Neues Schwimmbad trotz Kostendruck: Wie sich die Wirtschaftlichkeit gewährleisten lässt

Vielerorts wird geschlossen, im nordrhein-westfälischen Verl aber schwimmt man gegen die aktuelle Zeitströmung: Dort ist ein neues Hallenbad entstanden. Wie bekommt die Stadt das hin – und worauf legt der Bürgermeister besonderen Wert? Kay Rosansky hat nachgefragt.

Schwimmbad trotz Kostendruck
Schwimmangebote sind wichtig, darauf legt die Stadt Verl Wert. Voraussetzung dafür: ein Konzept zur Minimierung der Energiekosten, für das es in Teilen Fördermittel des Landes gab. Foto: Adobe Stock/BalanceFormCreative

Zu einer hochwertigen Infrastruktur gehören Schwimmbäder: Sie stellen ein attraktives und wichtiges Angebot für Bürgerinnen und Bürger dar. Dass sich gerade Schwimmbäder so großer Beliebtheit erfreuen, liegt zuallererst an der Betätigung im Wasser selbst, denn kaum eine andere Freizeitgestaltung ist dermaßen universell. Schwimmen (lernen) kann nahezu jeder, es sind dazu weder besondere Fertigkeiten noch eine teure Ausrüstung notwendig.

„Ja, aber…“ wird mancher Kämmerer einwerfen – und doch gibt es gute Beispiele für vertretbare Investitionen und auch für Kosteneinsparungen. Zum Beispiel Verl, wo gerade die Entscheidung für ein zweites Schwimmbad umgesetzt wird: eine Stadt in Nordrhein-Westfalen mit 25.000 Einwohnern, einem überdurchschnittlichen Bevölkerungswachstum und Bürgern mit einem verfügbaren Einkommen, das ebenfalls über dem landesweiten Mittelwert liegt.

Schwimmbad trotz Kostendruck: Verl investiert in ein zweites Schwimmbad

Verl betreibt ein gepflegtes Freibad und hat jetzt zusätzlich ein neues Hallenbad mit einem 25 Meter-Becken eröffnet. Die Stadt ist bekannt für ihre solide Haushaltsführung, doch zwei Schwimmbäder zu betreiben, klingt nach Luxus. Ist das so – oder wie schätzen Bürgermeister Robin Rieksneuwöhner (CDU) und Martina Heitvogt, Leiterin des Fachbereichs Bildung, Sport und Kultur, das ein?

Es überrascht kaum, dass die beiden nicht von Luxus sprechen, sondern von einer sinnvollen Investition in die Jugend, die Schule, die Vereine und in die Gemeinschaft der Bürger, die nun ein ganzjähriges Schwimmangebot erhalten.

Wesentlich erschien es Politik und Verwaltung, den tatsächlichen Bedarf sorgfältig zu ermitteln. Eine Wirtschaftlichkeits- und Marktanalyse ergab, dass eine große Nachfrage von Seiten des Vereins- und des Schulsports bestand. Ein „Spaßbad“ oder eine Therme kamen hingegen nicht infrage. Außerdem bedurfte es einer sorgfältigen Planung, die das Bad in ein schlüssiges Konzept einbinden und Synergien nutzen würde.

Solarenergie für das neue Bad

Um die Energiekosten zu minimieren, wurde das Bad an das Fernwärmenetz der Stadt angeschlossen. Einen guten Teil des Strombedarfs liefert eine PV-Anlage, die sowohl auf dem Dach als auch auf der Fassade montiert wurde. Für die PV-Anlage, deren Überkapazitäten zum Beheizen des Beckens genutzt werden können, standen Fördermittel des Landes zur Verfügung. Der Bauplatz auf dem zentral gelegenen Schulgelände wurde so gewählt, dass er für die Schüler Verkehrszeiten minimiert und für alle anderen Besucher bequem zu erreichen ist.

Um die Wirtschaftlichkeit eines solchen Bades gewährleisten zu können, ist es nach Überzeugung des Bürgermeisters wichtig, dass Politik und Verwaltung ein klares, priorisiertes Anforderungsprofil erstellen und sich daran halten. Überzogene Wünsche und Begehrlichkeiten müssen nötigenfalls auch schon mal ausgebremst werden. Außerdem ist es entscheidend, dass Bauabteilung und Betriebsleitung verantwortungsbewusst mit dem Budget umgehen und ihre Kontrollfunktion wahrnehmen.

Für das neue Hallenbad wurde mit Erstellungskosten in Höhe von 16,8 Millionen Euro eine Punktlandung hingelegt. Zudem ist man zuversichtlich, auch mit den geplanten jährlichen Betriebskosten in Höhe von 600.000 Euro auszukommen.

Wie sich ein Bad rechnen lässt

Verl zeigt: Bereits die ersten Planungen entscheiden, ob sich ein Schwimmbad wirtschaftlich betreiben lässt. Neben dem Personal werden die Kosten hauptsächlich durch den Wärme- und Strombedarf verursacht. Wärmeverluste lassen sich durch bauliche Maßnahmen wie Dämmung, die Vermeidung von Wärmebrücken, Luftdichtigkeit, mechanische Lüftungssysteme mit Wärmerückgewinnung oder Luftschleusen im Eingangsbereich reduzieren.

Außerdem kommt der Schwimmbadtechnik eine tragende Rolle zu. Sie sollte nach dem Prinzip „so viel wie nötig, so wenig wie möglich“ arbeiten. Was banal klingt, erweist sich tatsächlich als komplexe Aufgabenstellung.

Ein erhebliches Einsparpotenzial liegt bereits in der Hydraulik der Anlage – optimierte Querschnitte der Verrohrung und frequenzgesteuerte Pumpen reduzieren die Stromkosten mit langfristiger Wirkung. Hochwertige Filteranlagen mindern die Wasserverluste bei den notwendigen, automatisch minimierten Spülvorgängen, und eine präzise justierte Desinfektionsvorrichtung bringt Einsparungen beim Einsatz von Flockungs- und Desinfektionsmitteln sowie bei der pH-Wert-Einstellung.

Die Wasseraufbereitung ist allerdings ein dynamischer Prozess. Faktoren wie Temperatur und Luftfeuchte, vor allem aber die Art der Nutzung sowie die Menge der eingebrachten Verunreinigungen sind Parameter, mit denen die Technik umgehen muss. So sind Ruhephasen (Teillastbetrieb) ebenso zu berücksichtigen wie Phasen intensiver Nutzung.

Schwimmen mit der richtigen Technik

Sich innerhalb der gesamten Bandbreite bewegen und den Badegästen so ein unbeschwertes Badevergnügen garantieren: Dafür müssen sämtliche Komponenten der Wasseraufbereitung in eine professionelle Mess- und Regeltechnik eingebunden werden, die gleichermaßen für die notwendige Sicherheit wie für die gewünschte Wirtschaftlichkeit sorgt.

Kay Rosansky


Der Autor

Fachjournalist Kay Rosansky betreibt ein Redaktionsbüro in Verl.


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