Die Digitalisierung verändert das Ruhrgebiet: Eine Analyse zeigt, welche Kommunen im digitalen Wandel vorangehen, wo Stärken liegen – und in welchen Bereichen noch Potenziale zur Zukunftssicherung bestehen.

Der Megatrend der Digitalisierung beeinflusst nahezu sämtliche Lebensbereiche – von Wirtschaft und Bildung bis hin zu Infrastruktur und Verwaltung. Insbesondere für Kommunen entstehen dadurch neue Chancen und zugleich Herausforderungen, um den Ansprüchen von Unternehmen sowie Bürgerinnen und Bürgern gerecht zu werden.
Im Auftrag des Digital Campus Zollverein e.V. sowie des Ministeriums für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen hat die IW Consult GmbH mit dem Digital-Index eine systematische und vergleichbare Analyse des Digitalisierungsgrades in den 53 Kommunen des Ruhrgebiets durchgeführt. Dies berichtet das Institut der deutschen Wirtschaft in einer Mitteilung.
Studie zur Digitalisierung im Ruhrgebiet
Unter dem Titel „Zwischen Kohle und Code: Digitalisierung im Ruhrgebiet“ identifiziert die Analyse sieben Kommunen als Vorreiter und Impulsgeber der digitalen Transformation. Zu den Kommunen, die den Durchschnitt im Ruhrgebiet übertreffen, zählen Dortmund, Holzwickede, Bochum, Essen, Haltern am See, Hünxe und Gelsenkirchen. Im Vergleich mit den anderen elf Metropolregionen werden insbesondere auf Indikatorenebene Stärken der Ruhrgebietsregionen deutlich.
Die Studie verdeutlicht, dass das Ruhrgebiet ein erhebliches Potenzial aufweist, die Digitalisierung als Impulsgeber für wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wandel zu nutzen. Um deutschlandweit eine führende Position zu erreichen, sind jedoch gezielte Investitionen sowie eine stärkere Vernetzung von Wissenschaft, Wirtschaft und Verwaltung erforderlich.
In den unterschiedlichen Bereichen zeigen sich im Ruhrgebiet bestimmte Kommunen als besonders fortschrittlich: Bochum, Dortmund und Ennepetal erzielen im Bereich Forschung besonders hohe Werte. Bei der digitalen Beschäftigung liegen Dortmund, Holzwickede und Essen an der Spitze. Die höchsten Werte im Bereich Unternehmen verzeichnen Holzwickede, Dortmund und Bochum. Im Bereich der digitalen Infrastruktur führen Hünxe, Schermbeck und Sonsbeck das Feld an.
Bereiche mit Handlungsbedarf
Derzeit sind die Stärken des Ruhrgebiets weder flächendeckend noch in allen Bereichen ausgeprägt. Künftig sollten insbesondere folgende Bereiche in den Fokus rücken:
- Akteure vor Ort sollten der Ausbau der digitalen Infrastruktur – insbesondere der Glasfaseranschlüsse – als zentrale Grundlage der Digitalisierung vorrangig behandeln.
- Die ausgeprägte Forschungslandschaft und die Vielzahl an Initiativen im Ruhrgebiet schaffen günstige Bedingungen, um den Forschungsoutput weiter zu steigern. Eine gezielte Förderagentur könnte diesen Prozess unterstützen. Zudem sollte eine stärkere Vernetzung von Wissenschaft und Wirtschaft angestrebt werden.
- Digitalkompetenzen werden auf dem Arbeitsmarkt künftig eine immer wichtigere Rolle spielen. Im Ruhrgebiet werden zahlreiche IT-Fachkräfte ausgebildet. Durch eine bessere Abstimmung zwischen Unternehmen und Fachkräften können zusätzliche Beschäftigungspotenziale erschlossen werden.
- Der erfolgreiche Wissenstransfer in die Wirtschaft ist entscheidend für eine gelingende Digitalisierung. Hier bestehen noch Optimierungsmöglichkeiten. Entlang thematischer Linien könnten Kräfte gebündelt werden, sodass Impulse entstehen. Auch die Stärkung des Gründungsökosystems sollte dabei berücksichtigt werden. Orientierung bieten beispielsweise der BRYCK in Essen oder das Cyber Security Cluster in Bochum.
„Die breite empirisch fundierte Erhebung der Digitalisierung ermöglicht erstmalig eine objektive Einordung über das Digitalisierungsniveau der Gemeinden“, ordnet Dr. Henry Goecke, Geschäftsführer der IW Consult, die Studie ein. „Die Gemeinden des Ruhrgebiets befinden sich auf einem guten Weg und überraschen an der ein oder anderen Stelle durchaus positiv. Die regelmäßige Erhebung des Digital-Index ermöglicht es die Entwicklung der Digitalisierung in den nächsten Jahren verfolgen zu können.“
Red.
Über die Studie
Die Bewertung des Digitalisierungsgrades der 53 Kommunen des Ruhrgebiets basiert auf 12 Indikatoren aus den Bereichen Forschung, Beschäftigung, Unternehmen und Infrastruktur. Mithilfe dieser Indikatorik sind auch Vergleiche mit anderen deutschen Metropolregionen möglich. Neben amtlichen und nicht-öffentlichen Statistiken werden innovative Methoden wie Webcrawling eingesetzt, um zusätzliche Einblicke in die Unternehmenslandschaft zu gewinnen.



