In Stuttgart-Zuffenhausen entsteht ein neues Schwimmbad, und gleich nebenan wird eine Überbrückungslösung auf dem benachbarten Kelterplatz aufgebaut. Das Besondere: Die AQUABOX ist ein Holzmodulbau. Warum hat sich Stuttgart dafür entschieden – und was können sich andere Kommunen für ihre Bäder abschauen?

Sie planen eine Schwimmbad-Übergangslösung. Was ist das Besondere an diesem Bau?
Elvir Komšić: Es ist das europaweit erste Holzmodulbau-Schwimmbad. Die 46 Module kommen vorgefertigt aus dem Werk. Filter und Leitungen sind überwiegend schon in den Holzmodulen verbaut. Auch das Edelstahlbecken wird in Teilen angeliefert, die dann miteinander vor Ort verschweißt werden. Jedes Modul wird einzeln per Lkw aus der Nähe von Fulda nach Zuffenhausen angeliefert. Das Becken hat fünf Bahnen und einen Teilhubboden. Das bedeutet, dass man den Boden zwischen zwei und null Metern variieren kann. So können sich kleine Kinder im flachem Wasser mit dem Schwimmen vertraut machen. Gleichzeitig können Vereine und Schulen sowie die Öffentlichkeit die volle Tiefe nutzen.
Was spricht für einen Holzmodulbau?
Komšić: Vor allem der hohe Vorfertigungsgrad. Vieles kann schon im Vorfeld zusammengesetzt werden. Einiges läuft parallel ab, auf der Baustelle und im Werk, was sonst nacheinander stattfinden müsste. Das bedeutet eine rasche Umsetzung. Diese Planbarkeit führt gleichzeitig zu einer hohen Kostensicherheit. Zudem ist Nachhaltigkeit ein wichtiger Aspekt – neben Holz kommt zum Beispiel viel Naturkautschuk zum Einsatz.
Auch die Reduktion von CO2-Emissionen spielt natürlich eine Rolle. Ein weiterer Vorteil: Weil wir die Übergangslösung anbieten, müssen sich die Besucher kaum umstellen, da das neue Bad nur 50 Meter vom alten aufgestellt werden kann. Der Weg bleibt derselbe – das bedeutet eine höhere Akzeptanz. Außerdem handelt es sich bei dem Bau um ein temporäres und rückbaubares Gebäude. Flexibilität wird großgeschrieben.
Vom Modul zur Inbetriebnahme: Der Aufbau der AQUABOX
Wie verläuft der Aufbau?
Komšić: Im November 2025 wurden die ersten Module ans Baufeld geliefert. Davor wurde die Bodenplatte erstellt, damit der Untergrund stimmte. Inzwischen ist die Außenhülle fertig. Im Innenraum ist das Edelstahlbecken verbaut, und der Hubboden ist montiert. Jetzt fängt die letzte Ausbauphase an. Sobald sie abgeschlossen ist, starten wir den Probebetrieb. Dabei wird die Feinregulierung vorgenommen: Wie laufen die Filter und Maschinen? Wo muss man noch einmal nachjustieren? Und natürlich: Wie schwimmt es sich?
Mit welchen Herausforderungen ist man bei einem solchen Holzmodulbau konfrontiert – und was ist für Sie vor allem wichtg?
Komšić: Auf den ersten Blick wirkt es wie ein riesiges Puzzle, und man fragt sich, wie die Module zusammenpassen – und dann muss alles richtig ineineindergreifen. Falls Abstimmung nötig ist, wissen wir aber, dass eine gute Kommunikation und ein ehrlicher Austausch zwischen Auftragnehmer und Auftraggeber möglich ist. Aus meiner Erfahrung ist es sehr wichtig, ein Verhältnis auf Augenhöhe aufzubauen. So kann man Probleme sofort ansprechen und Entscheidungen zügig kommunizieren.
Inwieweit ist das Projekt ein Test für weitere Nutzungen?
Komšić: Es ist etwas Neues und Innovatives, und wir wissen, dass viele Menschen auf dieses Projekt schauen, auch weil nächstes Jahr die Internationale Bauausstellung (IBA) in Stuttgart stattfindet – da werden wir sicherlich Anlaufstelle sein. Es ist möglich, mit diesem Projekt einen Meilenstein für den Bäderbau zu schaffen, nicht nur in Deutschland.
Da es das erste seiner Art ist, werden wir jetzt gemeinsam mit der Baufirma noch weitere Erfahrungen sammeln, das Ganze optimieren und weiterentwickeln. Wenn das Bad einmal steht, werden dann Erfahrungsberichte der Besucherinnen und Besucher interessant. An deren Rückmeldungen können wir ebenfalls ansetzen und Verbesserungen vornehmen, so weit es möglich ist.
Ein Bad auf Wanderschaft: Mehrfachnutzung über mehrere Standorte
Was planen Sie mit dem Holzmodulbau für die Zukunft?
Komšić: Der Holzmodulbau ist auf einen Lebenszyklus von 30 bis 40 Jahren ausgelegt. Die Module bescheren uns dabei viel Flexibilität. Denn wenn der Neubau in Zuffenhausen fertig ist, wird die AQUABOX wieder abgebaut und nach Stuttgart-Möhringen transportiert. Dort soll im Stadtteil Sonnenberg das nächste Hallenbad aus den 1970er Jahren ersetzt werden, das Modulbad wird auch dort als Übergangslösung bereitstehen.
Das ist der große Vorteil: Mit Hilfe der mobilen Lösung müssen wir nicht drei Jahre schließen – wieder kann man während der Bauphase schwimmen, auch in Sonnenberg bieten wir mit unseren Ersatzwasserflächen also Kontinuität. Danach zieht der Modulbau zur letzten Station nach Stuttgart-Untertürkheim. Dort wird das bestehende Schwimmbad abgerissen, und die AQUABOX bleibt stationär dort.
Bäder modernisieren, ohne den Betrieb aus dem Blick zu verlieren
Um- oder Neubau von Bädern – diese Frage steht vielerorts an. Wie gehen Sie damit um?
Komšić: Es gibt nicht die eine Lösung, man muss von Fall zu Fall entscheiden. Wichtig ist für uns, dass die Besucher nicht auf dem Trockenen sitzen. In Zuffenhausen wird das Bad Ende April geschlossen, und die Besucher müssen eine kleine Trockenzeit bis nach den Sommerferien durchstehen, Ersatzflächen sind in anderen Bädern zur Verfügung gestellt worden – dann aber werden sie den Modulbau nutzen können. Grundsätzlich führen wir natürlich gründliche Zustandsanalysen durch.
Bei Schäden muss man schauen, welche Ursachen sie haben und wie man sie beheben kann. Die Bausubstanz muss geprüft werden. Boden, Wände, Rohrleitungen werden auf Risse, Lecks oder Korrosion untersucht. Fachplaner, Statiker, Gutachter stehen uns mit ihrer Expertise zur Seite. Entscheidend ist: Wir sehen Sanierungen ganzheitlich. Natürlich gilt es, den finanziellen Rahmen einzuhalten, dabei sind aber auch Qualitätssicherung und Terminplanung wichtige Bausteine. Gesetzliche Anforderungen wie energetische Optimierungen oder Sicherheitsbelange spielen ebenfalls eine wichtige Rolle.
Wie werden die Schwimmbadneubauten und die Sanierungen finanziert?
Komšić: Bei allen Sanierungen für Schwimmbäder müssen wir Mittel vom städtischen Haushalt beantragen. Für den Holzmodulbau haben wir eine Marktanalyse erstellt, über die Gremien der Stadt entscheiden konnten – im Fall des Bades positiv. Die jährlichen Kosten, die für den Bauunterhalt und für Sanierungen anfallen, spielen eine große Rolle. Auch bei unserem Neubau ist es wichtig, mit dem Bauunterhalt unmittelbar anzufangen, sobald der Neubau steht. Umso wichtiger ist es, ausreichend finanzielle Mittel für Bauunterhaltsmaßnahmen zur Verfügung gestellt zu bekommen. Bauschäden kann so frühzeitig entgegengewirkt werden. Aufwendige Sanierung und Badschließungen können unter Umständen so vermieden werden.
Schnell, flexibel, wirtschaftlich: Die Vorteile des Holzmodulbaus
Was spricht für den Holzmodulbau – was können Sie anderen Kommunen weitergeben?
Komšić: Die entscheidenden Erfahrungen werden wir sicherlich erst in Zukunft sammeln. Jetzt kann man aber schon sagen, dass der Holzmodulbau eine gute Lösung dafür ist, Ersatzwasserflächen zu schaffen und so den Prozess der Sanierung beziehungsweise des Ersatzneubaus zu überbrücken. Die Realisierung ist unkomplizierter, kostengünstig und vor allem unschlagbar schnell. Weil die Module im Werk zusammengestellt werden, ist der Bau wetterunabhängig.
Gleichzeitig unterstützt man ressourcenschonende Innovationen. Ein großer Vorteil ist zudem aus unserer Sicht, dass die Bürger auf nur wenig verzichten müssen, solange der Ersatz entsteht. Und: Ein Holzmodulbad muss nicht unbedingt nur eine Übergangslösung sein, es kann auch stationär bleiben. Wenn sich dann aber Bedarfe ändern, hat man die Flexibilität, es umsetzen zu können. Das muss allerdings von vornherein definiert werden aufgrund der flexiblen Bauweise.
Wenn sich andere für einen Holzmodulbau interessieren – worauf sollten sie achten?
Komšić: Wichtig ist, dass man im Vorfeld genau plant, was alles im Schwimmbad benötigt wird, und das im Vertrag verankert. Alles, was man vergisst, erzeugt später unnötige Kosten. Deshalb sollte man im Vorfeld viel mit dem Dienstleister kommunizieren. Ein Tipp von mir ist, sich Unterstützung in Sachen Expertise zu holen, zum Beispiel Fachplaner und Architekten, vor allem in kleineren Kommunen, so dass man fachlich auf Augenhöhe mit den Auftraggebern sprechen kann. Offenheit für nachhaltiges Bauen und innovative Technik sind ebenfalls wichtig.
Interview von Fabienne Acker
Steckbrief Holzmodulbad
Standort: Stuttgart-Zuffenhausen, Kelterplatz Maße: 50 x 30 Meter
Kosten: 15,1 Millionen Euro
Becken: 25 x 12,5 Meter mit Teilhubboden Baubeginn: November 2025
Fertigstellung: Herbst 2026




