Zugleich eröffnen sie Kommunen und Verwaltungen die Möglichkeit, Mitarbeiter gezielt zu qualifizieren, Fachkräfte zu binden und Personalentwicklung strategisch zu gestalten. Dabei muss es nicht immer gleich ein mehrere Semester umfassendes berufsbegleitendes Studium sein.

Hochschulische Weiterbildung ist Weiterbildung für alle: für jedes Alter, jede Branche und jede Karrierestufe. Die Angebote der Hochschulen sind so vielfältig wie die Menschen, die sie nutzen: Sie reichen vom mehrstündigen Online-Seminar über Microcredentials und weitere Zertifikatskurse bis hin zum berufsbegleitenden Bachelor- oder Masterstudium. Das bundesweite Informationsportal hoch & weit der Hochschulrektorenkonferenz macht diese Bandbreite hochschulischer Weiterbildung in Deutschland erstmalig sichtbar und zugänglich.

Was genau wird gebraucht?

Gerade diese Vielfalt sorgt dafür, dass sich für unterschiedliche Bedarfe und Lebenslagen passende Angebote finden lassen. Für Verwaltungen können kürzere Formate besonders interessant sein, weil sie konkrete Qualifizierungsbedarfe aufgreifen und sich oft leichter in den Berufsalltag integrieren lassen. Viele hochschulische Angebote stehen auch beruflich Qualifizierten offen, die weder Abitur noch ein erstes Hochschulstudium vorweisen können.

Der Nutzen liegt auf der Hand: Beschäftigte übertragen aktuelles, wissenschaftlich fundiertes Wissen in ihre Arbeit. Sie können das Gelernte mit ihrer täglichen Praxis abgleichen, konkrete Fragestellungen aus der Verwaltung einbringen und neue Lösungsansätze direkt erproben. So entsteht Transfer in beide Richtungen: Hochschulen vermitteln forschungsnahes Fachwissen, wissenschaftliche Einordnung und methodische Grundlagen. Verwaltungen steuern Anwendungsfälle, Erfahrung und Praxisnähe bei.

Damit berufsbegleitende Weiterbildung gelingt, sind gute Rahmenbedingungen notwendig. Wer neben dem Beruf lernt, braucht Zeit, Verlässlichkeit und Unterstützung. Je nach Umfang können flexible Arbeitszeitmodelle, feste Lernzeiten oder klare Absprachen zu Präsenzphasen sinnvoll sein.

Erfolgreiche Weiterbildung endet nicht mit dem Zertifikat

Wichtig ist auch die Frage, was nach der Weiterbildung passiert: Wie können Beschäftigte ihr neues Wissen einbringen? Gibt es passende Aufgaben oder Entwicklungsperspektiven? Weiterbildung ist auch eine Form von Wertschätzung – besonders dann, wenn die neu erworbenen Kompetenzen im Arbeitsalltag sichtbar und wirksam werden können.

Die Digitalisierung hat die Vereinbarkeit von Weiterbildung, Beruf und Privatleben vielfach erleichtert. Zahlreiche Angebote finden heute online, hybrid oder in kompakten Präsenzphasen statt. Digitale Formate sparen Wegezeiten und ermöglichen Lernen unabhängig vom Standort.

Gleichzeitig bleibt der Austausch zwischen Lehrenden und anderen Teilnehmern aus der Praxis wichtig – zum Beispiel, um gemeinsam Fallbeispiele zu diskutieren, Erfahrungen zu teilen und Lösungen zu entwickeln.

Passgenaues Angebot für die Stadt Mainz

Wie eine gewinnbringende Zusammenarbeit zwischen Hochschule und Verwaltung aussehen kann, zeigen die Hochschule Koblenz und die Stadt Mainz.

Die Hochschule Koblenz hat den berufsbegleitenden Zertifikatskurs „Fachkraft für Kita-Sozialraumarbeit“ entwickelt, um Erzieher, Sozialarbeiter und weitere Fachkräfte aus Städten und Kommunen gezielt auf neue Anforderungen in ihrem Beruf vorzubereiten. Für die Stadt Mainz wurde das Weiterbildungsangebot als passgenaue Inhouse-Schulung umgesetzt.

Das Grundprinzip des Zertifikatskurses ist seine Anpassungsfähigkeit. „Das Angebot wird gezielt an die Bedarfe von Trägern und Kommunen angepasst“, erklärt Professor Ralf Haderlein, Vizepräsident der Hochschule Koblenz. Im Fall der Stadt Mainz wurde das bestehende Curriculum des Weiterbildungsangebots der Hochschule in enger Abstimmung mit der Kommune weiterentwickelt.

Stadt und Hochschule kooperieren

Auch aus Sicht der Stadt Mainz war die enge und partnerschaftliche Zusammenarbeit entscheidend. Stefan Metzler, zuständig für das Sozialraumbudget bei der Stadt Mainz, erinnert sich an die Auswahlphase: „Wir haben uns verschiedene Weiterbildungen am Markt angeschaut. Aufbau und Inhalte des Angebots der Hochschule Koblenz haben uns sofort überzeugt – fachlich wie konzeptionell.“

Besonders wichtig sei gewesen, dass die Hochschule „etwas Maßgeschneidertes entwickelt“ habe – orientiert an den konkreten Bedarfen der Stadt.

Das Beispiel Mainz könnte Schule machen

Das Beispiel zeigt: Hochschulische Weiterbildung kann besonders wirksam sein, wenn Verwaltungen ihre Bedarfe klar formulieren und Hochschulen ihre wissenschaftliche Expertise praxisnah einbringen. Kommunen müssen nicht zwingend fertige Programme übernehmen. Vielmehr können Kooperationen entstehen, in denen Inhalte, Formate und Schwerpunkte gemeinsam weiterentwickelt werden.

Für Verwaltungen lohnt es sich deshalb, Weiterbildung strategisch zu denken: Welche Kompetenzen werden künftig gebraucht? Welche Beschäftigtengruppen sollen gestärkt werden? Reichen einzelne Module oder Zertifikatskurse, oder ist ein berufsbegleitendes Studium sinnvoll? Und wie können neue Impulse in die Organisation getragen werden?

Bei der Suche nach passenden Angeboten unterstützt hoch & weit als bundesweites Informationsportal für hochschulische Weiterbildung. Die Website bündelt die Weiterbildungsangebote aller deutschen Hochschulen, sie macht die Vielfalt hochschulischer Weiterbildung sichtbar und vergleichbar.

Über die Suche lassen sich Angebote unter anderem nach Abschluss, Format, Kosten oder Ort filtern. Wer unsicher ist, welche Weiterbildung passen könnte, kann mit dem kostenlosen „wit – Weiterbildungs-Interessentest“ ein individuelles Profil erstellen und erhält dazu passende Angebote.

Qualifizierung als Zukunftsstrategie

Für Kommunen und Verwaltungen ist hochschulische Weiterbildung mehr als eine individuelle Qualifizierung. Sie kann ein Instrument moderner Personalentwicklung sein – praxisnah, flexibel und anschlussfähig an die Herausforderungen vor Ort.

Aline Fischer-Meyfarth


Die Autorin

Aline Fischer-Meyfarth leitet das Weiterbildungsportal der Hochschulrektorenkonferenz (HRK).


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